Keine Globuli mehrVerschreibungsstopp für homöopathische Mittel in Großbritannien: Staat will sparen

Mediziner, die Teil des staatlichen Gesundheitssystems in Großbritannien sind, dürfen bald keine homöopathischen Mittel mehr verschreiben.

In Großbritannien sollen bald keine homöopathischen Mittel mehr verschrieben werden.
Die Ausgabe von Globuli gehört in Großbritannien bald der Vergangenheit an. Diese sollen nicht mehr verschrieben werden.
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Um Kosten einzusparen, dürfen Ärzte, die dem britischen National Health System (kurz: NHS) angehören, bald keine Rezepte für homöopathische Mittel mehr ausstellen. Simon Stevens, der Chef des NHS, begründete dies mit folgenden Worten: „Im besten Fall verspricht Homöopathie einen Placeboeffekt und ist ein Missbrauch von knappen NHS-Mitteln, die besser für Behandlungsmethoden verwendet werden sollten, die wirken.“

Im Gegensatz zum deutschen Krankenversicherungssystem wird das britische Gesundheitsystem NHS durch den Staat finanziert. Seit Jahren ist das Geld knapp. Das Budget des NHS leidet unter verschiedenen Einsparungen seitens des Staates. Wales, Nordirland und Schottland haben eigene Gesundheitssysteme, die nicht an das britische gekoppelt sind.

Pro Jahr kostet das NHS das Land beinahe 110 Milliarden Pfund (rund 123 Milliarden Euro). Ende des laufenden Jahrzehnts rechnet man damit, dass eine Lücke von 30 Milliarden Pfund (33,6 Milliarden Euro) entstehen könnte, die man irgendwie füllen muss beziehungsweise einsparen muss.

Aus diesem Grund sollen nun neben homöopathischen Mitteln auch noch weitere Medikamente nicht mehr verschrieben und durch den Staat finanziert werden. Zu diesen gehört beispielweise auch das Medikament Liothyronin, das bei Schilddrüsenüberfunktion verschrieben wird. Ebenso sollen das Antidepressivum Trimipramine, Lidocaine-Pflaster bei Rückenschmerzen wie auch das Medikament Tadalafil Once Daily, das so wie Viagra wirkt, nicht mehr finanziert werden. Aber auch glutenfreie Lebensmittel, Sonnencreme und Schutzimpfungen für Reisen sowie Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren soll es nicht mehr auf Rezept geben.

Mit dem Verschreibungsstopp von homöopathischen Mitteln wird der Staat allerdings nur geringfügig sparen können. Denn die jährlichen Kosten für Globuli und Tinkturen belaufen sich insgesamt gerade einmal auf 92.412 Pfund (mehr als 103.000 Euro). Dagegen kostet das Medikament Liothyronin den Staat 34,8 Millionen Pfund im Jahr (knapp 39 Millionen Euro).

All die Medikamente und Mittel, die nicht mehr verschrieben werden sollen, sind nach den Gesichtspunkten der NHS entweder ineffizient, überteuert oder aber geringwertig. Aus diesem Grund gibt es für sie in dem System keinen Platz mehr.

International gesehen wird der Finanzierungsstopp von Globuli und Co. in Großbritannien wenig Auswirkungen haben. Transparency Market schätzte den Wert des Marktes für homöopathische Arzneimittel zuletzt 2015 auf 3,3 Milliarden Euro. Die Wachstumsraten waren zweistellig.

 

Video: So sollen dir Globuli beim Abnehmen helfen können

 

(ww8)

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