Ungewollt schwangerAbtreibung: 5 Fragen & Antworten zum Schwangerschaftsabbruch

Abtreibung ist ein wichtiges Thema, über das immer noch geschwiegen wird. Schluss damit: Diese Dinge sollte jede Frau über einen Schwangerschaftsabbruch wissen.

Inhalt
  1. Wann darf ich abtreiben?
  2. Was kostet eine Abtreibung?
  3. Was passiert genau bei einer Abtreibung?
  4. Muss ich mich für einen Schwangerschaftsabbruch rechtfertigen?
  5. Kann man durch eine Abtreibung unfruchtbar werden?

Es gibt kaum etwas Persönlicheres als eine Schwangerschaft. Trotzdem wird viel darüber geredet - allerdings nur so lange alles in Norm verläuft. Heißt: Das Kind ist gewollt, die Mutter gesund und glücklich. Doch was, wenn man schwanger wird, das Kind aber nicht bekommen will oder kann? So schön sie auch sein mag, eine Schwangerschaft kann den Lebensentwurf auch ganz schön durcheinander bringen. Wenn eine Frau daran denkt abzutreiben, fühlt sie sich häufig alleine. Zu wenig wird über die Möglichkeiten und vor allem die Details gesprochen. Wir haben Antworten auf die Fragen, die Frauen sich stellen, wenn sie vor dieser schwierigen Entscheidung stehen.

 

Wann darf ich abtreiben?

Eine Schwangerschaft darf in Deutschland bis zur zwölften Woche abgebrochen werden. Die zwölf Wochen gelten zwischen dem Datum der Befruchtung und dem Tag des Schwangerschaftsabbruchs.

Wer ungewollt schwanger geworden ist und eine Abtreibung in Erwägung zieht, sollte jedoch bedenken, dass diese nicht von heute auf morgen geschieht. In Deutschland gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Beratung. Der Abbruch darf erst am vierten Tag nach dem Gespräch erfolgen. Die Frist soll dazu dienen, dass die Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung gut überlegt ist.

Bei Pro Familia kann man eine Schwangerschaftskonfliktberatung in der Nähe suchen, bei der man in der Regel auch zeitnah einen Termin bekommt. Erst mit der Bescheinigung und eingehaltener Frist darf ein Gynäkologe die Abtreibung durchführen.

 

Was kostet eine Abtreibung?

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die eigentliche Abtreibung nicht, aber für die Gesundheitsleistungen vorher und nachher – wie die Beratung, Medikamente oder Komplikationsbehandlungen.

Bei einem geringen Einkommen kann jedoch vor Abbruch ein Antrag auf die Kostenübernahme gestellt werden. Dabei zählt lediglich das Vermögen, die Entscheidung zur Abtreibung muss nicht gerechtfertigt werden!

Ausnahmen sind Schwangerschaften nach Vergewaltigungen oder die Gefährdung der Gesundheit der Mutter – in solchen Indikationsfällen kommt die gesetzliche Krankenkasse für die Kosten auf. 

Aber mit wie viel Geld muss man bei einer Abtreibung rechnen? Die Höhe der Summe ist von Arzt zu Arzt unterschiedlich, durchschnittlich kostet ein Schwangerschaftsabbruch nach Angaben von Pro Familia zwischen 200 und 570 Euro.  

 

Was passiert genau bei einer Abtreibung?

Eine ungewollte Schwangerschaft wirft viele Fragen auf. Wie geht es weiter?
Eine ungewollte Schwangerschaft wirft viele Fragen auf. Wie geht es weiter?
Foto: iStock

In Deutschland gibt es zwei Möglichkeiten, eine Schwangerschaft abzubrechen: Die instrumentelle und die medikamentöse Methode. Sind seit der Befruchtung weniger als neun Wochen vergangen, liegt die Entscheidung ganz bei der Frau selbst. Nach der neunten Woche ist der Abbruch mithilfe der sogenannten Abtreibungspille nicht mehr möglich.

Medikamentöser Abbruch mit Mifegyne

Mifegyne heißt das Medikament, das umgangssprachlich als Abtreibungspille bekannt ist. Dabei handelt es sich um ein künstliches Hormon, das das körpereigene Progesteron blockiert und damit die Schwangerschaftsentwicklung unterbricht. Das Medikament ist daher nur bis zum 64. Tag nach Beginn der letzten Periode wirksam.

So läuft die medikamentöse Abtreibung ab:

Mifegyne wird unter ärztlicher Aufsicht eingenommen, fühlt man sich jedoch gut, darf man die Praxis verlassen. Es bleibt allerdings nicht bei Mifegyne, dazu wird ein weiteres Medikament – Prostaglandin - verabreicht, meist zwei Tage später,  um das befruchtete Ei auszustoßen. Danach muss man etwas drei Stunden in der Praxis bleiben, in denen es häufig bereits zu Blutungen und damit zum Abbruch kommt. 

