Mehr Intensivfälle

Wegen schwerer Covid-Fälle: Ärzte plädieren für Impfungen von Schwangeren

Für Schwangere gilt ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe und die Fälle mehren sich. Doch noch wird eine Impfung in Deutschland nicht empfohlen, wenngleich sich immer mehr Fachleute dafür aussprechen.

JW Video Platzhalter
Zustimmen & weiterlesen
Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

Für das Abspielen des Videos nutzen wir den JW Player der Firma Longtail Ad Solutions, Inc.. Weitere Informationen zum JW Player findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bevor wir das Video anzeigen, benötigen wir Deine Einwilligung. Die Einwilligung kannst Du jederzeit widerrufen, z.B. in unserem Datenschutzmanager.

Weitere Informationen dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In den USA haben sich bereits 100.000 schwangere Frauen impfen lassen, da Vakzine gegen das Corona-Virus dort offiziell empfohlen werden. Hierzulande gab die Ständige Impfkommission (STIKO) noch kein grünes Licht. Doch angesichts immer häufiger vorkommenden schweren Verläufe bei Schwangeren, die sich mit dem Virus infiziert haben, plädieren Experten und Mediziner für eine Impfung. 

Corona: Schwangere besonders gefährdet

In Deutschland häufen sich die Corona-Fälle von Frauen, die ein Baby erwarten. So gab das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bekannt, dass in den ersten Monaten des Jahres 2021 bereits sieben schwangere Frauen mit schweren Verläufen auf der Intensivstation versorgt werden müssen. Das klingt zwar wenig, doch bedenkt man, dass es 2020 nur einen solchen Fall am UKE gab, ist die Zahl stark gestiegen.

Ansteckung durch eigene Kinder

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge, sagte laut der Welt unter der Berufung auf die Deutsche Presse Agentur (dpa), dass der Grund vermutlich darin liege, wonach sich mehr jüngere Menschen und Kinder mit Sars-CoV-2 anstecken. Die betroffenen Frauen seien meist um die 30 Jahre alt, hätten keine Vorerkrankung und haben sich vermutlich durch ihre eigenen Kinder infiziert. "Wir sehen diese Fälle nun häufiger, das ist ein neues Phänomen", sagte Kluge.

Wegen schwerer Covid-Fälle: Ärzte plädieren für Impfungen von Schwangeren
Ärzte sprechen sich für eine Corona-Impfung von Schwangeren aus. Foto: iStock/Blue Planet Studio

Mediziner für eine Impfung von Schwangeren

Das liege laut Kluge auch an der deutlich ansteckenderen Variante B.1.1.7, sowie am geschwächten Immunsystem von Schwangeren und der reduzierten Sauerstoffaufnahme. Daher sei eine Ansteckung von Schwangeren mit dem Virus besonders riskant. "Diese Fälle sind besonders dramatisch", sagt der UKE-Direktor. "Wir sollten in Deutschland unbedingt auch Schwangere impfen."

Auch der Virologe Alexander Kekulé sprach sich im MDR kürzlich für eine Impfung in der Schwangerschaft aus, da diese ein erhöhtes Risiko für Komplikationen trage. Eine Studie habe laut Kekulé ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit für Schwangere auf der Intensivstation behandelt werden zu müssen, um das Fünffache erhöht sei. 

Der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, hält eine Impfung von Schwangeren ebenfalls für sinnvoll. Bei den erkrankten Schwangeren zeige sich ein Anstieg von Tot- und Frühgeburten und eine erhöhte Rate an Kaiserschnitten. "Eine von 25 erkrankten Schwangeren muss intensivmedizinisch behandelt werden. Wird hier eine Beatmung notwendig, so liegt die Sterblichkeit bei zwei Prozent“, sagt Albring.

US-Studie: Keine Risiken für Schwangere nach Impfung

Da es in Deutschland keine Daten darüber gibt, wie sich eine Corona-Impfung auf Schwangere und ihr Ungeborenes auswirkt, rät die Stiko von einer Impfung ab. Die Ausnahme: In Einzelfällen und nach Aufklärung und sowie einer Kosten-Nutzen-Abwägung kann, so heißt es auf der Website des Robert-Koch-Instituts, eine Impfung angeboten werden. Das könnte zum Beispiel für werdende Mütter mit Vorerkrankungen gelten, deren Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung erhöht ist.

Virologe Christian Drosten wies gegenüber der dpa auf eine US-Studie hin, die "New England Journal of Medicine" erschien. Tests mit 35.000 teilnehmenden Frauen hätten ergeben, dass eine Impfung für Schwangere "im Prinzip kein Risiko" sei. Sie hätten aber im Vergleich zu Nicht-Schwangeren nach der Impfung häufiger einen schmerzenden Arm.

Verwandte Themen: