Wo der Sturm uns findet
Als sich über den Gipfeln dunkle Wolken zusammenzogen, ahnte keiner von ihnen, dass der aufziehende Sturm mehr entfesseln würde als nur den Regen.
Dicke, schwere Wolken hingen über den Gipfeln, als Andrea stehen blieb und die Hände in die Hüften stemmte.
„Sag mir bitte, dass dein ach so zuverlässiger Wetterbericht keinen Regen angekündigt hat“, rief sie gegen den auffrischenden Wind an.
Richard drehte sich zu ihr um, die Stirn leicht gerunzelt. „Hat er nicht. Zwanzig Grad, leichter Wind, sonnige Abschnitte. Ganz entspannt.“
„Ganz entspannt“, wiederholte sie trocken und deutete auf das drohende Grau über ihnen.
Sie waren seit drei Tagen in den Alpen. Richards Idee. „Tapetenwechsel“, hatte er gesagt. Andrea hatte gezögert. Sie liebte das Meer, weiten Sand, Salz auf der Haut. Doch sie hatte eingewilligt – auch, weil sie spürte, wie sehr er diesen Urlaub brauchte.
Jetzt stapften sie nebeneinander über den schmalen Wanderweg, beide außer Atem, beide schweigend. Zwischen ihnen hing etwas Ungesagtes. Vielleicht war es die Anstrengung. Vielleicht mehr.
Der erste Donner grollte tief und langgezogen.
Andrea blieb abrupt stehen. „Ich hab ehrlich gesagt keine Lust, hier oben vom Blitz getroffen zu werden.“
„Da vorne müsste eine alte Almhütte sein“, sagte Richard und zeigte den Hang hinauf. „Ich hab sie auf der Karte gesehen.“
„Na dann los“, murmelte sie.
Richard beobachtete, wie transparent der Stoff ihrer Bluse geworden war
Der Regen setzte ein, erst zaghaft, dann wie aus Kübeln. Innerhalb weniger Sekunden waren ihre Haare klatschnass, ihre Kleidung klebte an der Haut. Andreas dünne Bluse sog sich voll Wasser, schmiegte sich an ihre Brüste, zeichnete jede Kontur nach. Richard versuchte, nicht hinzusehen – und scheiterte kläglich.
Als sie endlich die Hütte erreichten, drückte er die schwere Holztür auf. Es roch nach Heu, nach Holz, nach vergangenem Sommer. Sie stolperten hinein, außer Atem, tropfend.
Andrea lachte plötzlich. „Ganz entspannt, ja?“
Er fuhr sich durch die nassen Haare. „Okay. Vielleicht hab ich mich minimal verschätzt.“
Der Regen prasselte laut auf das Dach. Drinnen war es dämmrig. Andrea stellte ihren Rucksack ab und begann, ihre Haare auszuwringen. Wasser tropfte auf den Holzboden.
Richard beobachtete sie. Wie die Bluse transparent geworden war. Wie sich ihre Brustwarzen unter dem kalten Stoff abzeichneten. Wie ihr Atem noch immer schnell ging.
Sie bemerkte seinen Blick. Ihre Augen trafen sich.
Für einen Moment war da nur das Trommeln des Regens.
„Was?“, fragte sie leise.
Er trat einen Schritt näher.
Der Ärger von eben – der kleine Streit, das Genervtsein – löste sich in etwas anderes auf. Etwas Wärmeres. Intensiveres.
Er hob die Hand, zögerte einen Augenblick – als wolle er ihr die Möglichkeit geben, zurückzuweichen. Sie tat es nicht. Stattdessen trat sie selbst einen halben Schritt auf ihn zu.
Seine Finger strichen über ihren Arm, glitten hinauf zu ihrer Schulter. Die nasse Bluse kühlte seine Haut, doch darunter spürte er ihre Wärme.
Er küsste sie – erst vorsichtig, fast prüfend. Ihre Lippen waren kühl vom Regen, doch ihr Kuss erwiderte seinen sofort, fordernd. Ihre Hände glitten unter sein durchnässtes Shirt, spürten die Wärme seines Körpers darunter.
Er zog sich das Shirt über den Kopf, warf es achtlos zur Seite. Regentropfen perlten noch auf seiner Brust. Andrea ließ den Blick langsam über ihn wandern, und in ihren Augen lag plötzlich nichts mehr von Müdigkeit oder Gereiztheit – nur noch Verlangen.
„Komm her“, flüsterte sie.
Er zog sie an sich. Ihre nasse Bluse klebte zwischen ihnen, störte. Er begann, die Knöpfe zu öffnen. Sie half ihm, ihre Finger zitterten leicht – nicht vor Kälte.
Als der Stoff zu Boden fiel, stand sie nur noch in nasser Jeans vor ihm. Ihre Haut war von Gänsehaut überzogen. Richard ließ die Hände über ihre Seiten gleiten, über ihre Taille, hinauf zu ihren Brüsten. Er umfasste sie sanft, spürte, wie sie unter seiner Berührung härter wurden.
