Tropenholz in GrillkohleStiftung Warentest: Grillkohle im Test - welche ist ökologisch sauber?

Stiftung Warentest hat 17 Holzkohle-Produkte aus dem deutschen Handel untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: In 5 von 17 Holzkohle-Säcken steckt illegal abgeholztes Tropenholz. 

Inhalt
  1. Falsches Siegel: Tropenholz statt heimisches Holz 
  2. Eine Gesetzteslücke ermöglicht den Produktschwindel
  3. Das illegale Tropenholz stammt aus Paraguay und Nigeria
  4. Welche Grillkohle fiel durch? Welche ist zu empfehlen? 

Wie viel Holz aus Raubbau steckt in der Grillkohle, die auf dem deutschen Markt verkauft wird? Mit dieser Frage hat sich diesen Monat die Stiftung Warentest beschäftigt. 17 Grillkohlesorten wurden untersucht, darunter Produkte von Aldi Nord, Netto, Kaufland sowie Markenprodukte von ProFagus oder Weber. Der Kilopreis varriiert zwischen 0,90 bis 3,50 Euro. In fünf Säcken fanden die Tester Tropenholz. Nur ein Produkt hat Stiftung Warentest überzeugt. Vor allem bemängeln die Experten aber die mangelnde Transparenz der Branche. 

 

Falsches Siegel: Tropenholz statt heimisches Holz 

Die Analyse von Stiftung Warentest hat ergeben, dass viele Händler Holzkohle aus Tropenholz verkaufen, ohne dass es die Verbraucher wissen. Bei neun der getesteten Produkte waren weder Holzart noch Herkunft angegeben. In fünf der neun Säcke steckte Kohle aus tropischen oder subtropischen Wäldern. Ein Produkt trug sogar fälschlicherweise das Forest Stewardship Council-Siegel (FSC), das Kohle aus heimischen Wäldern und nachhaltiger Produktion kennzeichnet. In Wirklichkeit besteht die Grillkohle jedoch komplett aus Tropenholz. 

 

Eine Gesetzteslücke ermöglicht den Produktschwindel

Nur ein Anbieter hat auf seiner Verpackung angegeben, aus welchem Land das Holz stammt. Gesetzlich sind die Hersteller nicht dazu verpflichtet, dabei wäre Transparenz an diese Stelle dringend nötig. Denn Grillkohle darf auf dem deutschen Markt verkauft werden, auch wenn das Holz illegal geschlagen wurde. Möglich macht das die europäische Holzhandelsverordnung. Sie soll zwar sicherstellen, dass nur legales Holz in der EU gehandelt wird, das gilt bislang jedoch nicht für Grillkohle und Briketts. Importeure müssen also keine Legalitätsnachweise liefern. 

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Das illegale Tropenholz stammt aus Paraguay und Nigeria

Das Holz, welches in den fünf Tropenholz-Produkten gelandet ist, stammt überwiegend von Bäumen aus Afrika und Südamerika. Nigeria und Paraguay sind die größten Lieferanten für Kohle, die auf unseren Grills landet. Der illegale Holzhandel wird vor allem durch Armut und Korruption begünstigt und führt so zu massenhafter Waldvernichtung. Besonders in Paraguay werden gigantische Fläschen zugunsten von Viehzucht und Ackerbau gerodet. Der Verkauf der Holzkohle finanziert diese Abholzung. Nachhaltige Forstwirtschaft ist in beiden Ländern kaum existent. 

Auch in Europa wird illegal Holz geschlagen - überwiegend in der Ukraine. Auch dort sind Korruption und illegaler Holzeinschlag weit verbreitet, was die letzten Urwälder Europas bedroht. Knapp die Hälfte der Holzkohle-Anbieter gaben gegenüber Stiftung Warentest an, dass sie ihre Kohle zumindest teilweise aus der Ukraine beziehen. Immerhin sind jedoch viele der Produkte mit dem FSC-Siegel zertifiziert. 

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Welche Grillkohle fiel durch? Welche ist zu empfehlen? 

Die Max Grill & Barbecue Premium Holzkohle wurde mit einem falschen FSC-Siegel deklariert. Die Holzkohle von Aldi Nord, Netto, Kaufland und Getränke Hoffmann wurde nicht deklariert. Laut der Stiftung Warentest hat nur ein Produkt alle Kriterien erfüllt - die Flammenco Grill-Holzkohle (Preis: 1,17 Euro pro Kilogramm). Gering schätzt Warentest außerdem das Risiko von Raubbau bei Favorit Buchen Grillkohle (Preis: 2 Euro pro Kilogramm) und der ProFagus Buchen Grill-Holzkohle (Preis: 2,60 Euro pro Kilogramm) ein. In beiden Säcken ist Holz, welches in Deutschland verkohlt wurde. Das zweite getestete Produkt von Favorit, die Qualitäts-Grill Holzkohle besteht jedoch aus Tropenholz. 

Klimafreundlicher ist es übrigens mit Gas zu grillen. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich einen neuen Grill zuzulegen, sollte diese umweltfreundlichere Alternative im Hinterkopf behalten. 

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