Wegen ArtenschutzThüringen: Sechs Wolfsmischlinge sollen getötet werden

In Erfurt hat eine Wölfin sechs Junge bekommen. Weil die Kleinen eine Mischung aus Wolf und Hund sind, sollen sie aus Artenschutzgründen getötet werden.

Auf dem Truppenübungsplatz im Landkreis Gotha in Erfurt lebt eine Wölfin. Die hat nun sechs Wolfsmischlinge bekommen. Aufnahmen zeigten sie beim Streifzug durch ihr Ohrdrufer Revier, gab das Thüringer Umweltministerium bekannt. Doch die Kinder haben kein langes Leben vor sich: Die Jungtiere sind Hybride - eine Mischung aus Wolf und Hund.

Dieser Gen-Mix von Wolf und Hund kann die Wolfspopulation gefährden, da die Tiere anders als andere Hybride wie zum Beispiel Maultiere (Nachkommen von Pferd und Esel) zeugungsfähig sind. Daher sollen die fünf Monate alten Wolfsmischlinge getötet werden.

Thüringen: Sechs Wolfsmischlings-Babys müssen getötet werden
Aus Artenschutzgründen sollen sechs Wolfsmischlinge in Thüringen erschossen werden. 
Foto: iStock

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hatte zu diesem Schritt geraten. "Je größer die Jungtiere werden, desto größer ist auch die Gefahr, dass sie sich von der Mutter entfernen", sagte ein Ministeriumssprecher. Daher sollen die vier Männchen und zwei Weibchen in den kommenden Wochen getötet werden. Dazu muss allerdings zunächst eine Ausnahmegenehmigung beim Sozialministerium für Tierschutz eingeholt werden. Wird diese genehmigt, erteilt die Obere Naturschutzbehörde beim Landesverwaltungsamt die Erlaubnis, die Tiere mit einem Gewehr zu töten. Noch ist man allerdings nicht zu einer Entscheidung gekommen. 

Die Tierschutzorganisation Nabu in Thüringen gab zu bedenken, dass mehr Kontrollen in diesem Gebiet erforderlich seien. "Man muss sich dringend um freilaufende Hunde in der Region kümmern", so Sprecherin Silvester Tamás. 

 

Das Töten von Hybriden ist umstritten

Wenn sich ein Wolf mit einem Hund paart, trägt der Hybrid den Jagdinstinkt des Wolfes, aber auch die Charaktereigenschaften eines Haustieres in sich, was sie zutraulich gegenüber Menschen macht. Hybride in einem Gehege zu halten, kann mitunter eine Quälerei für die Tiere sein. "In Deutschland wurde bisher einmal versucht, Hybride in einem Gehege zu halten. Sie wurden dort schwer verletzt und mussten dann doch getötet werden", sagt Guido Fischer, Mitglied im Naturschutzbeirat des Landkreises Gotha, zu dem Fall. "Aber auch Hybride gelten als Wölfe und sind damit streng geschützt. Ein zu erwartendes schlechtes Leben im Gehege dürfte kein Grund sein, die Tiere zu töten."

Könnte man die Tiere denn nicht einfach kastrieren und danach wieder in freier Wildbahn leben lassen?  Diese Frage zieht ein weiteres Problem nach sich, wie Tom Wetzling, Sprecher des Thüringer Umweltministeriums, erklärt: "Niemand weiß so recht, wie sich die Mischlinge im Bezug auf Menschen verhalten werden - vor allem nicht nach einer Kastration oder Sterilisation."

Die Haushund-Gene könnten dazu führen, dass die Mischlinge weniger Scheu vor Menschen haben. Da sie aber gleichzeitig noch Wildtiere sind, kann sie das umso gefährlicher machen. 

Eine endgültige Entscheidung zu den Wolfsmischlingen steht derzeit noch aus. Noch hat das Landesverwaltungsamt noch nicht seine Zustimmung zu dem Sonderantrag des Umweltministeriums auf "Entnahme" der Jungtiere gegeben.

In der Zwischenzeit wurde viel gegen die Tötung der Wolfsmischlinge protestiert. Eine Online-Petition brachte schnell mehr als 10.000 Unterschriften zusammen. Derweil fordert Landwirt Christian Schneider auch die Mutter zu erschießen. Er hat nämlich bereits 39 Schafe, knapp die Hälfte seiner Herde, an die Wölfin und ihre Junge verloren. 

Unabhängig davon wie das Landesveraltungsamt über das Schicksal der Wölfin und ihrer Hybrid-Mischlinge entscheiden wird, steht eine Sache bereits fest: Allzu viel Zeit bleibt nicht mehr, denn bald werden sich die Jungtiere von ihrer Mutter entfernen. 

 

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