Was für ein Befreiungsschlag!Sohn einer Immunisierungsgegnerin lässt sich zum 18. Geburtstag impfen

Seine Mutter ist überzeugte Immunisierungsgegnerin, also wartete Ethan Lindenberger bis zu seinem 18. Geburtstag, um sich impfen zu lassen. 
 

Inhalt
  1. Impfungen ohne elterliche Erlaubnis: Ethan rebelliert
  2. Der Fall macht weltweit Schlagzeilen
  3. Impf-Gegner vs. Impf-Befürworter: Keine Einigung in Sicht

Jill Wheeler lebt in Ohio, USA und hat sieben Kinder. Ihre zwei ältesten ließ sie noch impfen. Danach wurde sie zur überzeugten Immunisierungsgegnerin. Das ist sie bis heute. Obwohl ihr drittjüngster Sohn Ethan inzwischen gegen sie rebelliert und sich derzeit sämtliche Impfungen holt, die er als Kind verpasst hat. Der Fall schlägt hohe Wellen in den USA und macht auch weltweit Schlagzeilen, weil er Öl ins Feuer gießt: Kinder impfen, ja oder nein?

 

Impfungen ohne elterliche Erlaubnis: Ethan rebelliert

"Ich bin ein sehr folgsames Kind, ich wehre mich nicht oft gegen meine Mama. Obwohl ich inzwischen 18 bin…" So beschreibt sich Ethan Lindenberger gegenüber 'Undark' selbst. Und trotzdem beschließt Jill Wheelers Sohn eines Tages, sich gegen den Willen seiner Mutter impfen zu lassen. Auch sein Vater ist Immunisierungsgegner, sieht das Thema aber wesentlich lockerer, weil sein Sohn mit 18 Jahren nunmal nicht mehr um Erlaubnis fragen muss.
Zunächst holt sich Ethan Hilfe im Netz und fragt die Community auf 'Reddit' um Rat: "Meine Eltern sind irgendwie dumm und gegen Impfungen" beginnt er seinen Text – ein klares Zeichen für all den Frust, der sich bei dem jungen Mann aufgestaut hat. Getragen von dem Support, den er online erfährt, setzt Ethan sich tatsächlich durch und holt sich im Dezember 2018 die ersten Impfungen: HPV, Hepatitis A und B, Influenza, Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. Ende Februar 2019 folgen die nächsten Immunisierungen.  

 

Der Fall macht weltweit Schlagzeilen

Jill Wheeler und Ethan Lindenberger stehen sinnbildlich für eine der größten Streitfragen der aktuellen Gesellschaft: Dürfen Eltern, die gegen das Impfen sind, diese Entscheidung auch für ihre Kinder treffen? Als Neugeborene oder Kleinkinder sind die Betroffenen zu jung, um selbst eine Entscheidung zu fällen. Wer aber soll es dann tun? Die Mutter? Der Vater? Oder der Staat? Im vergangenen Jahr wurden Stimmen laut, die einen landesweiten Schulausschluss für ungeimpfte Kinder forderten – aber können Maßnahmen wie diese wirklich die Lösung sein? 
Jill Wheeler veranschaulicht das Problem von überzeugten Immunisierungsgegnern wie kaum eine andere: Sie ist tief und fest davon überzeugt davon, ihre Kinder zu beschützen, indem sie sie nicht impfen lässt. In ihrer Wahrnehmung tut sie das Richtige und genau das macht sie so unempfänglich für Argumente – egal, wie fundiert diese sein mögen. 
Ihre Liebe aber kommt auch bei ihrem Sohn Ethan an, der gegenüber 'CBS' über seine Mutter sagt: "Ich zweifle an ihrem Urteilsvermögen, aber nicht an ihrer Fürsorge." Jill indes empfindet den Impf-Kampf ihres Sohnes als "Schlag ins Gesicht", als hätte er ihr "ins Gesicht gespuckt". Gleichzeitig sagt sie ganz deutlich: "Ich bin stolz auf Ethan, weil er für das einsteht, woran er glaubt – auch wenn es gegen meine Überzeugungen geht. Er ist ein guter Sohn."

Hier kannst du das Interview von Mutter und Sohn sehen: 

 

Impf-Gegner vs. Impf-Befürworter: Keine Einigung in Sicht

Der Fall Wheeler/Lindenberger macht das Problem um die Impf-Streitfrage überdeutlich. Ja, Ethan lässt sich jetzt impfen und holt sich so den Schutz, den er für nötig erachtet. Aber seine zwei jüngeren Geschwister sind mit 16 und 14 Jahren zu jung, um diese Entscheidung gegen den Willen ihrer Eltern zu treffen und leben weiter ohne jeglichen Impfschutz. Ethans 16-jähriger Bruder will sich immunisieren lassen, sobald es geht. Die 14-jährige Schwester vertraut "voll und ganz" auf das Urteil ihrer Mutter und möchte sich nicht impfen lassen. Unzählige Gespräche mit seiner Mutter liefen ins Leere. "Wir beide haben unseren Standpunkt", hat Ethan inzwischen erkannt. Das lässt sich vermutlich 1:1 auf die weltweite Diskussion übertragen. 

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