Überflüssigen medizinischen InterventionenWHO warnt vor unnötigen Eingriffen bei der Geburt

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt in einem neuen Bericht davor, dass Ärzte und Hebammen viel zu oft in den natürlichen Geburtsverlauf eingreifen, und warnt vor den Folgen. 

Inhalt
  1. Unnötige medizinische Interventionen
  2. Geburtsregeln sind veraltet
  3. Frauen sollen mehr Mitspracherecht haben

"Wir wollen, dass Frauen ihre Kinder in einer sicheren Umgebung mit erfahrenen Geburtshelfern und in gut ausgestatteten Einrichtungen zur Welt bringen können", sagte Dr. Princess Nothemba Simelela, die stellvertretende Generaldirektorin der WHO-Abteilung Familien, Frauen, Kinder und Jugendliche, in einer Presseerklärung. "Das zunehmende medizinische Eingreifen in normale Geburtsprozesse untergräbt jedoch die Fähigkeit von Frauen, ein Kind zur Welt bringen zu können. Und das wirkt sich negativ auf die Geburtserfahrung der Frauen aus."

 

Unnötige medizinische Interventionen

Bei den meisten der 140 millionen Geburten pro Jahr seien medizinische Interventionen nicht nötig, und dennoch würden laut der WHO bei einer “bedeutenden Zahl” von Frauen mindestens ein medizinischer Eingriff vorgenommen werden, wie zum Beispiel die Gabe von Oxytocin zur Einleitung der Wehen oder ein Kaiserschnitt.

"Wenn die Wehen sich normal entwickeln und Mutter und Kind bei guter Gesundheit sind, sind zusätzliche Interventionen zur Beschleunigung der Wehen nicht nötig", so sagte Dr. Princess Nothemba Simelela. 

 

Geburtsregeln sind veraltet

Die WHO gibt in ihrem neu vorgelegten Bericht 56 neue Empfehlungen zum Thema Geburt. Darin wirft sie unter anderem Faustregel über Bord, dass sich der Muttermund bei Einsetzen der Wehen etwa einen Zentimeter pro Stunde öffnen sollte. Für manche Frauen sei das völlig unrealistisch. Eine langsamere Öffnung allein deute nicht automatisch darauf hin, dass es bei der Geburt Komplikationen gebe und Interventionen nötig seien.

Die Wehen und die Geburt würden bei jeder Frau anders verlaufen, so die WHO weiter. Den Frauen sollte einfach mehr Zeit gegeben werden. Sie durch die Geburt zu hetzen, sei ein völlig falscher Ansatz, den die WHO aufs Schärfste kritisiert.

 

Frauen sollen mehr Mitspracherecht haben

Die WHO plädiert dafür, dass nicht das Krankenhaus, die Ärztin oder Hebamme alleine die Schritte der Geburt bestimmen. Vielmehr sollten die Frauen stets in den Entscheidungsprozess mit einbezogen werden.

"Und falls doch ein medizinischer Eingriff gewünscht wird oder erforderlich ist, müssen die Frauen unbedingt in den Entscheidungsprozess über die geplanten Behandlungsmethoden mit einbezogen werden. Denn nur so kann man sicherstellen, dass die Frauen eine positive Geburtserfahrung erleben können”, erklärt Ian Askew, der Leiter der WHO-Abteilung für Reproduktionsmedizin und Forschung.

In Ländern mit knappen Gesundheitsressourcen sei es dagegen wichtig, das vorhandene Geld für den Ausbau der Gesundheitsbetreuung für alle Schwangeren zu nutzen. Denn täglich sterben nach Angaben der WHO weltweit noch 830 Frauen bei der Geburt. Die meisten Todesfälle könnten durch eine bessere Vorsorge und Betreuung bei der Geburt verhindert werden.

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