Shitstorm Wie diese Mutter für ein Foto am Flughafen verurteilt wird

Das Foto einer Mutter am Flughafen sorgte für einen Shitstorm im Internet. Molly Lensing wurde beschimpft – dabei kannte keiner die Hintergrundgeschichte.

Eine junge Frau sitzt im Wartebereich eines Flughafens. In den Händen hält sie ein Smartphone, auf das sie konzentriert blickt, während zu ihren Füßen ein Baby liegt. Das Baby ist noch klein, es ist gerade einmal zwei Monate alt. Es ist nur mit einem Strampler bekleidet, lediglich ein Tuch trennt das Baby von dem harten Boden.

So würde man das Bild wohl beschreiben, wegen dem die Mutter Molly Lensig von Unbekannten verurteilt wurde. Molly ist die Frau auf dem Foto, das Baby heißt Anastasia und ist ihre kleine Tochter. Als das Foto entstand, wartete die Familie gerade in Colorado auf ihren Flug und hatte keine Ahnung, dass sie fotografiert wurde.

Unzählige Fremde verurteilten die Mutter für dieses Foto.
Unzählige Fremde verurteilten die Mutter für dieses Foto.
Foto: Facebook

Doch ein Passant hielt den Moment fest – und löste einen Shitstorm aus. Er teilte das Foto auf Facebook, woraufhin unzählige Nutzer ihren Unmut kundtaten. Für sie war klar: Molly Lensing musste eine schlechte Mutter sein – schließlich lag ihr Baby auf dem Boden, während sie selbst mit ihrem Smartphone beschäftigt war.

Das Foto verbreitete sich rasend schnell, so dauerte es nicht lange, bis Molly sich selbst auf dem Handy sah. Die Mutter war so geschockt von den Verurteilungen Wildfremder, dass sie beschloss, selbst an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie erzählte ihre Geschichte dem Magazin „Today“.

Damit machte sie alles richtig. Denn Molly hätte sich nicht für ihr Verhalten rechtfertigen müssen. Doch sie tat es und zeigt damit auf, wie vorschnell wir andere Menschen verurteilen.

Der Today gegenüber erklärte die Mutter, was wirklich geschah. Denn zu dem Zeitpunkt, als das Foto aufgenommen wurde, saß Molly aufgrund mehrerer Verspätungen und Umbuchungen bereits seit 20 Stunden auf dem Flughafen fest:  „Anastasia war seit vielen Stunden auf dem Arm oder in der Babyschale. Meine Arme waren müde. Sie musste sich strecken. Und ich musste mich bei meiner Familie melden, die sich sorgte, wo wir denn blieben.“

Dass Fremde sie beschimpften, war nicht einmal das Schlimmste für Molly. Die Mutter fühlte sich in ihrer Privatsphäre verletzt.  Sie wurde verurteilt, erhielt Anschuldigungen per Nachricht, sorgte sich um ihren Job als Kinderkrankenschwester.  Deswegen ging sie selbst an die Öffentlichkeit – vor allem um das Missverständnis aufzuklären.

Heute erhält Molly Zuspruch von Müttern weltweit. Fotos wie diese dringen in die Privatsphäre ein und erlauben anderen, sich ein unrealistisches Urteil zu bilden.

Wir vergessen zu schnell, dass es sich bei Fotos um Momentaufnahmen handelt. Was vorher oder nachher geschehen ist, wissen wir ebenso wenig, wie die Umstände, die einen Menschen bewegen.

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Mehr Geschichten aus dem Leben einer Mutter findest du auf dem Mama-Blog:

(ww4)

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