Eklat auf der TourismusmesseWie sicher ist das ITB-Partnerland Malaysia für Homosexuelle?

Das ITB-Partnerland Malaysia bleibt umstritten. Vor allem, nachdem der Tourismusminister behauptet hat, es gebe keine Homosexuellen in seinem Land. 
 

Inhalt
  1. Homosexualität? Wir haben so etwas nicht
  2. Malaysia: Kritik von Anfang an
  3. ITB: Zwischen LGBTQI* und Verfolgerstaaten

Malaysia, das Partnerland der Internationalen Tourismusbörse (ITB) 2019, steht einmal mehr in der Kritik, nachdem der Tourismusminister auf der Eröffnungspressekonferenz in Berlin behauptet hat, es gebe in seinem Land keine Homosexualität. Ob Reisen nach Malaysia für Homosexuelle und Juden sicher seien, wollte Datuk Mohamaddin bin Ketapi (61) nicht einschätzen. 

Datuk Mohamaddin bin Ketapi in Berlin
Foto: Messe Berlin
 

Homosexualität? Wir haben so etwas nicht

Die Eröffnungspressekonferenz am Dienstag [5. Februar] lieferte den ersten Skandal der ITB 2019. Der malaysische Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi antwortete in Berlin nur sehr zögerlich auf die Frage, wie sicher Reisen nach Malaysia für Homosexuelle und Juden seien. Zunächst versuchte der Politiker, das Thema zu umgehen, musste dann aber auf mehrfache Nachfragen doch Stellung beziehen. "Homosexualität? Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land. Ob es sicher ist oder nicht, kann ich nicht beantworten", sagte er laut der 'Berliner Morgenpost' zu den anwesenden Pressevertretern. 
Dr. Christian Göke, der Chef der Berliner Messe, zeigte sich auf die Äußerung seines Gastes angesprochen ähnlich ausweichend: "Wir sind Gastgeber und ein Gastgeber hört zu und nimmt zur Kenntnis", erklärte er lediglich. 

Dr. Christian Göke, Chef der Berliner Messe
Foto: Messe Berlin
 

Malaysia: Kritik von Anfang an

Seit Bekanntgabe der ITB-Zusammenarbeit steht das diesjährige Partnerland Malaysia wegen seiner israel- und homosexuellenfeindlichen Haltung in der Kritik. Grünen-Politiker Volker Beck (58) sagte der 'Morgenpost' bereits vor einigen Tagen: "Mit der Entscheidung, Malaysia zum Partnerland der ITB zu machen, wird eine Regierung hofiert, die Israel und seine Bürger boykottiert und die Homosexualität in ihrem Land mit körperlicher Züchtigung wie Peitschenhieben bestraft." 
Tatsächlich war Anfang September 2018 ein mutmaßlich lesbisches Paar in der malaysischen Großstadt Kuala Terengganu zu einer Folterstrafe von sechs Stockhieben verurteilt worden. Und auch um die israelfeindliche Haltung Malaysias hat es vor wenigen Wochen einen Skandal gegeben: So entzog das Internationale Paralympische Komitee (IPC) dem Land die Schwimm-WM, die vom 29. Juli bis zum 4. August hätte stattfinden sollen. Der Ausrichter hatte grundsätzliche Garantien verweigert: Es könne nicht sichergestellt werden, dass die israelischen Athleten "frei von Diskriminierung und sicher" an den Spielen teilnehmen können, hatte es aus Malaysia geheißen. 

 

ITB: Zwischen LGBTQI* und Verfolgerstaaten

Malaysia ist nicht das erste Partnerland, das für Kritik rund um die Internationale Tourismusbörse sorgt. 2010 waren die Malediven als Partner aufgerufen – und damit ein Inselstaat, in dem Homosexualität mit bis zu vier Jahren Haft bestraft wird. Auch in Botswana, Partnerland 2017, ist gleichgeschlechtliche Liebe strafbar und kann bis zu sieben Jahre Haft nach sich ziehen. 
Trotzdem versucht die ITB jedes Jahr, reisefreudige LGBTQI* ganz direkt anzusprechen. Unter anderem gibt es dafür das Segment "Gay & Lesbian Travel". Außerdem wird in diesem Jahr zum ersten Mal der "LGBT+ Leadership Summit" ausgerichtet. Worum es dort geht, wird auf der Homepage der ITB dargestellt: "Führende Experten aus dem Bereich Wirtschaft, Politik und Tourismus präsentieren und diskutieren über die unterschiedlichen Lebensbedingungen der LGBT+ Community weltweit. Eine Studie der Unternehmensberatung Accenture führt vor Augen, wie sinnvoll gelebte Diversity Strategien zur Steigerung der Lebensqualität der Allgemeinheit beitragen. Und es wird gezeigt welche Rolle der LGBT+ Tourismus hierbei spielt."

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