Mentale GesundheitWelche Auswirkungen soziale Isolation auf meine mentale Gesundheit hat

Die jetzige Situation zwingt uns dazu, einen Großteil der Zeit in unseren vier Wänden zu verbringen. Dass soziale Isolation eine besondere Herausforderung in vielen Bereichen darstellt, ist klar. Ich habe mich gefragt, wie sich das Alleinsein auf meine Mitmenschen auswirkt. Deshalb startete ich vor Kurzem eine Instagram-Umfrage und war zutiefst erschüttert von den Antworten.

Inhalt
  1. #STAYATHOME!
  2. Bin ich etwa die Einzige, der soziale Isolation zu schaffen macht?
  3. Soziale Isolation: Auswirkungen auf die mentale Gesundheit
  4. Gemeinsam stark 
 

#STAYATHOME!

Hören wir überall. Lesen wir überall.
Seit der starken Ausbreitung des Coronavirus wurden drastische (und notwendige) Maßnahmen ergriffen. Wir sollen alle möglichst viel zuhause bleiben und soziale Kontakte meiden. #socialdistancing eben. Klar, die Situation ist für niemanden so richtig einfach und angenehm. Aber es scheint so, als würden sich die Meisten mittlerweile mit der Situation arrangiert haben. Man wird kreativ, ist zum ersten Mal in diesem Jahr wieder auf der Sportmatte, geht lang verloren geglaubten Hobbys und Talenten nach. Man puzzelt, nimmt ein langes Bad, hat endlich Zeit für eine Gesichtsmaske und kommt zur Ruhe. #selfcare.

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Bin ich etwa die Einzige, der soziale Isolation zu schaffen macht?

Ich habe eigentlich unheimliches Glück. Denn im Gegensatz zu vielen anderen kann ich meine Arbeit auch von zuhause aus machen. Ich habe weder meinen Job verloren, noch fehlen mir Aufträge und ich muss mir auch keine Sorgen um mein Gehalt machen. Ich befinde mich also in einer ziemlich privilegierten Situation. Und trotzdem geht es mir, wie vielen anderen Familien im Moment.

Ich betreue meinen zweijährigen Sohn, und nebenbei versuche ich zeitgleich „normal“ weiterzuarbeiten. Während ich diese Zeilen schreibe, hat mein Sohn einen Wutausbruch der Extraklasse. Die Windel ist gestrichen voll, er wartet auf ein warmes Mittagessen und will anschließend von mir in den Mittagschlaf gekuschelt werden. Tief einatmen. Tief ausatmen.

Ich merke, wie mir die Doppelbelastung von Kinderbetreuung und gleichzeitigem Arbeiten ziemlich zu schaffen macht. Doch nicht nur das zerrt an meinen Kräften und Nerven. Für gewöhnlich bin ich ein sehr sozialer Mensch, ich brauche viel menschlichen Kontakt, Berührungen und muss ständig etwas unternehmen. Tut mir halt irgendwie gut. Das geht jetzt nicht mehr und so macht sich ein unheimliches Gefühl in mir breit.

Die Frage, die sich mir dann stellte: Stehe ich mit diesem Gefühl wirklich alleine da?

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Soziale Isolation: Auswirkungen auf die mentale Gesundheit

Ich startete also eine Instagram-Umfrage: „Hat soziale Isolation Auswirkungen auf eure mentale Gesundheit, wenn ja, welche?“
Die Antworten flatterten nur so rein. Neben relativ amüsanten Nachrichten, wie: „Ja, viel zu wenig Sex“ oder „Zu viel Onlineshopping“, erhielt ich auch Nachrichten, die mich ziemlich erschütterten und betroffen machten. Von Schlafstörungen über Platzangst bis hin zu Panikattacken. Essstörungen, die durch das Kaufverhalten von Lebensmitteln getriggert wurden. Oder Depressionen, die sich im Moment deutlich verschlimmerten. Nicht alle Antworten habe ich im Anschluss geteilt. Viel zu persönlich. Ich hatte das dringende Bedürfnis zu helfen, aber wie? Ich war nicht qualifiziert, um irgendwelche Ratschläge bezüglich Depressionen oder Essstörungen zu geben.

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Eine große Gruppe von Menschen steckt die soziale Isolation eben doch nicht einfach so weg und kann sich über Home-Workouts, und Selfcare-Zeit freuen. Menschen, die psychisch ohnehin schon nicht stabil sind. Leute, die Zwangsstörungen haben, sich jetzt die Hände wund waschen. Menschen, die an Platzangst oder Essstörungen leiden. Diejenigen, die nun keine regelmäßigen Therapiestunden mit ihrem Therapeuten haben können. Leute und Kinder, die zuhause häusliche Gewalt erleben und für die Institutionen, wie der Kindergarten, die Schule oder der Arbeitsplatz, eine sichere Umgebung bedeuteten. Sie alle dürfen jetzt auf keinen Fall in Vergessenheit geraten.

 

Gemeinsam stark 

Wir stecken in dieser Sache alle gemeinsam drin. Können wir einander in solchen Zeiten also doch mehr helfen, als wir denken? Es geht um Solidarität, um gemeinschaftliche Fürsorge und aufrichtiges Interesse am Wohlergehen seiner Mitmenschen. Erkundigt euch regelmäßig bei euren Freunden, Nachbarn und Verwandten. Fragt sie, wie es ihnen (wirklich) geht. Wie ihr helfen könnt. Habt ein offenes Ohr für eure Mitmenschen. Denn nicht für jeden sind die eigenen vier Wände jetzt ein sicherer Ort. Und falls ihr selbst betroffen seid, versucht, euch aktiv Hilfe zu holen oder euch an spezielle Einrichtungen zu wenden.

Hier findet ihr einige wichtige Nummern, die ihr weitergeben oder selbst wählen könnt, wenn ihr Hilfe bei Problemen während der häuslichen Isolation braucht.

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