Intime Schönheits-OPSchamlippenverkleinerung: Warum Frauen eine Barbie-Vagina wollen

Frauen lassen sich die Schamlippen verkleinern - alles für eine Barbie-Vagina.
Frauen lassen sich die Schamlippen verkleinern - alles für eine Barbie-Vagina.
Foto: iStock
Inhalt
  1. Was ist eine Barbie-Vagina überhaupt?
  2. Wieso lassen sich Frauen an den Schamlippen operieren?
  3. Wie stehen Gynäkologen zu Schamlippenverkleinerungen?

Es gibt sie - Frauen, die sich für eine Schamlippenverkleinerung entscheiden. Woher kommt der Trend zur Barbie-Vagina? Und was sagt ein Gynäkologe zu Schamlippen-Operationen?

 

Was ist eine Barbie-Vagina überhaupt?

Über 95.000 Eingriffe wurden laut Internationaler Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie (kurz Isaps) allein im Jahr 2015 zur Korrektur der Schamlippen vorgenommen. 

Besonders die sogenannte Barbie-Vagina hat es den Frauen angetan – bei der Puppe sind keine inneren Schamlippen zu sehen, im Schritt befindet sich lediglich ein kleiner Strich. So sieht natürlich keine Vagina im realen Leben aus. Trotzdem sehnen sich immer mehr Frauen nach dem perfekten Intimbereich.

Dabei gibt es bei Menschen keine Perfektion. Sie widerspricht der Individualität, nach der gleichzeitig jeder strebt. Ein Paradoxon, dem sich viele Frauen zwar bewusst sind, sich aber trotzdem für eine Schamlippenverkleinerung unters Messer legen. Ist der Druck der Gesellschaft zu groß? Retuschierte Werbemodels und Bodyshaming in sozialen Netzwerken tragen ihren Teil dazu bei.

 

Wieso lassen sich Frauen an den Schamlippen operieren?

Natürlich gibt es auch Frauen, die sich aus medizinischen Gründen die Schamlippen operieren lassen. Wenn Schmerzen durch Reibungen den Alltag behindern, kann ein Gespräch über dementsprechende Eingriffe durchaus sinnvoll sein.  

Bei anderen Frauen sind die Gründe für eine Schamlippenverkleinerung rein ästhetischer Natur. Die Ursachen dahinter lassen sich nur vermuten – zum Beispiel, dass das Internet eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der steigenden Operationszahl spielt. Denn dort sind massenhaft nackte Frauenkörper zu sehen.

Eigentlich mag man meinen, dass dadurch eine gewisse Diversität entsteht, die wiederum das Selbstbewusstsein der Frauen stärkt – doch oftmals ist eben doch das Gegenteil der Fall. Denn als besonders schön gelten oftmals die straffen, kleinen Barbie-Vaginas, die eher an einen jungen Mädchenkörper, als an Weiblichkeit erinnern.

Und so kommt es, dass sich immer mehr Frauen unwohl fühlen. Und sich schließlich dazu entscheiden, ihre Schamlippen – meist die inneren - verkleinern zu lassen. 

 
 

Wie stehen Gynäkologen zu Schamlippenverkleinerungen?

Unter Schönheitschirurgen hat der Fachbereich mittlerweile seinen eigenen Namen: Die Labioplastik. Bis Ende 2017 soll sogar eine Leitlinie zur Schamlippenkorrektur fertiggestellt werden.

Viele Gynäkologen stehen dem Trend kritisch gegenüber. Wir haben mit Dr. med Christian Albring  über Schamlippenkorrekturen gesprochen, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover.

Schamlippenverkleinerung - Was halten Sie persönlich davon?

"Operationen an den Schamlippen können aus medizinischen Gründen notwendig werden, zum Beispiel bei einer Krebserkrankung. Was solche Operationen aus rein ästhetischen Gründen angeht, so gilt dasselbe wie für alle Schönheitsoperationen: Es handelt sich nicht um eine medizinisch notwendige Maßnahme, und niemand kann dafür garantieren, dass das Ergebnis wirklich den Erwartungen entsprechen wird, vor allem kann niemand der Frau garantieren, dass das, was sie sich von der Operation erwartet - nämlich zum Beispiel ein befriedigenderes Sexualleben - wirklich eintreffen wird."

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Was denken Sie, woher der Trend kommt – und sind Sie selbst schon mit Patientinnen in Kontakt gekommen, die sich eine Schönheits-Op im Intimbereich wünschten?

"Viele Frauen haben keine Vorstellung davon, dass es natürlich und sinnvoll ist, dass die inneren Schamlippen länger sind als die äußeren. Sie dienen dem Verschluss des Scheideneingangs und somit dem Schutz vor Fremdkörpern  - zu Zeiten als Menschen noch nackt umherliefen.

Das Labienaussehen war noch vor kurzem nicht so wichtig, weil die Intimbehaarung normalerweise den Schamhügel und die Ansicht der Schamlippen verdeckte. Als Folge der vollständigen Rasur des Intimbereichs setzen sich viele Frauen und manchmal auch ihre Partner mit dem Aussehen ihrer Schamlippen intensiver auseinander; manchmal regt auch ein Vergleich mit Fotos oder Filmen aus dem Erotikbereich dazu an.

Manche Mädchen und Frauen fragen, ob das Aussehen ihres Intimbereichs normal ist, und wenn ich ihnen das - auch anhand von Bildmaterial - versichere, sind sie oft beruhigt und lassen den Gedanken an eine chirurgische Veränderung fallen. Bis heute sind Schamlippenkorrekturen Gott sei Dank eine eher seltene Operation, die meist aus einer falschen Vorstellung heraus vorgenommen werden."

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Sollte eventuell sogar vor solchen Operationen gewarnt werden?

"Aus medizinischer Sicht sind die Risiken einer Schamlippenverkürzung im Prinzip überschaubar, allerdings entstehen Narben, die beim Verkehr schmerzen können, da Narbengewebe nicht der eigentlichen Hautstruktur entspricht. In den Wochen nach der Operation sind schmerzhafte Schwellungen häufig und manchmal auch Entzündungen, die aber normalerweise abklingen. Es können aber auch wulstige Veränderungen an den Narben auftreten, also eine optisch ungünstige Veränderung. Narben können auch dauerhaft Schmerzen beim Sitzen, beim Radfahren oder beim Reiten verursachen, und kein Operateur kann versichern, dass er solche Folgen definitiv ausschließen kann."

Die Hauptsache ist doch, dass die Vagina gesund ist. Und das schaffen wir auch ohne Operation - wir dürfen sogar schlemmen: 12 Lebensmittel für eine gesunde Vagina

(ww4)

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