Aktfotografie: „Jede Frau sollte sich mal so schön fühlen!“

Nacktbilder als Geschenk? Warum nicht!?

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Wir haben eine Fotografin gefragt, wie Aktfotografie unser Selbstbewusstsein und unsere Beziehung stärken kann.

Die nackten Brüste vor einer Fotokamera zeigen? Es gibt vermutlich viele Frauen, die diese Vorstellung absolut gruselig finden. Nicht, dass sie ihre Brüste nicht mögen würden. Und ein paar schöne Bilder vom eigenen Körper wären ja auch ganz nett. Aber dieser Gedanke, sich vor einem fremden Fotografen auszuziehen und aufreizende Posen zu zeigen – neee, geht gar nicht.

So dachte auch ich über Aktfotografie - bis ich die Fotografin Katrin Langowski in ihrem Studio in Hamburg besucht habe. Sie macht seit 18 Jahren wunderschöne Fotos von nackten Menschen. Edles Schwarz-Weiß, dazu nur ein Hauch von Farbe, sanfte Silhouetten, verlockende Wassertropfen auf nackter Haut, viel ahnen, wenig wirklich sehen… ihr Stil gefiel mir. Darum wollte ich wissen, wie sie es schafft, dass die Menschen sich ausgezogen vor ihrer Kamera so wohl fühlen.

Foto: Katrin Langowski | koerper-fotografie.de

Vor dem Shooting gibt es Prosecco

„Wir starten hier immer mit einer Tasse Tee oder einem Glas Prosecco und einem lockeren Gespräch“, erzählt mir Katrin Langowski. „Das ist ganz entspannt, wir sprechen darüber, wie die Frauen sich ihre Aktbilder vorstellen, schauen uns vielleicht Beispiele an, die sie mitgebracht haben. Es ist auch schon vorgekommen, dass die Frauen nach diesem Gespräch der Mut verlassen hat. Die sagen dann ,Du, Katrin, hier ist dein Geld, aber ich kann das nicht machen. Ich bin zu dick, ich bin zu hässlich, das geht einfach nicht…‘“

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Wenn so etwas passiert, ist Katrins Fingerspitzengefühl gefragt. „Ich lasse die Frau dann alles anziehen, was sie so dabei hat - Mantel, Mütze, Schal, Handschuhe… - und stelle sie erstmal so vor die Kamera. Dann fangen wir mit ein paar angezogenen Bildern an und Stück für Stück lassen die Frauen dann immer mal wieder ein Kleidungsstück mehr fallen, sobald sie sich an diese ungewöhnliche Situation gewöhnt haben.“

Herzliches Lächeln & offener Blick: So sieht Katrin Langowski aus. | Foto privat

In diesem Fotostudio muss niemand perfekt sein

Das Studio von Katrin ist ein großer, gemütlicher Raum mit abgenutztem Holzboden, weiß gekalkten Wänden, Holzbalken an der Decke. Hier ist nichts perfekt und ich habe sofort das Gefühl, für Bilder an diesem Ort auch nicht perfekt sein zu müssen. Vorne stehen ein alter Tisch und ein paar gemütliche Stühle, nach hinten hin ist der Foto-Bereich zu sehen: eine schwarz abgehängte Wand, dazu schwarze Tücher auf dem Boden, drumherum große Scheinwerfer – und jede Menge Utensilien wie ein langes Stück weißes Organza, ein rotes Samttuch, Perlenketten, Spitzen-Kleider … „Die Tücher können die Frauen um die Stellen ihres Körpers wickeln, die sie nicht so gerne mögen. Dann lassen sie vielleicht nur eine Brust herausblitzen und das sieht wunderschön aus“, erklärt die Fotografin.

Von den Scheinwerfern erwarte ich grelles Licht, wie ich das von Bewerbungsfotos her kenne. Doch von wegen! Die Scheinwerfer von Katrin Langowski werfen nur ein ganz sanftes Licht auf den Körper, als ich mich probeweise angezogen an die Stelle stehe, an der ein Akt-Shooting stattfinden könnte. Katrin knipst unbefangen los, dreht mich behutsam in Richtung des Lichts, um mir auf Probebildern zu zeigen, wie meine Silhouette wirken könnte. Besonders gut gefällt mir eine Pose mit Perlenkette. Das Schimmern der Perlen wirkt so edel - das perfekte Accessoire für so ein Shooting!

Was sind das für Menschen, die so ein Aktshooting machen?

