TherapieplatzmangelWartezeit auf Psychotherapie beträgt 20 Wochen: Der lange Weg zur Therapie

Patienten warten rund 20 Wochen auf einen Therapieplatz – und das ist nur der Durchschnitt. Die Wartezeit auf eine Psychotherapie ist ein großes Problem. Doch eine Lösung ist nicht in Sicht.

Vor einem Jahr wurde die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland reformiert. Ziel war vor allem eine Verkürzung der Wartezeiten auf die Therapie. Was hat sich verändert? Die Bilanz nach 12 Monaten ist ernüchternd: Noch immer dauert es um die 20 Wochen, bis man einen Therapieplatz in einer Praxis bekommt. Das hat eine Umfrage von über 9400 Psychotherapeuten ergeben.

 

Odyssee beim Psychotherapeuten: 5 Wochen bis zum Termin, 20 Wochen zur Therapie

Einen Termin für ein einzelnes Gespräch in der Sprechstunde erhalten Patienten hingegen schon nach rund 5,7 Wochen. Hier hat sich die Wartezeit zwar verbessert. Doch kommt in dem Gespräch heraus, dass eine langfristige Therapie nötig ist, beginnt das große Warten von neuem. Häufig müssen Patienten sogar an Kollegen verwiesen werden und sich daraufhin erneut in einer anderen Praxis vorstellen.

Wer ein akutes psychisches Problem hat, beispielsweise an Depressionen leidet, kann keine 20 Wochen warten. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, sich in schwierigen Zeiten professionelle Hilfe zu suchen – so die Theorie. In der Praxis ist es für Betroffene aber oftmals schlichtweg unmöglich, schnelle Unterstützung zu bekommen. Die Suche nach einem Therapieplatz plus entsprechende Wartezeiten stellen eine zusätzliche Last dar.

 

Mangel an Psychotherapeuten mit Kassenzulassung

Das Problem liege vor allem in einem Mangel an Kassenzulassungen für Psychotherapeuten. Denn nur dann zahlt die Krankenkasse die Therapie. Als Alternative könnten Patienten versuchen, einen Platz in Privatpraxen zu bekommen und einen Antrag auf Kostenübernahme bei der Versicherung zu stellen. Doch während 2017 noch nahezu alle solcher Anträge stattgegeben wurden, sind es aktuell nur noch 25 Prozent.   

Als Lösung sieht die Bundes Psychotherapeuten Kammer nur eine Maßnahme: Die Erhöhung der Kassenzulassungen. 7000 neue Kassensitze sollen Abhilfe schaffen. Ob und wann die Forderung umgesetzt wird, ist unklar. Bis dahin ist vor allem Geduld gefragt.

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