Kontroverse Diskussion

Tempolimit: Bald 30 km/h in deutschen Städten? Das bringt es wirklich!

30 km/h in deutschen Städten, 80 km/h auf Landstraßen, 130 km/h auf Autobahnen: Was bringt das Tempolimit? Das sagen Befürworter und Kritiker.

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Die Bundestagswahl 2021 rückt näher und damit das Thema Tempolimit wieder in den Fokus. CDU/CSU, AfD und FDP lehnen Geschwindigkeitsbegrenzungen grundsätzlich ab. SPD, Grüne und die Linke sind dafür, haben aber unterschiedliche Vorstellungen davon, wie schnell wo gefahren werden sollte.

Tempolimit 30 km/h in deutschen Städten

Eines der Hauptargumente für ein Tempolimit innerhalb der Städte neben der Sicherheit für alle Straßenverkehrsteilnehmer*innen ist die Lebensqualität. Wo Autos langsamer fahren, sinkt der Lärmpegel. Experten schätzen, dass sich der Verkehr dann anhören würde, als wäre nur noch die Hälfte der Autos unterwegs. Im Juli haben mit Aachen, Augsburg, Freiburg im Breisgau, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm sieben deutsche Städte ein Pilotprojekt gestartet: Tempo 50 nur noch auf den Hauptverkehrsstraßen, sonst Tempo 30. "Die Leistungsfähigkeit für den Verkehr wird durch Tempo 30 nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität dagegen spürbar erhöht", hieß es von offizieller Seite zu dem Projekt.

Ob ein Tempolimit in der Stadt sich spürbar aufs Klima auswirkt, ist unklar. Wie Miriam Dross vom Umweltbundesamt laut "tagesschau.de" allerdings erklärt, gebe es Hinweise darauf, dass die Luft sauberer wird. So habe eine dreijährige Messreihe in Berlin am Ende der Aufzeichnungen eine um ein Fünftel niedrigere Feinstaubkonzentration und eine um ein Drittel niedrigere Konzentration des Stickoxids NO2 ergeben. Derzeit läuft ein Forschungsprojekt des Umweltbundesamtes, um genauere Effekte eines Tempolimits innerhalb deutscher Städte zu untersuchen.

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Tempolimit 130 km/h auf Autobahnen

Wenn es um eine Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit geht, stehen deutsche Autobahnen im Fokus der Diskussionen. Schließlich ist Deutschland das einzige Land, in dem Autofahrer*innen – zumindest streckenweise – so schnell fahren dürfen, wie sie wollen.

Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) hält das Tempolimit 130 km/h auf deutschen Autobahnen für "unlogisch" – zumindest mit Blick auf den CO₂-Ausstoß. Immer mehr Elektroautos auf deutschen Straßen machten ein grundsätzliches Schnellfahrverbot überflüssig. Im Interview mit dem "RND" sagte Laschet: "Zentral ist es, die Technologien zu verbessern, anstatt unsinnige Debatten wie die über ein pauschales Tempolimit zu führen. Warum soll ein Elektrofahrzeug, das keine CO₂-Emissionen verursacht, nicht schneller als 130 fahren dürfen? Das ist unlogisch. Wenn das Elektroauto nur noch 130 fahren darf, ist dem Klima nicht geholfen."

SPD und Grüne plädieren für ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen, für die Linkspartei wären 120 km/h schnell genug. Eines der zentralen Argumente neben Umweltschutz und Lärmbelästigung ist die Sicherheit auf den Straßen. Weniger Geschwindigkeit habe weniger schwere Unfälle zur Folge. "Die Chance, zu überleben, ist mit einer niedrigeren Aufprallgeschwindigkeit deutlich höher als bei einer sehr hohen Geschwindigkeit", betont Christopher Spering, Unfallchirurg an der Universitätsmedizin Göttingen und Mitglied im Deutschen Verkehrssicherheitsrat gegenüber "tagesschau.de".

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hält in einem aktuellen Thesenpapier dagegen: "Die Autobahnen sind hierzulande nicht nur die sichersten Straßen. Sie werden zudem von Jahr zu Jahr immer sicherer. Von 2000 bis 2018 ging die Zahl der auf Autobahnen tödlich Verunglückten um mehr als 50% zurück."

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Tempolimit 80 km/h auf Landstraßen

Immer mehr Tempolimit-Befürworter weisen inzwischen darauf hin, dass geringere Maximalgeschwindigkeiten nicht nur auf deutschen Autobahnen oder in Städten wichtig wären. "Was von vielen völlig außer Acht gelassen wird, ist die Bedeutung eines geringeren Tempolimits auf Landstraßen", betonte Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), gegenüber "Spiegel Mobilität".

Auf Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften, Bundes- und Kreisstraßen gilt ohne eine weitere Beschilderung aktuell ein Tempolimit von 100 km/h. Dabei ist der Großteil der Landstraßen in Deutschland in einem zu schlechten Zustand für dieses Tempo. Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, dass 2020 etwa 58% aller Unfalltoten auf Landstraßen ihr Leben verloren haben – 1.592 Menschen. Zum Vergleich: Auf Autobahnen starben im gleichen Jahr 317 Menschen. Jeder zehnte Unfall auf der Landstraße erfolgte aus einer erhöhten Geschwindigkeit heraus.

Wie "Spiegel Mobilität" berechnet, hätte eine Geschwindigkeitsreduzierung von 100 auf 80 km/h erhebliche Effekte. Eine Vollbremsung beispielsweise endet bei Tempo 100 nach rund 50 Metern, bei Tempo 80 schon nach 32 Metern. Außerdem fährt ein Auto bei 100 km/h pro Sekunde gut fünf Meter mehr als ein Auto mit 80 km/h. Das wirkt sich empfindlich auf die bleibende Reaktionszeit und die zurückgelegten Bremswege aus.

Nach der Bundestagswahl am 26. September wird die gewählte Regierung das Thema Tempolimit wieder aufgreifen und neu verhandeln müssen.

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