Katrin berichtet mir: „Die Frauen kommen aus verschiedenen Gründen. Oft ist es so: Mitte 50, zweite Liebe, sie heiraten neu und wollen diese Liebe mit so einem Bild feiern. Manchmal wird auch eine künftige Braut zu ihrem Junggesellinnenabschied hierher gebracht. Oder ich habe alles schon geschenkt und möchte nochmal ein ganz besonderes Geschenk. Dann landen die Frauen hier und sagen ,Ich mach‘ jetzt was, womit der nie im Leben rechnet!‘ Dann sind die Männer platt, denn das ist ja ein großer Vertrauensbeweis, dass die Frau sich traut, sich nackt oder in Wäsche fotografieren zu lassen und dann das Bild verschenkt.“

Die Nacktbilder schenken neues Selbstbewusstsein

Immer wieder kommen aber auch Frauen zu Katrin, die gerade eine Trennung hinter sich haben. Manchmal schickt sie ein Therapeut, manchmal kommen sie von allein. Manche wollen die Bilder für die Partnersuche im Internet – doch für die meisten soll das Aktshooting dabei helfen, ihr Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. „Einer der Therapeuten, der seine Klientinnen zu mir schickt, sagte mal, dass einfach jede Frau sich mal so schön fühlen sollte. Viele sagen nachher: ,Ach ja, so schlimm sehe ich doch gar nicht aus‘ oder sogar ,Wow! Das sieht ja toll aus, das bin ich?“, berichtet Katrin.

Sind die Frauen denn alle ganz schlank?

„Nein, absolut nicht. Es kommen auch viele Frauen zu mir, die etwas mehr Gewicht haben. Bei solchen Frauen arbeiten wir dann mit verhüllenden Stoffen, zeigen nur die Bereiche, die sie gerne zeigen wollen, beispielsweise ihr tolles Dekolleté !“

Manchmal kommen aber auch Paare, die sich gemeinsam fotografieren lassen wollen. „Dann wird es echt heiß hier drin, da herrscht so eine erotische Stimmung, manchmal unterbrechen die Männer zwischendrinkurz, um sich wieder abzukühlen“, verrät Katrin. Bei solchen Shootings ist oft die Frau die treibende Kraft. Was es für die Männer leichter macht: sie müssen nicht komplett nackt sein. Oft reicht schon ein schwarzes Hemd, das etwas weiter aufgeknöpft wird, dazu eine innige Pose mit der leicht bekleideten Partnerin ... „Ich nehme den Männern die Angst und erkläre ihnen: Das ist Körperfotografie. Dazu muss man nicht komplett nackt sein!“, berichtet Katrin.

Jedes Model kann gerne die Lieblings-Jeans, eine Lederjacke, ein großes Hemd vom Partner oder schicke Dessous anlassen. „Dann lassen wir die Jeans nur ein kleines Stück runterrutschen, oder ich fotografiere nur Details wie den Bauchnabel oder eine nackte Schulter, das kann auch schon toll aussehen!“

Foto: Katrin Langowski | koerper-fotografie.de

Und was passiert nachher mit den Bildern? Viele der Kunden von Katrin Langowski packen die Bilder nachher in ein Album, manche ziehen einzelne Bilder auf große Leinwände und hängen sie ins Schlafzimmer , andere wählen drei Bilder aus und zeigen sie offen an ihrer Wohnzimmerwand. „Ich mache ja oft Bilder, auf denen man nicht unbedingt erkennt, wer die Person ist, dann kann man das schon machen“, findet Katrin.

In jedem Fall sind die Bilder wertvoll: physisch wie psychisch. Wer sieht, wie schön der eigene Körper auf diesen Aktbildern aussieht, fühlt sich besser, ist oft erstaunt davon, wie schön dieser Körper aussehen kann, den wir so oft nur als ungenügend empfinden.

Und dann sind natürlich auch die Kosten. Allein das Shooting kostet 140 Euro. Alle Bilder, die dabei entstehen, bekommt das Model in Farbe und Schwarz-Weiß als Vorschau-Bilder. Die Bilder, die dann von Katrin bearbeitet werden sollen, kosten in der Größe 13 x 18 Zentimeter jeweils 6,50 Euro. „Die mache ich dann richtig schick, arbeite die richtig gut aus“, berichtet Katrin. Kleine Hautunreinheiten werden entfernt – oder auf Wunsch auch Narben , die die Frauen nicht auf diesen Bildern sehen wollen.

Die Form des Körpers wird nicht retuschiert

Was Katrin allerdings nicht macht: Die Körperform verändern. „Ich mache nie die Brust größer oder kleiner oder den Bauch dünner. Sowas mache ich nicht. Ich finde, jede Frau hat so, wie sie ist, ihre Berechtigung. Jede Frau ist schön .“ Und das kann und darf man definitiv zeigen, auf so wunderbar stilvollen Bildern.

Mehr Bilder von Katrin Langowski gibt es auf ihrer Internetseite:
koerper-fotografie.de

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