Madame MoneypennyTipps für die Gehaltsverhandlung & Co.: Das sagt Finanzbloggerin Natascha Wegelin

Was sind ETFs?

ETFs sind Aktienfonds. Es gibt aktive und passive Fonds. Aktive Fonds sind relativ teuer. ETFs sind sogenannte passive Fonds. Das Konstrukt funktioniert so, dass ganz viele einzelne Aktien, zum Beispiel von Facebook, Apple, Microsoft, Lufthansa und so weiter, in einem Korb gebündelt werden, ich muss sie also nicht einzeln kaufen. Stattdessen kaufe ich mir einen Anteil an diesem Korb, an diesem ETF, und investiere, zum Beispiel, meine monatliche Sparrate von 100 Euro in diesen Korb. Ich muss mir nichts einzeln zusammensammeln und auch nicht hin und her verkaufen, da geht es um ein passives Investieren: einmal aufsetzen und dann laufen lassen. Erst wenn ich in Rente gehen möchte, muss ich nochmal tätig werden. Für Privatanlegerinnen, die keine Lust haben den ganzen Tag am Laptop zu sitzen und irgendwelche Aktien hin und her zu verkaufen, ist das ein schönes Produkt.

Wenn ich über Aktien mit anderen sprechen, kommt häufig der Einwand, dass das doch viel zu risikoreich wäre und ob ich nichts von den Leuten gehört hätte, die tausende Euro an der Börse verloren haben. Ein bisschen risikofreudig muss ich bei dieser Form des Investments schon sein, oder?

Man muss sich schon dessen bewusst sein, dass das Geld jetzt nicht irgendwo auf einem Bankkonto liegt und es schlagartig weniger wert sein kann. Aber auf dem Bankkonto wird das Geld ja auch ständig weniger wert durch die Inflation, dieses Risiko ist auf jeden Fall schon einmal sicher. Aber klar, Rendite kommt ja auch von Risiko. Je mehr Risiko ich eingehe, desto mehr Rendite kann ich auch erwarten. Aktien sind aber nicht per se enorm risikoreich. Da muss man immer schauen, in welche Aktien, in welche ETFs, ich investiere. Breit investieren, lange halten, Krisen aussitzen: Es gibt ein paar Grundregeln, die man natürlich kennen muss. Ansonsten passiert nämlich genau das, was du erzählt hast:  “Oh, jemand hat Geld an der Börse verloren.” Aber die Börse macht mit deinem Geld gar nichts. Du investierst es, du triffst die Entscheidungen und wenn man ein paar Grundregeln kennt, kann man sehr fundierte und souveräne Entscheidungen treffen. Geld ist ja auch nicht weg und verschwindet nicht einfach in den Erdboden. Wenn es mal zu einer Krise kommt und zu denen kommt es ja regelmäßig, was auch okay ist, dann muss ich einfach wissen, was ich da zu tun habe, nämlich gar nichts und einfach zu warten bis die Krise wieder vorbei ist.

Wie sieht es denn mit Frauen aus, die lange in Elternzeit waren und danach vielleicht reduzierte Stunden arbeiten, um sich um die Kinder bzw. Familie zu kümmern. Wie kann da die private Altersvorsorge aussehen? Da sieht es mit der Rentenlücke ja wahrscheinlich noch etwas schlimmer aus.

Im besten Fall ist es schon in der Elternzeit oder Teilzeit so gelaufen, dass der Mann, Vater oder die andere Mama einen Ausgleich gezahlt hat für die Zeit, in der ich zu Hause war, das Kind gehütet habe, den Haushalt geschmissen habe und noch dreizehntausend andere Dinge gemacht habe, aber eben nicht für Geld gearbeitet habe. Wie du schon sagst, kann ich in der Zeit nicht in meine Altersvorsorge einzahlen. Deshalb ist dieser Ausgleich so wichtig. Und ansonsten greifen die selben Mittel, wie bei allen anderen: Versicherungen und privater Vermögensaufbau. Obwohl es dann natürlich schwieriger werden kann, wenn ich weniger verdiene und keinen Ausgleich bekomme. Deshalb am besten vorher überlegen, wie lange man Pause machen möchte und warum ich das überhaupt mache und nicht der Papa.

Mehr: Arbeiten nach der Elternzeit: Warum es härter ist, als ich dachte

In diesem Fall ist die Kommunikation mit dem Partner wahrscheinlich essentiell. Sich zusammen hinsetzen, einen Finanzplan aufsetzen und so weiter.

Ganz genau, und das am besten vorher, um dann gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Meiner Meinung nach ist das auf jeden Fall ein Thema, das eine Frau ansprechen muss in einer Partnerschaft. “Wie wollen wir das denn überhaupt machen?” Und da ist natürlich wieder verhandeln und für sich einstehen sehr wichtig, so dass es erst gar nicht zu so einer Abhängigkeit und finanziellen Verschiebung kommt - so weit wie das eben möglich ist. Klar, wenn ich Geld von meinem Partner bekomme, ist das auch eine gewisse Abhängigkeit, aber dann habe ich das Geld auf meinem eigenen Konto und nicht nur ein gemeinsames Konto und keiner weiß, wofür das eigentlich draufgeht.

Die Themen, die du in deinem Podcast und auf deinem Blog anschneidest, sind ja eigentlich wirtschaftliche Grundlagen. Glaubst du, dass das in der Schule zu kurz kommt?

Ja, absolut. Das ist ein Thema, das meines Wissens nach gar nicht thematisiert wird. Wenn man Glück hat, ist ein bisschen Wirtschaft dabei, bei mir gab es das aber nicht. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind aber nur das Eine. Eigentlich muss es auch ein Schulfach geben, das “Umgang mit Geld” heißt oder so. Wie funktioniert Geld? Wie gehe ich damit um? Wo lauern die Gefahren? Dispo heißt zum Beispiel nicht, ich habe 2.000 Euro mehr zur Verfügung. Schulden sind teuer. Vielleicht auch “Das kleine Einmaleins der Geldanlage”. Generell liegt die Verantwortung natürlich bei den Eltern. Aber das Problem ist leider, dass die Eltern es auch nicht besser wissen …

Vielen Dank für das Gespräch!

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