Zahlen explodieren

Weihnachten 2021: Lockdown droht schon wieder

Lässt sich die vierte Corona-Welle nur durch einen Lockdown an Weihnachten brechen? Experten bewerten die brenzliche Lage in Deutschland.

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Seit Wochen steigen die Corona-Zahlen kontinuierlich. Erst am Freitag (5. November) meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland den Rekordwert von 37.120 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Heute kletterte die bundesweite Inzidenz auf 201,1. So hoch lag der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen und Woche noch nie. Den bisherigen Höchststand hatte Deutschland am 22. Dezember 2020 mit 197,6 verzeichnet.

Stichwort Dezember 2020: Mit Blick auf die sich zuspitzende Infektionslage stellt sich natürlich auch die Frage, ob sich die vierte Corona-Welle nur durch einen Lockdown brechen lässt – und Weihnachten 2021 damit wieder zum Fest der Einsamkeit wird.

Corona-Lockdown an Weihnachten? Möglich!
Corona-Lockdown an Weihnachten? Möglich! Foto: iStock/fermate

Intensivfälle als Parameter

Maßstab für einen Lockdown zu Weihnachten sei vor allem die Situation auf den Intensivstationen, mahnt Ärztin Lisa Federle (60) aus Tübingen im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung: "Wenn die voll werden, haben wir ein Problem."

Stand 8. November meldet das DIVI Intensivregister, das alle Intensivfälle dokumentiert, 2.616 COVID-19-Patientinnen und -Patienten auf deutschen Intensivstationen. Das sind 84 Fälle mehr als am Vortag. Von diesen 2.616 Personen müssen 1.307 (rund 50%) invasiv beatmet werden – 27 mehr als am Vortag.

Zum Vergleich: Ende September befanden sich 1.431 COVID-19-Erkrankte in intensivmedizinischer Behandlung.

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Pandemie der Ungeimpften

Als zentrales Problem gilt die hohe Zahl an nicht geimpften Personen. In Deutschland sind nur 67,1% der Bevölkerung geimpft – zu wenig, um dem Coronavirus Einhalt zu gebieten. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), zeichnet ein düsteres Bild: "Wir werden erleben, dass sich in den nächsten Monaten aller Voraussicht nach jeder, der nicht geimpft wird, infizieren wird." Den harten Kern der Ungeimpften "erreicht man nicht mehr", ist sich der Experte sicher.

Kommt der Lockdown an Weihnachten?

Obwohl die epidemische Lage offiziell bald ausläuft, haben viele Bürger*innen die Sorge, dass an Weihnachten 2021 wieder mit Kontaktbeschränkungen gerechnet werden muss. Vonseiten der Politik kommt regelmäßig das Signal, dass ein Lockdown nicht mehr nötig sein wird.

Dennoch ergreifen immer mehr Bundesländer schärfere Maßnahmen. In Sachsen beispielsweise gilt flächendeckend die 2G-Regel, wodurch nur noch Genesene und Geimpfte an Freizeitaktivitäten wie Restaurant- und Kinobesuchen teilnehmen dürfen, nicht aber negativ Getestete. In Baden-Württemberg gelten seit dem 3. Oktober wieder Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte: Treffen sind nur noch zwischen einem Haushalt und fünf weiteren Personen erlaubt.

Friedemann Weber, Professor für Virologie und Direktor des entsprechenden Instituts an der Justus-Liebig-Universität Gießen, sagte im Interview mit dem "Focus" mit Blick auf einen möglichen Lockdown zu Weihnachten: "Ich hoffe sehr, dass das nicht nötig sein wird. Zumindest verschärfte Maßnahmen werden aber nicht vermeidbar sein. Und falls ein Lockdown kommt, dann sollte er zunächst auf Ungeimpfte, die ein Impfangebot erhalten hatten, beschränkt bleiben."

Lockdown nur für Ungeimpfte?

Bei sämtlichen Einschränkungen einen Unterschied zwischen geimpft und nicht geimpft zu machen, halten die meisten Experten für selbstverständlich. Timo Ulrichs, Infektionsepidemiologe und Professor für internationale Not- und Katastrophenhilfe an der Akkon Hochschule Berlin, sprach sich für einen Lockdown für Ungeimpfte aus.

"Bei [nicht Geimpften] ist die Weitergabe immer noch sehr wahrscheinlich – und damit auch die Infektion, Erkrankung und der schwere Verlauf. Deshalb sollte flächendeckend 2G eingeführt werden und darüber hinaus sollten die Kontakte der Ungeimpften stark eingeschränkt werden, im Sinne eines Lockdowns."