Gibt es ein Happy End?

Alte Liebe rostet nicht - Eine Liebesgeschichte zum Träumen!

Um Platz zu schaffen, will Petras Mann Siggi ihre alte Vespa verkaufen. Dabei hängen so viele Erinnerungen von Petra daran! Grund für sie, ihr ganzes Leben zu hinterfragen …

Liebesgeschichte alte Liebe rostet nicht
Foto: iStock/ Yulia Raneva

Eine ganze Woche hatten Siggi und Petra sich freigenommen. Sie wollten endlich mal ihr Haus aufräumen. Die Kinder hatten schon abgeholt, was sie an Erinnerungen behalten wollten, doch Dachboden, Garage und Keller platzten noch immer aus allen Nähten. „Leben heißt offenbar vor allem, Ballast anzusammeln“, meinte Siggi, als sie sich an die Arbeit machten. Doch die beiden wollten Platz schaffen, jetzt, wo die Kinder aus dem Haus waren. Petra ging als Erstes durch die Kisten mit Spielzeug und alter Kleidung. Einiges warf sie weg, was besser erhalten war, würde sie spenden oder auf dem Flohmarkt verkaufen. Es war nicht leicht, voranzukommen – immer wieder stieß sie auf Erinnerungen und betrachtete wehmütig Dinge, die ihr nach Jahren wieder in die Hand fielen …

Die Erinnerung an eine alte Liebe entflammt

Am dritten Tag war die Garage dran. „Die Vespa sollten wir verkaufen“, sagte Siggi. „Dafür findet sich auf jeden Fall ein Abnehmer.“ „Meine alte Vespa?!“, entgegnete Petra entgeistert. „Ist das dein Ernst?“ „Die steht doch schon seit Jahren nur rum“, meinte ihr Mann. „Kommt gar nicht in Frage!“, fauchte Petra und lief aufgebracht ins Haus. Sie hatte den Motorroller zu ihrem sechzehnten Geburtstag geschenkt bekommen. Und konnte sich noch genau daran erinnern, welches Gefühl von Freiheit damit verbunden gewesen war. Außerdem erinnerte sie die Vespa an ihren ersten Freund, Thorsten. Auch der war ein großer Roller-Fan gewesen und hatte in seiner Freizeit an den fahrbaren Untersätzen herumgebastelt. Bis nach Frankreich waren Petra und er auf ihren Vespas gefahren. Jetzt fühlte es sich an, als wollte Siggi ihr diese Erinnerungen nehmen – an die Jugend, als das Leben noch vor ihr lag …

Was macht die erste große Liebe wohl heute?

Thorsten und sie hatten sich getrennt, als Petra mit ihrer Ausbildung anfing. Plötzlich fragte sie sich, was ihre erste große Liebe jetzt wohl machte, wie es Thorsten im Leben ergangen war, ob er manchmal noch an sie dachte. Sie schnappte sich ihr Handy und gab seinen Namen in eine Internet-Suchmaschine ein. Thorsten betrieb ein Autohaus in der nächsten Kreisstadt, das passte. Auf den wenigen Fotos, die Petra von ihm fand, konnte sie den Jungen von damals noch erkennen. Und auf einmal spürte sie eine unglaubliche Sehnsucht nach ihrer Jugendliebe. Dabei war doch alles gut zwischen Siggi und ihr, sie wollten doch bloß ihr Zuhause entrümpeln. Trotzdem fand sich Petra kurz darauf im Keller wieder, wo sie eine Kiste mit Thorstens Briefen heraussuchte. Sie hockte sich auf den Boden und las. Alles wurde wieder lebendig – als wäre sie gerade sechzehn geworden. War sie jemals wieder so verliebt gewesen …?

Und plötzlich war Petra einfach weg

„Ich dachte, wir wollten zusammen aufräumen“, meinte Siggi gereizt, als er seine Frau lesend im Keller entdeckte. „Ich habe es mir anders überlegt“, giftete Petra. „Zumal du ja eh nur Dinge entsorgen willst, die mir was bedeuten.“ Fassungslos sah er sie an. „Geht es dir immer noch um die alte Vespa?“, fragte er. Petra schnaubte. Sie würde ihrem Mann zeigen, welch große Bedeutung dieser Motorroller für sie hatte …

In der Garage entdeckte sie ihren alten Helm, dann schob sie die Vespa auf die Auffahrt. Beim fünften Versuch sprang der Motor tatsächlich an. Petra brauste los, hielt nur kurz an der Tankstelle, um Benzin nachzufüllen. Sie wusste selbst nicht, was sie da eigentlich tat, aber es fühlte sich verdammt gut an. Wo waren nur all die Jahre geblieben? Ihre Leidenschaft, ihre Sehnsucht nach Freiheit? Sicher, sie war glücklich gewesen mit Siggi, hatte mit ihm zwei wunderbare Kinder großgezogen. Aber die brauchten Petra jetzt nicht mehr. Wer war sie überhaupt, wenn sie nicht Mutter und Ehefrau war …?

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Die wahre Liebe findet man nur einmal

Sie war schon auf halbem Weg zur nächsten Kreisstadt, da spürte sie ihr Handy vibrieren. Sie hielt am Straßenrand und sah nach – es war Siggi. Er hatte eine Nachricht auf Petras Mailbox hinterlassen. „Es tut mir leid, wenn ich etwas falsch gemacht habe“, sagte er. „Ich glaube, das ist gerade keine einfache Zeit für uns beide, weil wir uns ein bisschen neu erfinden müssen. Und weil das Leben immer kürzer wird. Aber ich möchte, dass wir das miteinander hinkriegen. Ich liebe dich!“ Petra fühlte das schlechte Gewissen in sich aufsteigen. Was tat sie hier eigentlich? Sie hatte doch überhaupt keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ja, Älterwerden war nicht immer einfach, aber diese Herausforderung musste man meistern. Noch einmal betrachtete sie die Fotos von Thorsten. Dieser Mann war ein Fremder, der nichts mit ihrem heutigen Leben zu tun hatte. Petra wendete die Vespa, um nach Hause zurückzufahren. Zu dem Mann, den sie liebte. Sie würden jetzt gemeinsam die Garage entrümpeln und sich überlegen, wie sie die nächsten Jahre verbringen wollten. Ihren alten Motorroller – den würde Petra allerdings behalten …