„Tiere lügen nicht … aber Menschen schon“: Timmy-Tierärztin rechnet mit der Rettungsmission ab
Immer mehr Helfer verlassen die Rettungsmission von Buckelwal Timmy. Dabei geht es weniger um fehlende Hoffnung, sondern eher um Ärger über Planung, Kommunikation und Egoismus-Vorwürfe.
Die Rettung von Buckelwal Timmy vor Poel ist längst nicht mehr nur eine Tierrettung, sondern auch ein Streit um Zuständigkeiten, Eitelkeiten und Vertrauen. Inmitten der Eskalation hat die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin Dr. Jenna Wallace die Wal-Helfer wutentbrannt verlassen und auf Facebook hart mit der Mission abgerechnet.
Zoff im Wal-Team
Am Montag kam es zunächst zu einem medizinischen Notfall innerhalb des Teams der Wal-Helfer; die Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde per Hubschrauber in die Uni-Klinik Rostock geflogen, der Vorfall stand aber nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Wal. Gleichzeitig zogen sich die Boote aus der Rettungszone zurück, der Schlepper „Robin Hood“ kehrte nach Wismar zurück und Timmy musste eine weitere Nacht in der Bucht von Poel verbringen.
Schon vorher war die Stimmung im Team gekippt. Wallace, die von den Millionären extra aus Hawaii eingeflogen worden war, verließ die Helfer nach einem heftigen Streit. Auch die Pressesprecherin Christiane von Gregory trat zurück und begründete das mit Entwicklungen und Dynamiken vor Ort, die nicht mehr zu den eigenen Grundwerten passten.
„Animals over ego“
In ihrem Facebook-Post zeichnet Jenna Wallace ein deutliches Gegenbild zu der offiziellen Kommunikation vor Ort. Sie schreibt, sie sei vier Tage bei Hope/Timmy gewesen und habe den Eindruck gehabt, das Tier habe eine Chance. Besonders scharf rechnet sie mit zwei Männern ab, die ihrer Darstellung nach durch Selbstdarstellung und Missachtung von Anweisungen die Rettung behindert hätten.
Ihre Worte sind ungewöhnlich deutlich. Sie schreibt: „Animals over ego“ und: „Animals don’t lie … but people do.“ Auf Deutsch heißt das: Tiere lügen nicht … aber Menschen schon. Wallace erklärt außerdem, sie habe sich bewusst zurückgehalten, um keine zusätzliche Medien-Dynamik zu erzeugen und den Minister nicht dazu zu bringen, die Aktion zu stoppen. Als die Rettung aus ihrer Sicht in die falsche Richtung lief, habe sie sich schließlich entschieden, abzureisen – nicht zuletzt, um ihre eigene berufliche Existenz nicht zu gefährden.
Kritik an der Rettungsstrategie
Wallace kritisiert vor allem, dass der ursprüngliche Plan aus ihrer Sicht zu langsam gewesen sei und den Wal sowie Menschen gefährden könne. Sie schreibt, sie habe das Team angewiesen, Timmy nach Belastung ruhen zu lassen, doch diese Anweisung sei ignoriert worden. Besonders hart fällt ihre Kritik an TikTok-Influencer „danny.firstclass“ aus; er habe ihrer Darstellung nach eher gefilmt und sich selbst inszeniert, statt Timmy gezielt aus der gefährlichen Lage zu führen. Dabei soll der Propeller seines Boots sogar fast Timmy Schwanzflosse getroffen haben.
Auch die Rolle von Sergio Bambaren, den Gunz öffentlich als Wal-Spezialisten beschreibt, sei aus Wallaces Sicht problematisch gewesen. Sie sagt, der Einsatzleiter und Bambaren hätten mehrfach Entscheidungen blockiert oder die Situation verschärft, statt die Tiere zu schützen. Wallace betont, sie habe auf den Einsatz von mehr Booten gedrängt und erklärt, dass Dr. Anna und Dr. Janine nach ihrer Einschätzung sofort auf die ersten Boote gehört hätten.
Die Rettung stockt weiter
Während im Hafen Demonstrierende, Camper und Medienschaffende auf den nächsten Fortschritt warten, bleibt die Rettung über Tage zäh. Luftkissen, Netze und Pontons sind Teil des Plans, Timmy aus dem Schlick in Richtung Nordsee zu bringen, doch die Aktion gerät immer wieder ins Stocken.
Auch Umweltminister Till Backhaus zeigt sich erschöpft und emotional mitgenommen. Was im Netz und vor Ort an Anfeindungen und Gruppierungen passiert, mache etwas mit ihm und müsse erst verarbeitet werden.
Wallaces Abrechnung verstärkt den Eindruck einer Mission, die längst von Konflikten überlagert wird. Ihre zentrale Botschaft ist klar: Im Zweifel müsse das Tier vor Eitelkeiten geschützt werden, selbst wenn das bedeute, sich gegen das eigene Team zu stellen. Sie schreibt, sie habe Robert Marc Lehmann zurückholen wollen, dieser komme aber aus ähnlichen Gründen nicht zurück.











