„Meine Familie ist mir das wichtigste“

Jens Spahn: Sein Baby kostet ihn den Job

Es sollte eine wunderbare News sein: CDU-Fraktionschef Jens Spahn und sein Mann Daniel Funke zeigen ihr Baby-Glück. Doch das private Glück hat berufliche Folgen, weil sie ihr Kind mit Hilfe einer Leihmutter bekamen: Er trat von seinem Job zurück ...

Jens Spahn (46) und Daniel Funke (44) bei der Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung in der Deutsche Oper in Berlin am 04.11.2017
Seit Dezember sind Jens Spahn (46) und Daniel Funke (44) verheiratet. Jetzt wurden sie Eltern. Foto: IMAGO / APP-Photo
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Die Nachricht platze vor drei Tagen ins politische Berlin: CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn (46) und sein Mann Daniel Funke (44) sind Eltern geworden. Mit einer Nachricht an Freunde und Kollegen machten sie ihr Glück bekannt: „Willkommen auf der Welt, kleiner Mensch. Möge dein Leben voller Liebe, Gesundheit und Wunder sein und Gottes reicher Segen dich auf deinem Weg beschützen.“ Doch nach der Freude kam das Erwachen: Jens Spahn musste seinen Posten räumen, trat zurück.

In Deutschland verboten, in den USA erlaubt

Der Grund: Sein Sohn Georg kam in den USA zur Welt – durch eine Leihmutter. Daniel Funke ist sein biologischer Vater. Eigentlich eine private Entscheidung – wäre da nicht der Job von Jens Spahn. Als Fraktionschef der CDU/CSU steht er im Blitzlichtgewitter. Und damit auch seine Entscheidung für eine Leihmutter. Denn: In den USA ist Leihmutterschaft erlaubt – aber in Deutschland ist sie verboten. Und ausgerechnet seine Partei will unbedingt, dass das so bleibt.

Auch Jens Spahn hatte sich vorher immer wieder gegen eine Leihmutterschaft ausgesprochen. Im Männer-Magazin "GQ" schrieb Jens Spoahn vor fünf Jahren, dass er als „schwuler Mann und Christ“ sich nur „sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs“ anfreunden könne. Jetzt die Wende ...

„Politisch ist das Verhalten kaum zu rechtfertigen“

Die Folge: In der Partei brodelt es, Parteifreunde werfen ihm Doppelmoral vor, die ersten Rücktrittsforderungen wurden laut. „In der CSU herrscht schiere Fassungslosigkeit“, heißt es. Auch auf Spahns Instagram-Profil melden sich Kritiker. Unter seinem letzten Post heißt es zum Beispiel: „Zu Ihnen fällt einem wirklich nichts mehr ein.“ Ein anderer Kommentar lautet: „Persönliches Familienglück sei Ihnen und Ihrem Mann selbstverständlich gegönnt. Aber politisch ist dieses Verhalten kaum zu rechtfertigen: Jahrelang lehnen Sie Leihmutterschaft in Deutschland mit moralischen Argumenten ab, während Sie selbst genau diese Möglichkeit im Ausland nutzen.“

Und weiter: „Damit entsteht der Eindruck, dass Ihre eigenen Regeln vor allem für andere gelten. Wer genügend Geld, Kontakte und Privilegien besitzt, kann Verbote einfach durch eine Reise ins Ausland umgehen, während weniger wohlhabenden Menschen dieselbe Möglichkeit verwehrt bleibt.“

„Ich möchte meine Familie schützen“

Ob Jens Spahn mit den heftigen Reaktionen gerechnet hat? Auf jeden Fall wollte er den „Sturm“ erst einmal aussitzen. Sein Plan: „Ich stelle mich der Debatte. Ich muss nur die Balance schaffen. (...) Es ist und bleibt was sehr Privates. Ich möchte meine Familie schützen“, erklärte er gegenüber Bild. Und dann: „Ich werde die Frage, wie es weitergeht, mit der Fraktion natürlich erörtern, wenn wir uns im September wiedersehen.“

Doch so viel Zeit blieb ihm nicht. „Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt“, schrieb Jens Spahn an die CDU-CSU-Bundestagsfraktion. Und weiter: „Der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte.“ Und dann betont er: „Eines ist mir in den letzten Tagen immer klarer geworden: Meine Familie ist mir das wichtigste.“

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