TierschutzWarum du die Massentierhaltung unterstützt, wenn du in der Kantine isst

Jedes Mal, wenn du in der Kantine isst, unterstützt du die Massentierhaltung – selbst wenn du nur einen Salat isst. Wie das sein kann und wieso endlich ein Umdenken stattfinden muss.

Inhalt
  1. Auch billiges Fleisch hat seinen Preis
  2. Tiere, Gesundheit und Umwelt leiden unter der Massentierhaltung
  3. Jeder Mensch finanziert über Steuern die Intensivtierhaltung mit

Gulasch, Chili con Carne, Geschnetzeltes – das sind nur einige der klassischen Kantinengerichte, die wohl jedem schon einmal begegnet sind. Was die Speisen vereint, ist ihr Hauptbestandteil. Das Fleischangebot in deutschen Kantinen ist riesig – vergleichsweise zu vegetarischen Alternativen.

Bei einem Durchschnittspreis von vier Euro pro Gericht kann keine Sterneküche erwartet werden. Doch nicht nur der Gaumen muss einbüßen. Die niedrigen Preise schlagen sich insbesondere in etwas Anderem nieder: Dem Leid der Tiere.

 

Auch billiges Fleisch hat seinen Preis

Was trägt dazu bei, dass Fleisch günstig angeboten werden kann? Viele Tiere auf wenig Platz, schlechte Hygienebedingungen, geringer Aufwand. In der Realität bedeutet das: Schweinen werden die Schwänze abgeschnitten (das sogenannte Kupieren), damit sie sich auf kleinstem Raum nicht beißen, Tiere werden ohne Betäubung kastriert, Küken geschreddert, Kälber in Gülle ertränkt. Täglich, weltweit, damit der Mensch sein Fleisch bekommt. (Oder seinen Mozzarella, wie du hier lesen kannst)

An diesem Punkt möchte ich kurz ein altes Sprichwort erwähnen: Du bist, was du isst, sagte Philosoph Feuerbach bereits 1850. Selbst Menschen, deren Empathie für Tierleid sich in Grenzen hält, muss klar sein: Wenn die Tiere billigstes, genmanipuliertes Futter bekommen, essen wir indirekt mit – indem kurze Zeit später deren Fleisch auf unserem Teller landet.

 

Tiere, Gesundheit und Umwelt leiden unter der Massentierhaltung

In Kantinen landet selten gutes Fleisch auf den Tellern - sondern welches aus Massentierhaltung.
In öffentlichen Kantinen landet selten gutes Fleisch auf den Tellern - sondern welches aus Massentierhaltung.
Foto: iStock

Unter der Massentierhaltung leiden nicht nur die Tiere selbst, sondern auch die Gesundheit des Menschen und nicht zuletzt die Umwelt. Die Problematik geht somit jeden etwas an.

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Wer meint, er würde in der Kantine ohnehin nur Salat bestellen und damit niemandem schaden, irrt. Um diese Problematik zu verstehen, reicht ein Blick hinter die Kulissen. In Schulen, Firmen, Kindergärten, Krankenhäusern und Pflegeheimen gehen täglich Hunderte tierischer Produkte über die Theke. Finanziert werden Kantinen öffentlicher Einrichtungen von Bund, Ländern und Kommunen, die für die Verteilung der Steuergelder zuständig sind. Was dabei aktuell die größte Rolle spielt, sind die Kosten. Tierschutz und Herkunft der Produkte sind keine Kriterien. 

 

Jeder Mensch finanziert über Steuern die Intensivtierhaltung mit

Wenn man nun einen Schritt weiterdenkt, bedeutet das, dass jeder Bürger selbst die Massentierhaltung über Steuern mitfinanziert. Indirekt, aber er tut es - selbst wenn er nicht in öffentlichen Kantinen isst. Ein Umdenken muss her.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten befasst sich aktuell mit der Problematik. Sie fordert eine langfristige Umstellung des Kantinenessens – inbegriffen eine Halbierung der Fleischgerichte und damit zusammenhängende Erweiterung der pflanzlichen Alternativen. Gleichzeitig sollen Tierschutz-Kriterien in sogenannte Vergaberichtlinien aufgenommen werden. Das kann zukünftig dazu führen, dass in öffentlichen Kantinen nur noch tierische Produkte aus artgerechter Haltung angeboten werden. Schön wäre es – aber funktioniert das auch?

Wie schnell aus einer solchen Utopie Realität werden kann, beweist derzeit übrigens Bremen. Das Bundesland zeigt, wie es gehen kann. Im März 2018 wurde dort beschlossen, dass in Kindergärten, Schulen, öffentlichen Dienst und einigen Krankenhäusern zukünftig ausschließlich mit Bio-Zutaten gekocht werden soll. Zukünftig – das heißt in diesem Fall bis 2022. Und doch ist das kleine Bremen anderen Städten damit einen großen Schritt voraus.

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