Damit ist die Abtreibung in 96 Prozent der Fälle beendet. Die Blutungen können jedoch noch längere Zeit anhalten. Da der Wirkstoff den Hormonhaushalt stark durcheinander bringt, können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufprobleme auftauchen. In seltenen Fällen, wenn das Schwangerschaftsgewebe nicht vollständig ausgestoßen wurde, ist ein zusätzlicher Eingriff nötig – das kontrolliert der Gynäkologe jedoch spätestens 14 Tage nach dem Abbruch.

Unterschied: Abtreibungspille und Pille danach

Häufiger Verwechslungsfehler: Mifegyne ist nicht gleichzusetzen mit der „Pille danach, die je nach Wirkstoff nur bis zu 120 Stunden nach dem ungeschützten Sex wirksam ist. Die „Pille danach“ ist zudem rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und sollte so schnell wie möglich eingenommen werden, am effektivsten wirkt sie innerhalb der ersten 12 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr. Im Unterschied zur Abtreibungspille kommt es mit der "Pille danach" gar nicht erst zu einer Schwangerschaft. Der Eisprung wird durch die "Pille danach" verschoben, wodurch Eizelle und Spermium nicht aufeinandertreffen und somit keine Befruchtung stattfinden kann.  

Instrumenteller Abbruch

Die Alternative zur Abtreibungspille ist ein kleiner Eingriff, der unter Narkose oder örtlicher Betäubung vorgenommen wird. Die Schwangerschaft wird meist über die Absaugmethode, seltener mit einer Ausschabung abgebrochen.

Keine Sorge: Ins Krankenhaus muss man dafür in der Regel nicht, die Abtreibung wird ambulant vorgenommen und man kann nach ein bis zwei Stunden wieder gehen, sollte sich jedoch noch einige Zeit schonen. Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen und Blutungen, in seltenen Fällen kann es zu Entzündungen kommen, weshalb die erste Zeit nach dem Eingriff sehr auf Hygiene geachtet und Tampons oder Binden vermieden werden sollten. Nach zehn Tagen folgt eine Nachuntersuchung.

 

Muss ich mich für einen Schwangerschaftsabbruch rechtfertigen?

Viele Frauen gehen mit Unbehagen zu der vorgeschriebenen Beratung. Doch obwohl der Name „Pro Familia“ Gegenteiliges vermuten lässt, wird keine Frau bei einer Konfliktberatung in eine Richtung gedrängt – weder das Kind zu behalten, noch abzutreiben. Auch ist man nicht verpflichtet, die Ansprechpartnerin vor Ort davon zu überzeugen, wieso man eine Abtreibung für sinnvoll hält oder sich für seine Entscheidung zu rechtfertigen.

Vielmehr soll die Beratung dazu dienen, die Gedanken der Frau zu ordnen und dabei helfen, die persönlich bestmögliche Entscheidung zu treffen. Diese liegt letztendlich gänzlich bei einem selbst. Eine ungewollte Schwangerschaft stellt eine Belastung dar – die Beratung soll dazu dienen, die Frau von negativen Gefühlen und Gedanken zu erleichtern und sie auf ihrem Weg zu unterstützen. Da ein Schwangerschaftsabbruch auch mit psychischen Nebenwirkungen einhergehen kann, sind die Beratungsstellen nicht nur vor, sondern auch nach der Entscheidung für die Frau da.

 

Kann man durch eine Abtreibung unfruchtbar werden?

Die Risiken eines Schwangerschaftsabbruchs hängen von der Methode ab.

Ein Eingriff ist nie ohne Risiken. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, unfruchtbar zu werden, äußerst gering. Bei einer Absaugung oder Ausschabung kann es passieren, dass Gewebe verletzt wird. Sollte dies passieren, ist die Gebärmutter zukünftig empfindlicher – auch in einer späteren Schwangerschaft. Dadurch kann das Risiko für eine Frühgeburt auf 8,7 Prozent und mit jeder Abtreibung weiter steigen. Sollte die Verletzungen zu Verklebungen führen, kann auch das Risiko einer Fehlgeburt steigen.

Auch wer mithilfe von Medikamenten abtreibt, muss mit Nebenwirkungen rechnen – schließlich ist es ein massiver Eingriff in den Hormonhaushalt – aber die Fruchtbarkeit wird davon nicht bedroht. Trotzdem berichten viele Frauen über psychische Nachwirkungen, weshalb eine Begleitung von Freunden, Familien oder aber auch professioneller Hilfe sehr wichtig ist. 

Auch wenn die Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch letztendlich bei jeder Frau selbst liegt, sollte sie eins wissen: Allein ist sie mit diesem Schritt trotzdem nie. Selbst wenn einem das Thema zu intim ist, um mit Freunden oder Familie darüber zu sprechen, gibt es Beratungsstellen, die genau für so eine Situation gemacht sind und in denen Menschen sitzen, die gerne helfen und vor allem zuhören.

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(ww4)

 

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