Preis-Schock

Benzin-Preis: Reine Abzocke?! Was wirklich dahinter steckt

Der Diesel knackt die 2-Euro-Marke – Autofahrer:innen fühlen sich abgezockt. Doch was treibt die Spritpreise wirklich so in die Höhe?

Aktuelle Benzin-Preistafel einer Shell-Tankstelle.
Die Sprit-Preise klettern seit Kriegsbeginn im Iran in die Höhe – doch ist das überhaupt gerechtfertigt? Foto: IMAGO / Rene Traut
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Kaum eskaliert der Iran-Krieg, schnellen die Preise an den Zapfsäulen nach oben. Viele Autofahrer:innen trauen ihren Augen kaum: Über zwei Euro für Diesel! Der Tankstellenverband spricht von „reiner Abzocke“. Doch stimmt das wirklich – oder steckt ein anderes System dahinter?

Warum der Spritpreis so schnell steigt

Der Auslöser für die plötzlich hohen Preise ist der Ölpreis. Für Europa ist vor allem der sogenannte Brent-Preis entscheidend. Seit Beginn der Angriffe gegen den Iran ist das Brent-Öl deutlich teurer geworden. Gleichzeitig spielt auch der Dollarkurs eine Rolle – wird der Dollar stärker, verteuert das zusätzlich den Einkauf.

Wichtig zu wissen: An der Tankstelle zahlt man nicht das Öl, das gerade im Tank lagert, sondern den aktuellen Börsenpreis. Unternehmen rechnen mit steigenden Kosten und passen ihre Preise oft sofort an. Deshalb klettern Benzin und Diesel manchmal innerhalb weniger Stunden nach oben.

+++Preisschocks gibt es übrigens nicht nur beim Benzin. Zuletzt sorgten stark gestiegene Schokoladen-Preise für Unmut.+++

Kritik: „Das ist reine Abzocke“

Der Tankstellenverband sieht das kritisch. Sprecher Herbert Rabl sagte gegenüber „Bild“: „Das ist reine Abzocke“. Seine Begründung: Die Lager seien voll, der Kraftstoff sei bereits zu Preisen zwischen 1,60 und 1,80 Euro kalkuliert worden. Es gebe also „keinen Grund, momentan, gestern nicht, heute nicht, die Preise zu erhöhen.“

Tatsächlich dauert es mehrere Tage, bis neu eingekauftes, teureres Öl überhaupt an der Tankstelle ankommt. Zwischen Förderung, Raffinerie und Lieferung vergeht Zeit. Rein logisch steckt im aktuellen Sprit also noch günstiger eingekaufte Ware. Trotzdem steigen die Preise seit Kriegsbeginn schnell an.

Warum Preise schneller steigen als fallen

Der ADAC beobachtet seit Jahren ein Muster: Steigende Rohölpreise würden „recht schnell“ weitergegeben, sinkende dagegen häufig „verzögert“. Fachleute sprechen hier von „asymmetrischer Preisweitergabe“. Heißt einfach: Hoch geht’s fix – runter dauert’s.

Beim Diesel zeigte sich das zuletzt besonders deutlich. In der morgendlichen Spitze lag der bundesweite Durchschnitt laut ADAC bei 2,054 Euro pro Liter. Später am Tag fiel er zwar wieder etwas, doch der Tagesdurchschnitt dürfte weiter steigen. Auch Super E10 zog ordentlich an, wenn auch etwas weniger stark als Diesel.

Regierung greift (noch) nicht ein

Viele hoffen auf eine Entlastung – doch die Bundesregierung plant derzeit keine Spritpreisbremse. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte gegenüber „Welt“: „Die steht nicht auf der Agenda.“ Eine Öl-Knappheit gebe es bislang nicht, aber die Märkte reagierten nervös auf die Kriegslage.

Unterm Strich gilt: Die Spritpreise hängen stark am Ölpreis und am Dollar. In Krisenzeiten reagieren die Märkte besonders empfindlich. Ob die Preise genauso schnell wieder sinken, wenn sich die Lage beruhigt, bleibt abzuwarten. Bis dahin hilft vor allem eins: Preise vergleichen – und möglichst abends tanken.

Quellen