„Boots“: Beruht die Militär-Serie auf wahren Begebenheiten?
Die Geschichte von Cameron Cope begeistert momentan die Massen. Doch wie viel Wahrheit steckt tatsächlich in „Boots“?
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1990 – Auf der Suche nach Orientierung und einem Platz im Leben tritt der homosexuelle Cameron Cope (Miles Heizer) gemeinsam mit seinem besten Freund Ray McAffey (Liam Oh) den US-Marines bei. Ray, Sohn eines hochrangigen Offiziers, ist mit dem Militär groß geworden – doch auch er muss bald erkennen, dass zwischen seiner Vorstellung und der Wirklichkeit Welten liegen.
Die Einheit, der sie zugewiesen werden, ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Persönlichkeiten. Männer mit völlig verschiedenen Hintergründen, Lebensgeschichten und inneren Narben treffen aufeinander. Zwischen hartem Training, stillen Ängsten und unausgesprochenen Wahrheiten bewegen sich die Rekruten durch reale wie metaphorische Minenfelder. Unerwartete Allianzen entstehen, Grenzen werden überschritten – und das in einer Umgebung, die eher bricht, als aufbaut. Doch wie viel Wahrheit steckt in „Boots“? Wie nah kommt die Geschichte der Realität?
Aus Greg Cope wird Cameron
Die Netflix-Serie „Boots“ beruht lose auf den Erinnerungen von Drehbuchautor und TV-Produzent Greg Cope White, der in dem Buch „The Pink Marine“ seine außergewöhnliche Zeit beim US-Militär beschreibt.
Mit 18 Jahren erhielt White einen Anruf seines besten Freundes Dale, der ihm von einem Bootcamp der Marineinfanterie berichtete. „Und ich dachte mir, ein Sommercamp – das klingt toll“, erinnerte sich White im Gespräch mit dem US-Magazin TIME. „Also sagte ich: ‘Ich komme mit.’“ Tatsächlich verpflichtete sich White bei den Marines – und blieb ganze sechs Jahre. Eine Zeit, in der er gezwungen war, seine Homosexualität zu verbergen. Während seine Kameraden offen über Beziehungen und Dates sprachen, musste White ständig darauf achten, nichts von sich preiszugeben. Bis 2011 war es LGBTQ+-Personen untersagt, offen im US-Militär zu dienen – bis 1993 war Homosexualität sogar ein strafrechtlicher Verstoß. Dass die Serie gerade jetzt erscheint, während erneut über Vielfalt und Inklusion im Militär diskutiert wird, verleiht „Boots“ eine bedrückende Aktualität.
Mit der Zeit wurde das Doppelleben für White zunehmend belastend. „Ich konnte diese Leute, denen ich so nahestand, einfach nicht mehr anlügen.“ Schließlich entschloss er sich, die Streitkräfte zu verlassen. Trotz aller Schwierigkeiten blickt er heute mit Dankbarkeit auf die Zeit zurück: „Ironischerweise gaben mir die Marines das Selbstvertrauen, mich zu outen“, sagt er. „Ich kann jetzt jeden Raum betreten, egal ob freundlich oder unfreundlich. Ich spreche mit jedem. Das habe ich ihnen zu verdanken.“
„Boots“ spielt mit „The Pink Marine“ und Geschichte
Trotz der autobiografischen Grundlage ist „Boots“ keine klassische Adaption von „The Pink Marine“. Serienschöpfer Andy Parker nutzte das Buch vielmehr als Inspirationsquelle für eine freiere, fiktionalisierte Erzählweise. Besonders die Figur des Cameron wurde stark weiterentwickelt und fiktionalisiert, was Raum für eine differenzierte Darstellung des heutigen Militärs eröffnete – mit Fokus auf vielfältige Lebensrealitäten, Hintergründe und persönliche Motive der Soldat:innen.
Um den Alltag von Soldat:innen möglichst authentisch abzubilden, arbeitete das Kreativteam eng mit echten Veteran:innen zusammen – sowohl während der Drehbuchentwicklung als auch während der Dreharbeiten. Auch die Schauspieler:innen wurden intensiv auf ihre Rollen vorbereitet: Vor Beginn der Produktion absolvierten sie ein eigenes Bootcamp, das unter anderem Marschtraining, den Umgang mit Waffen und körperliche Belastungsproben in der schwülen Hitze Louisianas umfasste – alles mit dem Ziel, den militärischen Alltag so glaubwürdig wie möglich darzustellen.








