Ein schwerer, aber auch heilsamer Schritt

Charlotte Roche: Nach schwerer Kindheit mit den Eltern gebrochen

Schriftstellerin Charlotte Roche durchlebte eine schwere Kindheit und zog ihre Konsequenzen daraus: Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern.  

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Man kann 'Feuchtgebiete' für das genialste Buch aller Zeiten oder für Schrott gehalten, 'Schoßgebete' verschlungen oder nach den ersten 20 Seiten aus der Hand gelegt und 'Mädchen für alles' gefeiert oder gefeuert haben: Fakt ist, die Autorin Charlotte Roche (40) hat ein Gespür für polarisierende Themen und spricht diese wie keine andere in Deutschland an. Dabei schafft Charlotte einen interessanten Spagat zwischen Privatleben und Öffentlichkeit. Auf der einen Seite stellt sie ihre Familie nie ins Rampenlicht und führte sogar einen offenen Kampf gegen die 'Bild'-Zeitung, als diese den Unfalltod ihrer drei Brüder 2001 ausschlachten wollte. Auf der anderen Seite spricht sie immer wieder offen und vor allem schonungslos über ihre Entscheidung, sich nach einer schwierigen Kindheit von ihren noch lebenden Eltern zu trennen.  

Darum hat Charlotte mit ihren Eltern gebrochen

In einem aktuellen Interview mit 'Gala' enthüllte Charlotte, dass sie ihre Eltern nicht einmal zu Weihnachten sieht. 1978 kam sie im englischen High Wycombe zur Welt, ihr Vater arbeitete als Ingenieur und ihre Mutter als politisch aktive Künstlerin. Als Charlotte ein Jahr alt war, wanderten ihre Eltern nach Deutschland aus. Mit fünf Jahren wurde sie dann zum Scheidungskind – und hatte ihre schwere Kindheit damit noch vor sich.
"Ich bin ein vielmaliges Scheidungskind", erzählte Charlotte in 'Gala'. "Bis ich 15 war, bin ich 14-mal umgezogen. Und das lag nur am Lebensstil meiner Eltern. 68er-Generation, Selbstverwirklichung..." Weitere Erklärungen braucht es dazu wohl nicht. 
Statt aber das schlechte Verhältnis ein Leben lang aufrecht zu erhalten und sich immer wieder zum Kontakt mit denen eigenen Eltern zu zwingen, wählte Charlotte einen anderen Weg: Sie brach den Kontakt mit ihren Erzeugern ab. Leicht sei es nicht gewesen, betonte die Schriftstellerin, aber eben notwendig. "Ich bin sehr gegen Selbstverwirklichung in der Zeit, in der man Kinder hat. Man kann das gern davor oder danach machen. Aber in der Zeit, in der man Kinder hat, kann man sich mal kurz am Riemen reißen und nicht jedes Jahr einen neuen Stiefvater anschleppen. Das ist wirklich verstörend für mich gewesen."

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Schlechte Eltern machen noch keine schlechten Großeltern

Das wirklich Interessante an der Entscheidung von Charlotte Roche ist: Sie hat sie ausschließlich für sich selbst getroffen. Ihre heute 16-jährige Tochter Polly, die sie mit TV-Produzent Eric Pfeil erzogen hat, zwingt sie nicht zu diesem Schritt. Das enthüllte Roche schon im April in einem Essay in der 'Süddeutschen Zeitung'. Darin schrieb sie:
"Nur weil ich finde, meine Eltern waren als Eltern Katastrophe, heißt das nicht, dass sie das auch als Großeltern sind. Ich widerstehe tapfer dem ersten Impuls, ihnen auch die Enkeltochter zu entziehen. Sie geht jeden von ihnen besuchen, schreibt Whatsapp, telefoniert und verschickt normale Oldschool-Post, erzählt mir davon und über meine Lippen geht kein böses Wort."
Diese Entscheidung verdient nichts anderes als den tiefsten Respekt. Für Charlotte aber ist es die einzig logische Konsequenz. Und auch diese Überzeugung wurzelt in ihrer eigenen schweren Kindheit: "Ich habe irgendwann herausgefunden, warum es mich so schmerzt, wenn meine Mutter schlecht über meinen Vater redet. Weil sie jedes Mal eine Hälfte von mir beleidigt. Wenn ich meiner Tochter jetzt Schlechtes über ihre Oma erzähle, würde ich ja ein Viertel meiner Tochter beleidigen. Ist Mathe, ne?!"
Während man davon ausgehen kann, dass Mama Roche keinen auf beste Freundin mit ihrer Teenie-Tochter macht, will sie eben doch nur das Beste für ihr Kind. "Ich liebe meine Tochter, missbrauche sie nicht für meinen Hass, muss sie nicht auf meine Seite ziehen, weil es für sie keine Seiten gibt. Sie darf Beziehungen pflegen, mit wem sie will und ich eben auch." 


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