Geht's noch???Bargeld besteuern: Der Plan des IWF zur Durchsetzung von Minuszinsen bestraft Sparer

Würde man Bargeld besteuern, könnte man Minuszinsen durchsetzen, so der Internationale Währungsfonds IWF. Aber: Durch so eine Maßnahme würden Sparer bestraft und Menschen zum Konsum gezwungen werden.  
 

Inhalt
  1. Die Not der Zentralbanken: Wozu Minuszinsen?
  2. Minuszinsen gegen die Rezession: Zum Konsum gezwungen
  3. Bargeld besteuern: Der fragwürdige Plan des IWF
  4. Deutsche Ökonomen reagieren empört
  5. Die Zwei-K(l)assen-Gesellschaft 
  6. IWF-Vorschlag in den Wind schießen? Unbedingt!

Der Internationale Währungsfonds IWF sorgt aktuell für Entsetzen unter Finanzexperten. Und das zu Recht. Denn die Sonderorganisation der Vereinten Nationen schlägt vor, Minuszinsen durchzusetzen, damit die Zentralbanken auf die bevorstehende Rezession – also den Wirtschaftsabschwung – reagieren können. Dieser Plan hat allerdings verheerende Folgen für uns Otto Normalverbraucher.

 

Die Not der Zentralbanken: Wozu Minuszinsen?

Zuerst die Frage nach dem Warum: Wozu denkt der IWF überhaupt darüber nach, wie man Minuszinsen durchsetzen kann? Einfach ausgedrückt: Die Ökonomen glauben, dass so die nächste Rezession abgefedert werden kann. 
Wirtschaftsexperten rechnen auch in Deutschland mit einem erneuten Wirtschaftsabschwung – als Wendepunkt erkennen viele das aktuelle Brexit-Chaos. Bisher reagierten die Notenbanken mit Zinssenkungen, um eine zähe Wirtschaft anzukurbeln. Das Problem allerdings ist, dass die meisten Zentralbanken ihre Zinsen kaum noch senken können, da diese seit der weltweiten Finanzkrise 2007 bereits im Keller sind. Im Euro-Raum beispielsweise liegt der Leitzins derzeit bei 0%, die USA haben sich auf magere 2,5% gesteigert in den vergangenen Jahren. Doch das könnte eine Rezession nicht ausgleichen, denn in einer Krisensituation wären Zinssenkungen von bis zu 6% nötig, wie der IWF betont.
Darauf basierend legten die Ökonomen jetzt ihren fragwürdigen Plan zur Durchsetzung von Minuszinsen vor. 

 

Minuszinsen gegen die Rezession: Zum Konsum gezwungen

Um die Leitzinsen der Zentralbanken im Falle eines Wirtschaftsabschwungs senken zu können, scheint nur ein Weg offen: der nach unten. Denn wer von 0% weitere 6% abziehen will, der landet nunmal im negativen Bereich und damit bei Minuszinsen
Minuszinsen bedeuten, dass jemand, der Geld auf dem Konto anhäuft, Zinsen dafür zahlen muss statt welche zu bekommen. Gerade für Sparer eine verheerende Situation: Anstatt am Ende des Jahres Zinsen auf das angelegte Geld zu erhalten, müssten sie Strafe dafür zahlen, Geld auf dem Konto zu haben.  
Hier scheint nur noch ein Ausweg zu bleiben: Das Geld abheben und in Form von Bargeld zu Hause aufbewahren. So umgeht man Strafzinsen und kann sein Geld in Ruhe sparen. Genau das möchte der Internationale Währungsfonds allerdings verhindern – mit einem abstrusen Vorschlag

 

Bargeld besteuern: Der fragwürdige Plan des IWF

Die Experten des IWF wollen Geld in Zukunft in zwei Kategorien einteilen: Bargeld und elektronisches Geld, so genanntes e-Geld. Während das e-Geld auf dem Konto weiterhin den Minuszinsen unterliegen würde, müsste abgehobenes Bargeld besteuert werden, also an Wert verlieren. Der IWF rechnet ein konkretes Beispiel vor. Darin wird angenommen, dass die Zentralbank den Leitzins auf -3% senkt und die Banken dies zu 100% auf die Kunden abwälzen. Das würde bedeuten, dass von 100 angelegten Euro auf dem Konto nach einem Jahr nur noch 97 Euro übrig sind. 100 abgehobene Euro in bar sind im Gleichzug nach einem Jahr nur noch 97 Euro wert. So unterlägen beide Geldwerte derselben Minderung "und es würde keinen Sinn ergeben, Bargeld anstatt Bankeinlagen zu halten", schreiben die Mitarbeiter des IWF.
Die einzige Möglichkeit, die Wertminderung des Geldes zu verhindern, wäre der schnelle Konsum: Nur wer sein Geld zeitnah ausgibt, macht kein Minusgeschäft. Klingt irrsinnig? Ist es auch. 
Vor allem stellt sich eine große Frage: Wie soll gekennzeichnet werden, welches Bargeld wann abgehoben wurde? Verliert ein 100-Euro-Schein nach einem Jahr an Wert, muss schließlich klar lesbar sein, wann dieses Jahr erreicht ist. 

 

Deutsche Ökonomen reagieren empört

"Dass ein solcher Vorschlag vom IWF kommt, ist bedenklich", sagt Gunther Schnabl, Wirtschaftsprofessor an der Universität Leipzig, dem 'Tagesspiegel'. "Dadurch sollen die Menschen fürs Sparen bestraft und zum Konsum gezwungen werden." Der Experte sähe klare negative Konsequenzen auf uns zukommen. "Die Flucht in Sachwerte würde sich beschleunigen: Immobilien-, Land-, Aktien- und Goldpreise würden noch stärker steigen", ist er sich sicher. 

 

Die Zwei-K(l)assen-Gesellschaft 

Der IWF hält die Einführung zweier Währungen – bar und elektronisch – für umsetzbar. "Im Vergleich zu anderen Vorschlägen hätte dieser den Vorteil, die Geldpolitik völlig von der unteren Zinsgrenze (Nullzinsen) zu befreien", heben die Ökonomen hervor. 
Zwei Währungen ließen sich allerdings nur dann umsetzen, wenn Händler in Zukunft zwei Preise für ihre Ware ausschreiben: den Barpreis und den e-Preis.

 

IWF-Vorschlag in den Wind schießen? Unbedingt!

Egal, mit wie vielen Fakten des Team des Internationalen Währungsfonds seinen Vorschlag auch stützt: Der Vorstoß wirkt eher wie ein schlechter Scherz, denn wie eine echte Lösung. Deutsche Finanzexperten sehen Chancen vielmehr in wettbewerbsfähigen Unternehmenssteuern und einem deutlichen Bürokratieabbau. Nachdem die Wirtschaft hierzulande weiterhin stagniert, ist es sicherlich wichtig und richtig, sich für eine drohende Rezession zu wappnen – nur bitte nicht auf dem Rücken der Sparer.    

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