„Vertrau mir“ auf Netflix: Die dunkle Wahrheit des Samuel Bateman
Er versprach Erlösung – und hinterließ zerstörte Kindheiten. In „Vertrau mir: Der falsche Prophet“ rekonstruiert Netflix den Aufstieg und Fall von Samuel Bateman.
Eine abgeschottete Glaubensgemeinschaft, ein charismatischer Anführer – und junge Mädchen, die ihm schutzlos ausgeliefert waren: Die vierteilige Netflix-Dokumentation „Vertrau mir: Der falsche Prophet“ rollt einen der erschütterndsten Fälle religiösen Machtmissbrauchs der vergangenen Jahre auf. Im Mittelpunkt steht Samuel Rappylee Bateman, ein selbsternannter „Prophet“, der eine radikale Abspaltung der FLDS-Sekte anführte – mit dramatischen Folgen für zahlreiche Minderjährige.
Das Machtvakuum nach Warren Jeffs – und Batemans Aufstieg
Die Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS) geriet bereits 2011 international in die Schlagzeilen, als ihr Anführer Warren Jeffs wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Zurück blieb eine zutiefst verunsicherte Gemeinschaft in Short Creek, bestehend aus Colorado City (Arizona) und Hildale (Utah). Genau hier setzte Bateman an. Laut Gerichtsunterlagen begann er ab 2019, eine eigene Gefolgschaft aufzubauen und präsentierte sich als neuer geistlicher Führer. Ermittler sprechen von einem Netzwerk, das sich über Arizona, Utah, Colorado und Nebraska erstreckte. Medienberichten zufolge nahm Bateman mehr als 20 „Ehefrauen“, darunter mindestens zehn minderjährige Mädchen.
Kontrolle durch Glauben und systematische Ausbeutung
Wie die Doku zeigt, nutzte Bateman religiöse Rhetorik, Isolation und psychischen Druck, um seine Anhänger gefügig zu machen. Laut Anklage zwang er Mädchen im Alter von teils nur neun Jahren zu sexuellen Handlungen – sowohl mit ihm als auch mit anderen Männern. Die Staatsanwaltschaft schilderte, dass Bateman Minderjährige über Staatsgrenzen hinweg transportieren ließ, um die Taten zu ermöglichen. Zudem soll er laut FBI Frauen und Kinder aus ihren Familien „übernommen“ und sie als seine Ehefrauen beansprucht haben. Besonders schockierend: Nach seiner ersten Festnahme im August 2022 – ausgelöst durch eine Verkehrskontrolle, bei der Beamte kleine Finger in einem Anhänger entdeckten – wurden mehrere Kinder in staatliche Obhut gegeben. Acht von ihnen verschwanden später aus der Pflegefamilie und wurden Hunderte Kilometer entfernt im Bundesstaat Washington aufgefunden.
Undercover gegen den „Propheten“
Einen zentralen Part in der Netflix-Doku spielen Christine Marie und ihr Ehemann Tolga Katas. Das Paar dokumentierte über Monate hinweg das Geschehen in Short Creek. Laut Berichten wurden entscheidende Hinweise und Aufnahmen schließlich an Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Im September 2022 wurde Bateman erneut festgenommen. Im April 2024 bekannte er sich schuldig: unter anderem wegen Verschwörung zum Transport Minderjähriger zu sexuellen Zwecken und wegen Entführung.
Das Urteil: 50 Jahre Haft für Bateman
Am 9. Dezember 2024 wurde Samuel Rappylee Bateman von einem Bundesgericht in Arizona zu 50 Jahren Haft verurteilt, zusätzlich zu lebenslanger Bewährungsaufsicht nach Verbüßung der Strafe. Angesichts seines Alters (er ist Jahrgang 1976) kommt dieses Strafmaß faktisch einer lebenslangen Freiheitsstrafe gleich. Auch mehrere seiner erwachsenen „Ehefrauen“ sowie männliche Mitangeklagte wurden in Zusammenhang mit dem Missbrauchs- und Entführungskomplex verurteilt.
Wo sind die Opfer des „Propheten“ heute?
Die betroffenen Mädchen stehen weiterhin unter staatlichem Schutz. Ihre Aussagen sowie umfangreiche digitale Beweise waren entscheidend für die Verurteilung. Ermittler betonten, dass ohne „ein paar mutige Menschen“, die Hinweise gaben, das System um Bateman womöglich noch weitergewachsen wäre.











