Winter 2019Wetter in Deutschland: Zehn Obdachlose sind bereits erfroren

Seit Winterbeginn sind in Deutschland schon zehn Menschen wegen der Kälte gestorben - trotz Notfallunterkünften, Kältebussen und Kältepatrouillen.

Es ist kalt in Deutschland seit zwei Wochen. Die Temperaturen reichen gerade mal knapp über Null Grad. Letzte Woche verwandelte Dauerfrost die Bundesrepublik bei gefühlten Temperaturen von mindestens -11 Grad in einen Kühlschrank. 

Während wir uns ins Warme zurückziehen können, frieren laut Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe (BAG) über 860.000 Menschen auf der Straße. Bis 2018 kann die Zahl auf 1,2 Millionen ansteigen. Bereits zehn Obdachlose (sowie ein Verdachtsfall) sind in diesem Winter der BAG zufolge gestorben; unter anderem in Köln, Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Neun Fälle sind bereits seit Weihnachten 2018 bekannt.

Der häufigste Grund ist der Kältetod. "Es geht dabei um Menschen, die auf der Straße durch die Einwirkung von Kälte gestorben sind", erläuterte die BAG-Geschäftsführerin Werena Rosenke gegenüber dem Spiegel. "Auch Herzversagen kann dabei mit Unterkühlung zusammenhängen."

Seit Beginn der 90er-Jahre hat die Arbeitsgemeinschaft 314 Fälle von Kältetoten dokumentiert. Offizielle Statistiken gibt es aber nicht. Laut Geschäftsführerin Rosenke sei die Zahl der erfroren Obdachlosen früher höher gewesen als heute. "Es hat etwas gebracht, dass es in vielen Großstädten jetzt Kältebusse oder Kältepatrouillen gibt", erklärt Rosenke. Dennoch: Im Jahr 2017 starben aufgrund der winterlichen Kälte drei Menschen auf der Straße. Die Dunkelziffer wird weitaus höhrer geschätzt.

Zehn Obdachlose sind bereits in Deutschland erfroreniStock

 

Obdachlose: Nicht alle werden in Notunterkünfte aufgenommen  

Das Hilfesystem für Menschen, die auf der Straße leben ist gut, aber verbesserungswürdig. Positiv: Von Oktober 2018 bis April 2019 gibt es etwa 1200 Notschlafplätze, darunter auch solche in Berliner Diskotheken (Berlin: Obdachlose dürfen in Diskotheken übernachten). Hinzu kommen Nachtpatrouillen, Kältebusse und Hilfetelefone. In der Hauptstadt bleiben zwei U-Bahnhöfe nachts geöffnet.

Doch nicht alle Obdachlosen bekommen eine Notfallunterkunft: Wer mit Hund, unter Alkoholeinfluss oder starken psychischen Problem kommt, kann abgewiesen werden. Die Wohnungslosenhilfe fordert mehr Notfallunterkünfte, bessere Hygienezustände und mehr Privatsphäre für die betroffenden Menschen.

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