Krasse SituationFrau aus Beckum ruft Polizei bei Notfall – und wird übel im Stich gelassen

Helga Rehmsen aus Beckum wird sich bei einem erneuten Notfall wohl zweimal überlegen, ob sie die Polizei als Freund und Helfer ruft … 

Diese Geschichte liest sich wie ein ganz, ganz schlechter Krimi: Nachdem eine Frau aus Beckum die Polizei wegen eines Notfalls gerufen hatte, wurde sie Zeugin von unfassbarem Beamtenversagen

 

Notfall? Kein Personal, keine Zeit … 

Helga Rehmsen aus Beckum erhielt vor einigen Tagen einen Anruf von einem Mann, der sich als ihr Neffe ausgab und sie dazu überreden wollte, ihm 20.000 Euro in bar für ein Immobiliengeschäft zu geben. Die Frau witterte sofort einen Betrugsfall und verständigte die Polizei. Bei ihrem Notruf ging sie mehr als clever vor: Während sie mit dem Betrüger über ihr Festnetztelefon sprach, ließ sie einen Beamten über ihr Handy bei dem Gespräch mithören. Der Polizist riet Frau Rehmsen später, zur Dienststelle in Beckum zu fahren.
Dort angekommen, gab sie zwar eine Anzeige auf, doch mehr wollte man vor Ort nicht für sie tun. Die Wache war unterbesetzt, da die restlichen Beamten bei anderen Einsätzen waren. Ein anwesender Kripo-Beamter fühlte sich nicht zuständig. Dabei kannte der Verbrecher scheinbar Frau Rehmsens Adresse: "Ich hatte einer Geldübergabe zugestimmt. Deswegen habe ich dem Polizisten gesagt: Sie glauben doch wohl nicht, dass ich jetzt alleine wieder nach Hause gehe", zitieren die 'Westfälischen Nachrichten' die Dame. 
Nach einigem hin und her wurde Frau Rehmsen von einem Polizisten nach Hause begleitet – doch zur vermeintlichen Geldübergabe kam sie zu spät. Obwohl ihr Mann betonte, dass der Verbrecher noch dreimal angerufen habe, blieb der Beamte nicht. 
Nachdem ihr angeblicher Neffe noch einmal angerufen hatte, meldete sich die Frau erneut bei der Polizei. Die krasse Ansage der Beamten dieses Mal: Sobald der Kriminelle bei Frau Rehmsen vor der Tür stehe, solle sie anrufen. "Wir sind dann blitzschnell da." Daran, dass die Frau und Mann in unmittelbarer Gefahr schwebten, schien niemand zu denken

 

So rechtfertigt sich die Polizei 

Auf Nachfrage der 'Westfälischen Nachrichten' betonte Polizeisprecherin Susanne Dirkorte-Kukuk die angespannte Personalsituation bei der Kreispolizei. "In diesem Fall war es die konkrete Einsatzlage, die zu dieser Situation geführt hat. Es kann aufgrund von mehreren gleichzeitig stattfindenden oder kräfteintensiven Einsätzen zu Wartezeiten kommen. Die Bearbeitung von Einsätzen, bei denen es um Leib und Leben geht, hat dabei immer Vorrang."
Inzwischen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betruges gegen Unbekannt eingeleitet.

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