ErziehungWie Eltern Ängste und Phobien auf ihre Kinder übertragen

Wie Kinder Ängste und Phobien von ihren Eltern lernen können und wie sich eine solche Angst-Übertragung verhindern lässt - eine Mutter berichtet.

Ängste und Phobien werden von Kindern oft von ihren Eltern übernommen.
Ängste und Phobien werden von Kindern oft von ihren Eltern übernommen.
Foto: iStock
Inhalt
  1. Phobien und Kleinkinder - angeboren oder antrainiert?
  2. Wie Kinder Ängste lernen
  3. Auf keinen Fall will ich meine Phobie an mein Kind weitergeben!

Mama-Bloggerin Timea aus München schreibt für Wunderweib.de über ihr neues Leben als Mama einer fast 2-jährigen Tochter. Jede Woche lernt sie etwas Neues, sie wundert sich, lacht und weint. Diese Woche schreibt sie über Ängste und schlechte Gewohnheiten, die man (besser nicht) auf sein Kind überträgt.

 

Phobien und Kleinkinder - angeboren oder antrainiert?

Meine kleine Tochter Léla entwickelt sich zur Vielfliegerin und kommt ganz nach Mama und Papa. Mein Trauma vom gestressten Fliegen mit Kleinkind in unserem letzten Sommerurlaub konnte ich glücklicherweise überwinden. Bereits drei Mal durfte Léla in ein Flugzeug steigen in ihren ersten zwei Lebensjahren. Geschrei in der Luft gab es höchstens wegen Übermüdung und Langeweile, jedoch nicht wegen Start oder Landung. Sie liebte die Wolken, die Häuser und Autos in Miniatur und das einzigartige Licht da oben am Himmel.

 

Wie Kinder Ängste lernen

Gut so! Denn Flugangst sollte bei kleinen Kindern genauso selten vorkommen, wie alle andere Phobien. Diese sind nicht angeboren, sondern werden meist durch das Verhalten der Familienmitglieder oder andere Mitmenschen konditioniert. US-Forscher der Rutger University New Jersey fanden heraus, dass Phobien nicht angeboren sind, diese jedoch sehr leicht erlernt werden.

Klar. Wenn ich nervös auf meinem Sitz hin- und herwackel, sobald das Flugzeug abhebt, wird sich mein Kind womöglich auch nicht entspannen. Gut möglich, dass sich so die Flugangst auf mein Kind überträgt.

Denn wer kennt das nicht? Wir Mamis (und natürlich Papis) sind zumindest in den ersten Lebensjahren, hoffentlich, die Vorbilder für unsere Kinder. Wenn ich an einem schlechten Tag genervt reagiere oder gar im Streit mit meinem Mann laut werde, kann ich davon ausgehen, dass Léla dieses Verhalten genauso kopiert und abspeichert, wie andere Beobachtungen im Alltag oder zum Beispiel die Benutzung unserer Sprache. Sie "lernt", dass man laut wird, wenn etwas nicht passt. Nach jedem Streit geloben sich mein Mann und ich nie wieder vor der Kleinen laut zu werden. Wenigstens machen wir es einigermaßen wieder gut, indem wir uns vor ihr wieder versöhnen und umarmen.

 

Ich selber leide seit ich denken kann an einer Schlangenphobie. Seit ich denken kann? Besser gesagt seit ich mich erinnere. Wieso? Das weiß ich auch nicht so genau. Meine Mutter findet die ekligen Viecher auch nicht besonders niedlich, aber so eine ausgeprägte Phobie wie ich hat sie nicht. Womöglich habe ich bei Zoobesuchen beobachtet, wie manche Menschen angewidert geschaut haben. Wer weiß.

 

Auf keinen Fall will ich meine Phobie an mein Kind weitergeben!

Auf jeden Fall möchte ich diese Phobie auf gar keinen Fall an meine Tochter weitergeben. Ich denke, es ist wichtig, die eigene Angst zu erkennen und die damit verbundenen Einschränkungen im Leben. Eine Phobie beruht auf einer irrealen Angst vor einer irrealen Gefahr. Ich weiß, dass mir die Schlange in der Tierdoku im Fernsehen nichts tun kann. Ich weiß, dass eine Ringelnatter harmlos ist. Trotzdem wird mir schon anders während ich diese Zeilen schreibe.

Vor vielen Jahren wagte ich den Versuch einer Therapie, um meine Phobie zu bekämpfen. Mit mehr oder minder Erfolg. Letztendlich ist es für mich im Alltag bequemer mich vor meiner Angst zu verstecken, als mich ihr zu stellen.

Letzte Woche waren wir in einem Tierpark und ich suchte regelrecht nach den Reptilien. Ich hatte einen richtigen Ansporn meiner Tochter diese Tiere zu zeigen und dabei ruhig zu bleiben. Mein Mann würde ja daneben stehen, falls ich ganz "plötzlich" verschwinden sollte. Leider habe ich außer ein paar Echsen nichts weiteres gefunden. Erleichterung und Enttäuschung stiegen gleichzeitig in mir hoch.

Mit einer Angst zu leben kann dein Leben ganz schön beeinträchtigen. So kann ich in schlechten Phasen nicht sorglos über eine Wiese laufen in den Bergen. Bei meinen zahlreichen Reisen nach Thailand, natürlich bevor ich ein Kind bekam, hatte ich richtig Horror vor Dschungeltouren, obwohl ich so neugierig war. Ich wünsche mir, dass meine Tochter weder so wählerisch wird beim Essen noch irgendwelche irrealen Ängste entwickelt.

Jedes mal bin ich fassungslos, wenn kleine Kinder vor Angst erstarren beim Anblick unserer wirklich süßen Mischlingshündin. Das muss wohl von Mutti kommen. Schade.

Habt ihr Phobien und Ängste? Wie geht ihr vor euren Kindern damit um?

Liebe Grüße,

Eure Timea

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