Tolles IntegrationsprojektStadtgemüse: Urban Gardening mit Flüchtlingen

Beim Urban-Gardening-Projekt "Stadtgemüse" kommen Integration und Nachhaltigkeit zusammen: Hier wird nämlich gemeinsam mit Flüchtlingen Obst und Gemüse angebaut - und das mitten in Hamburg.

Urban Gardening mit Flüchtlingen bringt Integration und Nachhaltigkeit zusammen.
Generationsübergreifendes Gärtnern: Auch die Kinder haben Spaß am Urban Gardening.
Foto: Oscar Jessen
Inhalt
  1. Urban Gardening mit Flüchtlingen
  2. Was ist Urban Gardening?
  3. Beginn von Stadtgemüse
  4. Bau und Pflege der Hochbeete
  5. Ablauf des Urban Gardening-Projekts
  6. Interview mit Stadtgemüse-Gründer Oscar Jessen
 

Urban Gardening mit Flüchtlingen

Nachhaltigkeit und Integration sind an sich ja schon zwei Themen, die in unserer Gesellschaft derzeit eine zentrale Rolle einnehmen und uns auch in den nächsten Jahrzehnten definitiv begleiten werden. Das Projekt Stadtgemüse schafft es durch Urban Gardening mit geflüchteten Menschen, diese beiden wichtigen Aspekte zusammenzubringen. Da wollen wir natürlich genauer wissen, wie das funktioniert, und haben uns mit dem Gründer Oscar Jessen zum Gespräch getroffen.

 

Was ist Urban Gardening?

Vorweg: Der Trend geht immer mehr in Richtung gesundes Leben. Man muss ja nicht gleich Veganer sein, aber wir wollen schon ganz genau erfahren, woher unser Obst und Gemüse kommt. Außerdem soll es am liebsten ungespritzt sein und aus ökologischen Gründen keine langen Fahrten hinter sich haben, bevor es bei uns auf den Tisch kommt. Die Lösung: Urban Gardening! Viele Großstädter bauen ihr Obst und Gemüse mittlerweile selber an - ob im eigenen Garten, auf dem Balkon, in Schrebergärten oder auf gemeinsamen Flächen. Das Tolle dabei: Es bringt wahnsinnig Spaß, sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

A post shared by Stadtgemüse (@_stadtgemuese_) on

 

Beginn von Stadtgemüse

Initiator Oscar Jessen hatte die Idee, den Urban Gardening-Trend mit Integration zu verbinden: Im September 2017 begann die Zusammenarbeit mit der Stiftung "WAS TUN!" und die Suche nach einer freien Fläche neben einer Flüchtlingsunterkunft begann. Im April 2018 war es dann so weit: Neben dem Flüchtlingsheim Baakenhafen, am Rande der Hamburger Hafencity, konnte es dann mit dem Pilotprojekt von Stadtgemüse losgehen.

 

Bau und Pflege der Hochbeete

Zunächst ging es an den Bau der Hochbeete: Inititator Oscar Jessen hat mit freiwilligen Helfern und ansässigen Flüchtlingen Hochbeete aus herkömmlichen Europaletten zusammengebaut. Dann wurde gemeinsam ausgesät. Die Beete werden seitdem gemeinsam mit den Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft gehegt und gepflegt. Mittlerweile konnte sogar schon geerntet werden.

 

Ablauf des Urban Gardening-Projekts

Immer dienstags von 15:30 bis 18 Uhr wird gemeinsam gegärtnert. Das bedeutet: Interessierte Hamburger können gerne vorbeikommen und gemeinsam mit den Flüchtlingen an den Beeten werkeln. An den restlichen Tagen betreuen die Flüchtlinge eigenhändig das Projekt und gießen die Beete, besonders im heißen Sommer ist das ein wichtiger Faktor. In der kalten Jahreszeit soll im neuen Hexhaus, ein kleines Holzhaus neben den Hochbeeten, gemeinsam gekocht und genäht werden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

A post shared by Stadtgemüse (@_stadtgemuese_) on

 

Interview mit Stadtgemüse-Gründer Oscar Jessen

Im Interview erzählt uns Projektleiter Oscar Jessen alles über das außergewöhnliche Urban Gardening-Projekt mit Flüchtlingen:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Urban Farming mit Flüchtlingen zu machen?

