(Un)gesunde ErnährungSupermarkt: Hähnchen- und Putenfleisch mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht

Laut neusten Angaben des Bundesagrarministeriums ist rund 50 Prozent des Hähnchen- und Putenfleisches aus Supermärkten mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht.

Inhalt
  1. Jedes zweite Supermarkt-Hähnchen verseucht
  2. Mensch zu Mensch Übertragung möglich
  3. Wie kann man sich vor ESBL schützen?

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat auf eine Anfrage der Partei Bündnis 90/ Die Grünen die Ergebnisse einer Fleischuntersuchung veröffentlicht.

 

Jedes zweite Supermarkt-Hähnchen verseucht

Demnach wurden im vergangenen Jahr (2016) bei 208 von 418 geprüften Supermarkt-Hähnchen die Enzyme Extended Spektrum Beta-Laktamasen (kurz: ESBL) nachgewiesen - also bei etwa jedem zweiten. Bei Putenfleisch waren 178 von 459 Proben mit ESBL verseucht.

Hinzu wurden in 204 von 458 Putenfleisch-Proben die antibiotikaresistente Bakterien MRSA (Methicillin resistenter Staphylococcus aureus) nachgewiesen. Beim Hähnchenfleisch waren 55 von 422 Proben MRSA-verseucht.

Supermarkt: Hähnchen- und Putenfleisch mit antibiotikaresistenten Keimen verseucht
Jedes zweite Geflügelfleisch aus dem Supermarkt ist mit antibiotikaresistenten Keimen verunreinigt
Foto: iStock

Laut des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) verursachen ESBL die Antibiotikaresistenzen. "Der Einsatz von Antibiotika bei Menschen und Tieren fördert die Verbreitung von ESBL-bildenden Bakterien", heißt es beim BfR. In tausenden Tierställen kommt noch viel zu häufig Antibiotika zum Einsatz. Die Hygienemaßnahmen in vielen Schlachthöfen sind verbesserungsfähig.

 

Mensch zu Mensch Übertragung möglich

Das BfR informiert: "Es ist seit langem bekannt, dass es in erheblichem Maß zum Austausch von Keimen zwischen Nutztieren und Personen kommt, die mit diesen Nutztieren umgehen. Dies gilt auch für die Keimflora im Magen-Darm-Trakt. Da der Mensch Träger dieser Bakterien sein kann, ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich."

Laut einer Studie tragen etwa 5 Prozent der gesunden Bevölkerung unwissend schon ESBL in sich. ESBL selbst verursacht beim Menschen keine Krankheiten. Gefährlich werden sie erst, wenn der betroffene Mensch erkrankt: "Es ist jedoch bekannt, dass im Fall einer Erkrankung diese dann schlechter behandelbar ist. Cephalosporine der dritten und vierten Generation gehören zu den wichtigsten Wirkstoffen bei der Behandlung solcher Infektionen beim Menschen. Gegen diese Gruppe von Wirkstoffen sind ESBL-bildende Bakterien aber resistent, d. h. die Stoffe sind wirkungslos", schreibt das BfR.

 

Wie kann man sich vor ESBL schützen?

Da ESBL nur im Labor nachweisbar ist, rät das BfR Verbrauchern sich wie folgt zu schützen:

  • Nach dem Kontakt mit Tieren die Hände mit warmem Wasser und Seife waschen. Dies gilt auch nach dem Kontakt mit Haustieren.
  • Lebensmittel, insbesondere Fleisch und Eier, vor dem Verzehr gut durchgaren.
  • Rohkost, wie zum Beispiel Salate, Sprossen, Gemüse und Obst, vor dem Verzehr gründlich mit Trinkwasser waschen oder Obst und Gemüse schälen.
  • Den direkten oder indirekten Kontakt von rohem Fleisch und rohen Eiern mit Rohkost und verzehrfertigen Speisen, die später nicht mehr erhitzt werden, vermeiden. Bei der Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln die einschlägigen Hygieneregeln strikt einhalten, um die Keimbelastung so gering wie möglich zu halten.

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(ww7)

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