Manager, Mörder, Monster?

Colonel Parker: Die wahre Geschichte des zwielichtigen Elvis-Managers!

Colonel Tom Parker machte Elvis, den King of Rock'n'Roll zum Megastar. Er selbst soll allerdings ein Monster gewesen sein…

Elvis und Colonel Tom Parker
Väterlicher Freund oder gieriger Machtmensch? Colonel Tom Parker und Elvis 1955 Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection

Seit dem 23. Juni läuft "Elvis" im Kino. Der legendäre Regisseur Baz Luhrmann (59) inszeniert Hollywood-Schnuckel Austin Butler (30) darin als King of Rock'n'Roll, als geborenes Musik-Genie, als fiebernden Ausnahmekünstler, dem alle Frauen zu Füßen liegen. Das Besondere an dem Film: Er wird aus der Perspektive von Elvis Manager erzählt. Doch Colonel Tom Parker (†87) war alles andere als eine leuchtende Galionsfigur…

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Colonel Parker: Der Mann – oder das Monster? – hinter Elvis

"So einige sehen wohl MICH als den Bösen in dieser Geschichte hier…" Mit diesen Worten beginnt der offizielle Trailer zum Biopic "Elvis". Der Böse der Geschichte, das ist Colonel Tom Parker, gespielt von Hollywood-Ikone Tom Hanks (65) im Fatsuit.

Tatsächlich gehört der Colonel zu den wohl umstrittensten Persönlichkeiten des Showbusiness. Einerseits hat er Elvis Presley entdeckt und zu einem der größten Stars der Weltgeschichte gemacht. Andererseits wird ihm bis heute vorgeworfen, den sensiblen Musiker finanziell und emotional ausgebeutet zu haben.

Wer war Elvis Manager?

Colonel Tom Parker wurde 1909 als Andreas Cornelius van Kuijk im niederländischen Breda geboren. In ihrem Buch "The Colonel" (Verlag Simon & Schuster, New York) erzählt Journalistin Alanna Nash eine krasse Geschichte. So soll Andreas Cornelius van Kuijk seine Heimat am 17. Mai 1929 ohne Abschied verlassen und jeglichen Kontakt zu Freunden und der Familie abgebrochen haben – an genau jenem Tag, an dem die Frau eines örtlichen Kartoffelhändlers tot aufgefunden wurde. Sie war erschlagen worden. Zufall? Der Mord wurde nie aufgeklärt.

Andreas Cornelius van Kuijk reiste illegal in die USA ein und verließ das Land nie wieder. Nicht einmal, um seinen Schützling Elvis in der Welt bekannt zu machen.

Colonel Parker: Die Army attestierte ihm einen "psychotischen Zustand"

In den USA angekommen, wurde aus dem Niederländer Andreas Cornelius van Kuijk dann Tom Parker. Der junge Mann erzählte von da ab jedem, er stamme aus Huntington in West Virginia. Er trat zum Militärdienst an, erreichte aber – anders als es sein Spitzname vermuten lässt – nie den Rang des Oberst. Im Gegenteil musste Parker den Militärdienst vorzeitig abbrechen und sich wegen eines "psychotischen Zustands" und "emotionaler Instabilität" in einer Klinik behandeln lassen. Den Dienstrang des Colonel erkaufte er sich später über gute Beziehungen.

Elvis und Colonel Tom Parker
Die Stimme in seinem Ohr: Colonel Tom Parker soll Elvis stark beeinflusst haben Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection

Erst Zirkus, dann Rock'n'Roll

Bevor Tom Parker zum Colonel wurde, lebte er jahrelang am Existenzminimum. Er arbeitete in Wanderzirkussen, wo er Elefanten wusch, Tickets verkaufte und Plakate aufklebte. Als Colonel gewann Parker neues Selbstbewusstsein und schaffte den Sprung zum Musikmanager.

Im Oktober 1954 bekam er von einem Bekannten einen Tipp: Ein junger Musiker namens Elvis Presley bringe in Memphis, Tennessee sämtliche Mädchen um den Verstand. Der Colonel ging dem Tipp nach – die Geburtsstunde von Elvis, wie wir ihn kennen.

Geld, Macht, Spielsucht: Elvis Manager außer Kontrolle

Viele Mythen ranken sich um Colonel Tom Parker. So soll er ein väterlicher Freund für Elvis gewesen sein. Der Musiker vertraute seinem Entdecker blind. Doch vor allem finanziell war das keine gute Idee. Parker soll zunächst 25 Prozent, später sogar 50 Prozent aller Einnahmen seines Schützlings Elvis eingestrichen haben.

Es hätte ihn reich machen können – wäre da nicht seine Spielsucht gewesen. Man erzählt sich, dass Tom Parker meist an Spieltischen im Casino gesessen hätte, während Elvis seine Shows über die Bühne brachte. 1977 soll Parker allein im "Hilton"-Hotel in Las Vegas über 30 Millionen Dollar Spielschulden angehäuft haben. Gleichzeitig zwang er Elvis zu einem Auftritt nach dem anderen.

Elvis selbst hatte bei seinem Zeitplan kein Mitspracherecht. Zwischen 1969 und 1976 gab der King allein in Las Vegas 837 Vorstellungen, wie der "Spiegel" in einem ausführlichen Bericht schreibt.

