Nach vorne oder den Eltern zugewandt?In welcher Blickrichtung sollte mein Kind im Buggy sitzen?

Im Kinderwagen gibt es viel zu entdecken: Auf langen Spaziergängen oder kurzen Einkaufstouren prasseln viele Eindrücke auf Kinder herein die im Buggy sitzen. Doch welche Blickrichtung ist eigentlich die Beste? Nach vorne oder den Eltern zugewandt? 

Wenn das Kind vom Kinderwagen in den Buggy umzieht, weil es sitzen kann, bleibt nicht immer die Wahl, in welche Richtung das Kind sitzt, denn viele Modelle sind so gebaut, dass sie nur den Blick nach vorne zulassen. Doch viele Modelle bieten heute die Möglichkeit, die Blickrichtung flexibel zu ändern und genau das ist wichtig für das Kind. 

 

Die Perspektive macht den Unterschied 

Eltern wollen ihren Kindern etwas Gutes tun, indem sie sie in den Buggy mit dem Blick nach vorne setzen, sie sollen freien Blick nach vorne haben, die Welt entdecken können. Doch besonders in der Zeit zwischen dem 10. und 14. Lebensmonat gilt das als schwierig, oft fremdeln die Kinder in dieser Lebensphase sehr stark, brauchen mehr denn je den Bezug zu ihren Eltern. "Das ist eine schwierige ­Phase, in der die Kleinen viele Reize aufnehmen und verarbeiten müssen", erklärt Bärbel Derksen, Diplom-Psychologin am Familienzentrum der Fachhochschule Potsdam im Interview mit "Baby & Familie". "Schnelle Situationen – Menschen, die beim Bummel durch die Innen­stadt vorbeihetzen, fahrende Autos, Lärm und vorbeifliegende Gesprächsfetzen – können Kleinkinder nicht einordnen, wenn sie in gewisser Weise auf sich gestellt sind." In solchen Momenten ist der Blickkontakt zu Mama und Papa besonders wichtig. Wenn die Eltern mit ihren Blicken oder Worten signalisieren "Es ist alles gut", fühlen sich die Kleinen behütet und bekommen mehr Selbstvertrauen, die Welt da draußen zu entdecken. 

Die britische Unversität Dundee hat dazu 2008 sogar eine umfassende Studie veröffentlicht: 

  • 62 % der Babys und Kleinkinder wurden von ihren Eltern in abgewandten Buggys transportiert, nur 13% in zugewandten. 21% der Kinder liefen selbst und nur 4% wurden getragen.
  • Wenn Kinder in den Eltern zugewandten Buggys fahren, findet mehr Kommunikation statt, Eltern und Kind lachen häufiger und die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen, ist mehr als doppelt so hoch!
  • Kinder plappern und sprechen mehr, wenn ihre Eltern auch sprechen und schweigen, wenn diese still sind. Die Übereinstimmung liegt bei 70%.
  • Kinder in zugewandten Buggys hören abwechslungsreichere und interessantere Gespräche von ihren Bezugspersonen.
  • Die Herzfrequenz der Kinder sinkt leicht, wenn sie ihre Eltern im Buggy sehen können. Das deutet auf ein reduziertes Stresslevel hin.
  • 52% der Kinder in zugewandten Buggys schliefen, während es in abgewandten nur halb so viele (27%) waren.
 

Zu viele Eindrücke führen zu Reizüberflutung

Gerade wenn man sich am Samstagvormittag in der Stadt für den Wochenendeinkauf ins Getümmel stürzt, prasseln viele Eindrücke auf Kinder ein, die sie gerade, wenn sie noch sehr jung sind, noch gar nicht verarbeiten können. Das kann schnell zu einer Reizüberflutung führen. Viele Kinder fangen dann an zu weinen, nuckeln intensiv an ihrem Schnuller oder ihrer Flasche, manche werden plötzlich ganz ruhig. Der Blickkontakt zu den Eltern ist dann besonders wichtig. Gerade in ungewohnten, stressigen Situationen rückversichern sich Babys über Blicke bei ihren Eltern, ob alles in Ordnung ist. Wenn sie diese Sicherheit haben, werden sie die Welt viel selbstsicherer entdecken. Sie deuten auf Dinge, plappern los. Der Blickkontakt zu den Eltern nimmt ab, aber die Bedeutung wird intensiver. 

Bei einem ruhigen Spaziergang durch den Wald kann man das Kind ruhig mit dem Blick nach vorne schieben. Der Geräuschpegel hält sich in Grenzen, es sind nicht viele Menschen unterwegs, das Kind kann seinen Blick entspannt schweifen lassen und hört die Stimme von Mama und Papa trotzdem, wenn mal irgendwas ist. 

 

Ein flexibler Buggy wäre ideal

Es gibt mittlerweile Buggys, bei denen man die Fahrtrichtung flexibel ändern kann. Die sind aber natürlich auch ein bisschen teurer als die Standardmodelle. Um zu vermeiden, dass das Kind unruhig wird, sollten Eltern immer wieder mal stehenbleiben, um den Blickkontakt mit dem Kind zu suchen und zu schauen, ob es gerade Schutz oder Beruhigung braucht.

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