WirtschaftSteuern: Deutschland zahlt weltweit am zweitmeisten Steuern

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Trauriger Rekord: Deutschland ist weltweit auf Platz 2 der Länder mit den höchsten Steuern. Dennoch will keine Partei die Steuerlast senken.

Der Blick auf die Gehaltsabrechnung ist in Deutschland ganz schön ernüchternd: Beinahe die Hälfte des hart verdienten Geldes wird vom Staat für Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Damit liegt Deutschland auf Platz zwei der OECD Staaten mit den höchsten Steuern. Mehr Steuern werden nur in Belgien gezahlt. Das zeigte am Dienstag eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Für manchen Steuerzahler fühlt sich das ungerecht an. 

Erstaunlich ist, dass die hohe Steuerlast, anders als früher, nicht mehr als Punkt im Wahlkampf mit aufgegriffen wird. Früher warben Parteien noch mit Slogans wie "mehr netto vom brutto", "Leistung muss wieder lohnen" oder Ähnliches. Heute dagegen: einheitliches Schweigen. Man scheint sich einig zu sein, dass Arbeitnehmer so schnell erst mal nicht entlastet werden sollen. Stattdessen ist sogar von Steuererhöhungen die Rede.

 

Singles zahlen besonders viel

Schuld an den hohen Abzügen vom Gehalt sind vor allem die hohen Sozialabgaben. Die Einkommensbesteuerung ist in Deutschland nicht höher, als in anderen Ländern (Deutschland liegt hier sogar eher hinten), doch werden hier mehr indirekte Steuern gezahlt. Durch diese kommen erschreckende Summen zusammen, wenn man die Belastung aus Steuern und Sozialabgaben addiert. Auch der Spitzensteuersatz ist mit 53.000 Euro im Jahr verhältnismäßig niedrig angesetzt: Ganze 4,2 Millionen Arbeitnehmer zahlen den Spitzensatz. Besonders hart werden Gering- und Durchschnittsverdiener belastet: Wie ein Beispiel der 'Süddeutschen Zeitung' zeigt, zahlen Singles mit einem Bruttogehalt von 1940 Euro monatlich rund 46 Prozent für Steuern und Abgaben.

 

Alles eine Frage der Perspektive

Bei all dem Frust über Steuern und Abgaben sollte jedoch nicht vergessen werden, dass von dem Geld auch vieles finanziert wird, was im Ausland extra kostet: Bildung an öffentlichen Schulen und Universitäten gehören zum Beispiel dazu. Bezieht man die Kosten hierfür bei den Ausgaben, die andere Länder von ihrem Gehalt tätigen, mit ein, schneidet Deutschland dann doch wieder gar nicht so schlecht ab.