Elvis: Der erste Star, der zur Marke wurde

Der Geschäftssinn von Colonel Tom Parker kannte keine Grenzen. Neben Platten konnten Fans des Kings über 50 Elvis-Produkte kaufen – Armbänder, Ketten, Schals, Parfums, Turnschuhe, Lippenstifte und vieles mehr. Der Colonel ging sogar so weit, den Nicht-Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen: Er ließ Buttons mit dem Slogan "I Hate Elvis" drucken und verkaufte sie an jene, die den Hype um den Musiker nicht mitgehen wollten.

Das Verblüffende ist: So clever Tom Parker seinen Schützling in der Welt der Musik vermarktete, so sehr versagte er in Sachen Filmbusiness. Zwischen 1956 und 1969 war Elvis in 31 Spielfilmen zu sehen, von denen keiner großes Kritikerlob einstreichen konnte. Der Legende nach soll Parker sogar abgelehnt haben, Elvis die männliche Hauptrolle in dem 1976er Klassiker "A Star is Born" spielen zu lassen.

Vernon Presley, Elvis Presley und Tom Parker
Ein Star, zwei Väter: Elvis zwischen seinem Vater Vernon Presley (l.) und seinem Manager Foto: IMAGO / Cinema Publishers Collection

Elvis und die USA: Eine Zwangsehe?

Das Ungewöhnliche an Elvis Karriere: Der Megastar ist – bis auf drei Gigs in Kanada – nie außerhalb Amerikas aufgetreten. Dabei hätte sich im Ausland sicherlich viel Geld machen lassen mit dem Hüfte schwingenden Musikgott in Leder.

Dahinter steckte angeblich Tom Parkers Angst vor der Abschiebung aus den USA. Wir erinnern uns: Andreas Cornelius van Kuijk war 1929 illegal – also ohne Papiere – in das Land gereist. Man munkelt, dass Elvis Manager nie einen US-amerikanischen Pass besessen hat.

Hat Tom Parker Elvis zerstört?

Der Manager soll nicht nur Elvis musikalische Belange gelenkt haben, sondern auch dessen Privatleben. Der Legende nach war Tom Parker zunächst gegen Elvis Beziehung mit Priscilla Beaulieu, zwang seinen Schützling 1967 dann aber, die gebürtige New Yorkerin zu heiraten.

Angeblich hatte der Colonel entschieden, dass Elvis sein Junggesellendasein hinter sich lassen sollte. So wurde aus Priscilla Beaulieu die heute weltbekannte Priscilla Presley (77), die Elvis 1968 eine Tochter – Lisa Marie Presley (54) – schenkte. Am Tag seiner Hochzeit soll Elvis bittere Tränen geweint und gesagt haben, er werde zu dieser Ehe gezwungen.

Priscilla und Elvis Presley
Ein gequältes Lächeln: Elvis an seinem Hochzeitstag Foto: IMAGO / United Archives International

Der Anfang vom Ende – und Tom Parker schaut zu

Im Frühjahr 1958 trat Elvis seinen zweijährigen Militärdienst an, wie sein sich väterlich gebender Manager einst. Viele Fans sehen darin den Anfang vom Ende des großen Elvis Presley. Denn während seiner Zeit in Deutschland – Elvis war von 1958 bis 1960 im hessischen Friedberg stationiert – verfiel der damals schon berühmte Musiker dem Alkohol und den Drogen. Bis zu seinem Tod 1977 wurde er diese Dämonen nicht los.

Das Bittere: Colonel Tom Parker besuchte Elvis in dieser Zeit kein einziges Mal. Sein Schützling hatte wenige Wochen vor seiner Abreise nach Deutschland seine geliebte Mutter Gladys verloren, die mit 46 Jahren an Herzversagen starb. Dieser Verlust soll ihn an den Rand des Wahnsinn gebracht haben. Seinem Manager schien das egal gewesen zu sein.

Ein toter Elvis ist besser als ein lebender

Elvis starb am 16. August 1977 aus seinem Anwesen in Graceland nach Jahren voller Sucht und Skandale. Er wurde nur 42 Jahre alt. In seinen letzten Augenblicken war der Musiker allein. Sein Manager war nicht bei ihm. Böse Zungen behaupten, der Colonel habe vollkommen gelassen auf den Tod seines Schützlings reagiert. Die Journalistin Alana Nash zitiert in ihrem Buch einen Freund des Stars, der herausstellte, dass für den Colonel der "tote Elvis einfacher zu kontrollieren [war] als der lebende."

In den Jahren nach Elvis Tod gab sich der Colonel allerdings stets demütig. In einem Interview von 1987 fasste er seine Zeit mit dem King wie folgt zusammen:

„Ich habe meinen Job gemacht, Elvis ist aufgetreten und wir hatten Glück.“

Colonel Tom Parker starb am 21. Januar 1997 in Las Vegas. Zu diesem Zeitpunkt umfasste das Vermögen des verstorbenen Elvis Presley gerade noch 913.000 Euro.

Der erste Trailer zu "Elvis" lässt erahnen, welch bittere Rolle Colonel Tom Parker im Leben des King gespielt hat…

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Artikelbild & Social Media: IMAGO / Cinema Publishers Collection

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