Fahrlässige TötungUnfall: Autofahrer überfährt Mopedfahrerin (17) - und schreibt einen Brief an ihre Eltern

Ein Autofahrer fährt auf der Landstraße knapp 30 km/h zu schnell - und tötet eine Mopedfahrerin (17). Ein knappes Jahr später schreibt er einen Brief an ihre Eltern.

Unfall: Autofahrer überfährt Mopedfahrerin und schreibt einen Brief an ihre Eltern
Die Staatsanwaltschaft klagt wegen "fahrlässiger Tötung"
Foto: iStock

In Dossow (Brandenburg) ereignete sich am 18. September 2016 ein grausamer Unfall. Der Lieferdienst-Fahrer Stephan (25) fuhr mit 109 Stundenkilometern (km/h) eine Landstraße entlang. Erlaubt sind dort allerdings nur 80 km/h. In einer Linkskurve verliert er die Kontrolle und rammt frontal ein entgegenkommendes Moped. Vanessa, die 17-jährige Fahrerin, stirbt sofort.

 

Wurde der Brief des Rasers im Auftrag eines Anwalts geschrieben?

Im Juli 2017 - etwa ein Jahr nach dem dramatischen Unfall - hat die Staatsanwaltschaft Klage gegen Stephan erhoben. Ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Am 1. August 2017 bekommen die Eltern des verstorbenen Mädchens einen Brief von dem Raser, der ihre Tochter überfahren hat. Darin schreibt er:

"Sehr geehrte Familie Fitz,

es fällt mir schwer, die passenden Worte zu finden. Hiermit möchte ich ihnen mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Auch ich habe schwer an den Folgen dieses Unfalls zu tragen, habe mich damit auseinandergesetzt wie ich mich an Sie, die Eltern, wenden kann und brauchte die Zeit, um Worte zu finden.

Jeden Tag holt mich der Tod Ihrer Tochter Vanessa ein. Es wird für Sie kein Trost sein, mein Leben hat sich an diesem Tag ebenfalls grundlegend geändert.

In tiefer Betroffenheit und aufrichtiger Anteilnahme, Stephan"

 

"Der Raser fährt heute noch durch die Gegend"

Die Eltern von Vanessa sind über den Brief wenig erfreut. Sie sehen einen Zusammenhang zwischen der jüngsten Anklage und dem Brief: "Das Schreiben wurde ihm bestimmt von seinem Anwalt diktiert, nachdem er die Anklageschrift zugestellt bekommen hat“, meint etwa Vater Thomas Fitz (54) gegenüber der BILD-Zeitung. Dass hinter dem Brief des Rasers tatsächliche Reue steckt, glaube er nicht. Schließlich könne so ein Brief vor Gericht für mildernde Umstände bei der Urteilsverkündung sorgen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass der Brief nur im Auftrag eines Anwalts geschrieben wurde, sieht Fitz auch in der Reaktion des Fahrers kurz nach dem Unfall. "Er hatte behauptet, Vanessa hätte den Unfall verursacht, weil sie einem Wildtier ausgewichen und in seine Fahrspur geraten sei“, erinnert sich Vanessas Vater. Entschuldigt habe sich der Raser damals nicht bei den Eltern. Ein Unfallgutachten soll vor Gericht beweisen, dass Vanessa unschuldig war.

 

Raser droht bis zu 5 Jahre Haft

Vanessas Eltern haben den vermeintlichen Reue-Brief zurück an den Raser geschickt. Vater Fitz hofft auf Gerechtigkeit: „Wir hoffen, dass es bald zur Gerichtsverhandlung kommt. Der Unfallverursacher fährt heute noch mit dem Auto durch die Gegend. Er ist eine Gefahr.“

Neben zu hoher Geschwindigkeit ist es auch gut möglich, dass der Fahrer vom Handy abgelenkt war, wie Vanessas Eltern behaupten. Anscheinend sollen die Verbindungsdaten von Stephans Handy belegen, dass er zum Unfallzeitpunkt mehrere Anrufe erhalten habe.

Dem Fahrer drohen im Falle einer Verurteilung bis zu 5 Jahre Haft.

 

 

(ww7)

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