Oscar Jessen: "Ich bin ursprünglich in Schweden auf die Idee gekommen Urban Farming zu machen. Dort kam ich, während eines Sprachkurses, das erste Mal mit Urban Gardening in Kontakt, weil es da ein großes Thema ist. Der Einbezug der Geflüchteten kam erst durch die WAS TUN!-Stiftung, mit denen ich an der Umsetzung gearbeitet habe. Da eine große Freifläche vor dem Flüchtlingsheim Baakenhafen offen für Projekte war, haben wir die Geflüchteten in unser Konzept einer offenen Plattform für generationenübergreifendes Gärtnern eingearbeitet. Natürlich gibt es Gartenprojekte mit Geflüchteten bereits, allerdings nur in geringem Ausmaß."

Was genau ist der Sinn der Urban Gardening-Initiative mit geflüchteten Menschen?

Oscar Jessen: "Der Sinn bzw. das Ziel des Projektes ist gemeinsam mit Geflüchteten und natürlich auch Freiwilligen aus Hamburg zusammen zu gärtnern und sich zu vernetzen. Gleichzeitig wollen wir mit den Beeten zur Umweltbildung beitragen und möglichst nachhaltig in der Stadt unser Obst und Gemüse züchten. Ich sehe eine sehr große Sinnhaftigkeit in diesem Projekt, da wir mit den Beeten nicht nur interkulturelle Begegnungen fördern, sondern auch dafür sensibilisieren, wo unser Obst und Gemüse eigentlich herkommt und wie es wächst. Das ist in einer Großstadt wie Hamburg nicht wirklich greifbar."

Was waren die Startschwierigkeiten bei Stadtgemüse?

Oscar Jessen: "Da unsere Hochbeete vor dem Flüchtlingsheim relativ abgelegen am Ende der Hafencity liegen, war es besonders schwer Menschen zu den Beeten zu bringen. Auch was die Flüchtlinge angeht, musste sich die Existenz von Stadtgemüse erst einmal rumsprechen."

Wie kommt das gemeinsame Gärtnern mittlerweile an?

Oscar Jessen: "Die Resonanz ist sehr positiv. Nach wie vor schwierig ist es allerdings, engagierte Leute aus der Stadt regelmäßig zu den Beeten zu bringen. Deshalb wollen wir jetzt Beetpatenschaften anbieten. Dabei können Interessierte die Patenschaft für zwei Beete übernehmen - eins können sie selbst bewirtschaften, eins ist für eine Flüchtlingsfamilie."

Was ist das Schönste an dem Projekt?

Oscar Jessen: "Das Schönste am Projekt ist zu sehen, wie andere die Beete für sich entdecken und wie sich Gemeinschaften bilden. Natürlich bringt es auch Spaß etwas zu ernten, was man selber gepflanzt hat."

Wie viele Flüchtlinge nehmen teil?

Oscar Jessen: "Die Teilnahme hängt von Zeit und Wetter ab. In unserer WhatsApp-Gruppe sind 18. Sobald wir jedoch Grillen oder andere Veranstaltungen machen, sind es auch schnell 50."

Welche Gemüsesorten baut ihr an?

Oscar Jessen: "Vor allem viel Blatt- und Wurzelgemüse. Aber auch Erdbeeren, weil sie bei Kindern sehr beliebt sind. Ansonsten haben wir dieses Jahr einfach mal getestet was gut wächst. Kartoffeln, Zucchini, Erbsen, Bohnen, Gurken und Tomaten werden wir nächstes Jahr mit Sicherheit wieder anbauen."

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

A post shared by Stadtgemüse (@_stadtgemuese_) on

Wie soll es weitergehen? Sind noch weitere Projekte geplant?

Oscar Jessen: "Da wir uns als Pilotprojekt sehen, hoffen wir mit unserer Strategie mehrere Flüchtlingsheime mit unseren Hochbeeten ausstatten zu können. Ansonsten werden wir bis 2020 im Baakenhafen bleiben und gucken, wohin die Reise geht."

Vielen Dank für das Gespräch!

Wir hoffen, dass Stadtgemüse noch weiter wächst, denn die Initiative ist ein hervorragendes Beispiel für eine gelungene Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Integration. Wer mehr über das Urban Gardening-Projekt erfahren möchte, kann auf der Homepage von WAS TUN! mehr erfahren.

Auch interessant:

Plastik-Ersatz: Dieser Stoff macht Hoffnung

Wieso ich keine Kleidung aus Mohair-Wolle trage​

Laborfleisch - von wegen Fleisch ohne tierische Zusatzstoffe!​

Kategorien: