Deutschland Studie zeigt: Jede zweite Frau fühlt sich nicht mehr sicher

Frauen haben Angst, wenn sie sich allein auf der Straße bewegen. Das zeigt eine neue Umfrage der Bild am Sonntag (BAMS). Wem können wir dafür die Schuld geben?

Viele Frauen haben Angst, wenn sie alleine unterwegs sind
Viele Frauen haben Angst, wenn sie alleine unterwegs sind
Foto: Istock
Inhalt
  1. Zahl der Straftaten relativ konstant
  2. Die Angst ist in unseren Köpfen
  3. Köln als Symbol der Angst

"Diese Männer wollen öffentlich demonstrieren, dass wir nichts auf der Straße zu suchen haben", so Frauenrechtlerin Alice Schwarzer. Doch wer sind "diese Männer"? Flüchtlinge, Muslime oder einfach Männer? Und wer ist eigentlich daran Schuld, dass sich Frauen nicht mehr sicher in Deutschland fühlen?

Die von der BAMS befragten Frauen sind sich relativ einig. Von den 58 Prozent aller Frauen, die sich bedroht fühlen, machen 44 Prozent die Zuwanderung muslimischer Männer dafür verantwortlich. Doch ist diese Angst tatsächlich begründet?

 

Zahl der Straftaten relativ konstant

Bereits im Jahr 2015 kamen rund 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Dennoch: Die Zahl der 2015 registrierten Straftaten in Deutschland blieb relativ konstant. Die Zunahme der Verstöße liegt größtenteils daran, dass die Kriminalität gegen Ausländer zunahm. Einen traurigen Rekord erreichte die Zahl rechter Gewalttaten. Die Zahl stieg um mehr als 44 Prozent.

Die Zahl der Straftaten, die 2015 von Zuwanderer verübt wurden, liegt bei rund 190.000, so das Bundeskriminalamt (BKA). Dabei liegen Sexualdelikte bei unter einem Prozent der Gesamtzahl von Straftaten, die von Zuwanderern begangen werden. 

In der ersten Jahreshälfte 2016 war die Zahl der Straftaten, die von Flüchtlingen begangen wurden, rückläufig, so das BKA. Auch 2016 stellten Sexualdelikte rund 1,1 Prozent aller Straftaten dar. Diebstahl und Vermögens- und Fälschungsdelikte waren am häufigsten vertreten.

77 Prozent aller Frauen in einer EU-weiten Umfrage, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind, sagten, dass sie den Täter schon vor der Tat kannten. Oft sind die Opfer sogar mit dem Täter verheiratet.

Eine der Kernaussagen des Berichts des BKA ist: "Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche." Faktisch gesehen gibt es also keinen Grund sich bei einer höheren Anzahl von Zuwanderern unsicherer zu fühlen. Woher kommt also unsere Angst?

 

Die Angst ist in unseren Köpfen

"Wir alle müssen unser Freizeitverhalten nicht ändern, denn Deutschland ist immer noch eines der sichersten Länder der Welt", so Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalsamts. Doch das reicht vielen Frauen nicht als Sicherheit.

Angstforscher sagen, dass Frauen generell vorsichtiger geworden seien und deshalb Täter gar nicht erst dazu kämen Frauen anzugreifen. Somit steige die Zahl der Straftaten erst gar nicht.

Und diese Angst ist nicht zuletzt extrem verstärkt worden seit den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln. Schaut man sich Internetforen oder Kommentare zu den Ergebnissen der BAMS-Umfrage an, liest man immer wieder Köln. Auch der Fokus hat eine Umfrage unter Userinnen gestartet. Auch hier: Angst, Unsicherheit und immer wieder Köln.

 

Köln als Symbol der Angst

Jeder hat es mitbekommen: Erst ganz langsam sickerten die Geschehnisse am Neujahrmorgen zu uns durch. Ausländische Männer haben sich verabredet. Sie wollten Ärger machen. Sich über Frauen lustig machen. Sie unnötig bedrängen, begrapschen. Dass diese Straftaten passiert sind, steht außer Frage.

Aber passiert das ständig? Ereignet sich wirklich tagtäglich ein kleines Köln in unseren Heimatorten? Diese Frage muss sich jede Frau selbst beantworten. Und jede Frau muss selbst einschätzen können, inwiefern Medien sie beeinflussen und inwiefern die eigenen Erfahrungen zur Angst beitragen. Und danach sollten wir uns auch verhalten. Die eigenen Erfahrungen sind doch viel mehr wert als das, was wir im Internet lesen, uns Dritte erzählen oder wir im Fernsehen sehen.

Es gibt auch Frauen, die sich dieser öffentlichen Angst nicht hingeben. Ute S. zum Beispiel: "Nein. Ich habe nichts geändert. Weder mein Verhalten, noch meine Kleidung [...]. Ich habe noch nie wegen mir entgegenkommender Männer die Straßenseite gewechselt, und werde nicht damit beginnen [...]."

 

 
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