Die Zahl der Buckelwale nimmt zu

Timmy-Nachfolger? Neuer Buckelwal in Not: Wie handelt Deutschland diesmal?

Ein Buckelwal nähert sich der Flensburger Förde – und weckt böse Erinnerungen an das Drama um „Timmy“.

Buckelwal „Hartwin“ in der Ostsee.
Ob „Hartwin“ die deutschen Herzen auch erobern wird? Foto: Stranded No More
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Kaum ist das wochenlange Bangen um Buckelwal „Timmy“ vergessen, sorgt ein neuer Meeressäuger für Unruhe an der deutsch-dänischen Küste. Tierschützer der Organisation „Stranded No More“ verfolgen seit Monaten einen Buckelwal, den sie auf den Namen „Hartwin“ getauft haben – und der sich zuletzt besorgniserregend nah an der Flensburger Förde befand.

Eine monatelange Reise durch halb Europa

Erste Sichtungen von „Hartwin“ gab es bereits Mitte Januar in der Nähe der holländischen Küste. Anhand seiner markanten Rückenpartie wurde das Tier seitdem immer wieder identifiziert – im Mai nahe den Lofoten, kurz darauf bei Schottland, England und erneut den Niederlanden.

Seit Juni bewegt sich der Wal entlang der dänischen Küste und scheint damit in die Ostsee abgebogen zu sein. Am 20. Juni wurde er am Lillebælt gesichtet, einen Tag später im Årøsund, drei Tage darauf nahe Apenrade. Ende Juni und Anfang Juli folgten Sichtungen rund um Sonderburg – und zuletzt, am 5. Juli, bereits im Egernsund, also mitten in der Flensburger Förde.

Der Kappelner Wal-Experte Andreas Pfander ordnet die Route des Tieres ein: „Der Wal ist zuvor schon durch halb Europa geschwommen. Ungewöhnlich ist, dass er durch den Kleinen Belt und nicht durch den Öresund geschwommen ist. Buckelwale schwimmen normalerweise durch den Öresund und weiter in die zentrale Ostsee und die baltischen Staaten.“

Gesund oder krank? Experten uneinig

Der Gesundheitszustand des etwa 15 Meter langen Tieres ist unter Fachleuten umstritten. Während einige Berichte von einem kräftigen, nicht zu alten Wal sprechen, warnen andere vor deutlich erkennbaren Hautveränderungen – ähnlich wie einst bei „Timmy“. Eine helle Färbung kann auf einen schweren Parasitenbefall oder abgestorbene Hautschichten hinweisen. Der dänische Walexperte Carl Kinze lässt auf der Website von „Stranded No More“ beide Möglichkeiten offen: Es könnte sich sowohl um einen Pilzbefall als auch um ein natürliches Wachstumsmuster handeln. Die Mehrheit der Experten, die sich öffentlich geäußert haben, tendiert jedoch zu einer ernsteren Einschätzung.

Auch Pfander bleibt vorsichtig: „Auf den ersten Bildern schien insbesondere der Blas etwas schwach. Nach einer Videosequenz aus Egernsund scheint er sich aber erholt zu haben.“

Hinzu kommen Berichte, wonach „Hartwin“ sich deutlich langsamer bewegt und zunehmend flache, enge Gewässer aufsucht – ein Warnsignal, das Experten kennen: Erschöpfte Wale weichen oft in Küstennähe aus, um Energie zu sparen. Damit steigt jedoch die Gefahr einer Strandung erheblich.

Dass sich derartige Sichtungen häufen, könnte einen erfreulichen Hintergrund haben: Die weltweite Population der Buckelwale hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erholt. Mit wachsenden Beständen weiten sich die Reviere der Tiere aus – und auf Nahrungssuche gelangen sie zunehmend in Gewässer wie die Ostsee, die für sie eigentlich ungewohnt flach und eng sind.

Für Tierschützer bleibt die Hoffnung, dass „Hartwin“ – anders als manch sein Vorgänger – rechtzeitig den Weg zurück in offenere Gewässer findet. Ob und wie Deutschland im Ernstfall eingreift, dürfte die Öffentlichkeit genau beobachten.

Quellen