Andrea schloss die Augen und atmete tief ein. „Sei nicht vorsichtig“, hauchte sie.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht als er ihre nasse Jeans und ihren Slip abstreifte. Seine Küsse wanderten von ihrem Hals zu ihrem Schlüsselbein, weiter hinab. Seine Zunge zeichnete Kreise um ihre Brustwarzen, bis sie leise aufstöhnte.
Draußen krachte ein Blitz.
Drinnen wurde es heiß.
Andrea öffnete seine Hose, schob sie mitsamt der nassen Unterwäsche hinunter. Ihre Hand schloss sich um ihn, spürte, wie hart er bereits war. Ein dunkles Stöhnen entwich seiner Kehle.
„Du machst mich verrückt“, murmelte er.
Er hob sie hoch, als wöge sie nichts, und setzte sie auf einen stabilen Holztisch in der Mitte der Hütte. Ihre Beine schlangen sich instinktiv um seine Hüften. Sie küssten sich wieder – diesmal ohne Zurückhaltung, ihre Zungen spielten miteinander, ihre Körper pressten sich aneinander.
Schnell und gierig fanden sie einen Rhythmus.
Sein Blick wurde dunkler. „Andrea…“
Sie zog ihn noch enger an sich.
Er löste sich ein wenig von ihr und strich mit den Fingern zwischen ihre Beine, spürte ihre Wärme, ihre Feuchtigkeit. Ein Keuchen entwich ihr. Seine Berührungen und Bewegungen wurden bestimmter, seine Finger und sein Körper fanden ihren Rhythmus. Ihr Kopf fiel in den Nacken, ihre Hände krallten sich in seine Schultern.
„Mehr“, flehte sie fast
„Mehr“, flehte sie fast.
Der Regen schien lauter zu werden. Oder vielleicht war es nur das Blut, das in ihren Ohren rauschte.
Er nahm sich Zeit, ließ sie beben, ließ sie fast kommen – nur um kurz innezuhalten und neu zu beginnen. Andrea griff in sein Haar, führte ihn, ihre Hüften bewegten sich ihm entgegen.
Der Rhythmus wurde schneller. Tiefer. Der Tisch knarrte unter ihren Bewegungen. Ihre Körper fanden einen gemeinsamen Takt, als hätten sie nie etwas anderes getan.
„Richard… ich…“
„Sieh mich an“, flüsterte er.
Sie tat es. Ihre Augen hielten sich fest, während ihre Körper eins wurden. Keine Spur mehr von Streit oder Distanz. Nur noch Nähe. Nur noch dieses Brennen, das sie beide erfasst hatte.
Er sah sie an, ohne aufzuhören. Ihr Blick war glasig, ihre Lippen geöffnet. Noch ein gezielter Druck, noch eine kreisende Bewegung – und sie zerbarst unter ihm. Ihr Körper spannte sich an, ein langer, kehliger Laut entwich ihr, während Wellen der Lust durch sie hindurchrollten.
Er hob sie vom Tisch, ohne sich aus ihr zurückzuziehen, trug sie ein paar Schritte zu einem weichen Feldbett und legte sie darauf. Die Matratze raschelte unter ihnen, der Duft von Sommer mischte sich mit ihrem Schweiß.
Sie drehte sich unter ihn, nahm nun selbst das Tempo vor. Ihre Hüften bewegten sich kraftvoll, fordernd. Richard stöhnte ihren Namen, verlor sich in ihr.
Der zweite Höhepunkt traf sie gemeinsam. Ihre Körper spannten sich an, ihre Stimmen vermischten sich mit dem Donner draußen. Es war, als würde der Sturm in ihnen weiterwüten.
Erschöpft sanken sie auf die Matratze.
Der Regen ließ langsam nach. Statt des Trommelns hörte man nur noch vereinzelte Tropfen.
Andrea lag auf seiner Brust, zeichnete mit den Fingern Muster auf seine Haut. „Vielleicht sind Berge doch nicht so schlecht“, murmelte sie.
Er lachte leise. „Doch ganz schön, oder?“
Sie hob den Kopf, küsste ihn sanft. Ganz anders als zuvor – langsamer, tiefer, vertrauter.
„Danke, dass du mich mitgeschleppt hast“, sagte sie.
„Danke, dass du geblieben bist.“
Draußen brach die Sonne durch die Wolken und tauchte die Hütte in goldenes Licht. Ihre nassen Sachen lagen vergessen in der Ecke.
Und während der Sturm sich verzog, wussten sie beide, dass dieser Tag ihnen noch lange in Erinnerung bleiben würde – nicht wegen des Sturms. Sondern wegen des Feuers, das sie inmitten des Gewitters neu entfacht hatten.









