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Birgit Schrowange: Düstere Schattenseiten! Sie packt über ihre Vergangenheit aus

Birgit Schrowange spricht selbstkritisch über ihre Vergangenheit und gibt Einblicke in eine Zeit, die wir zurück hinter uns gelassen haben...

Birgit Schrowange spricht über ihren Kampf für Gleichberechtigung, persönliche Stärke und Selbstverwirklichung...
Foto: Marc Pfitzenreuter / Imago Images

Birgit Schrowange: „Birgits starke Frauen“ nach nur zwei Folgen abgesetzt

Gerade erst wurde ihre Sendung „Birgits starke Frauen“ nach nur zwei Folgen abgesetzt. Ein Quotenflop. Allerdings kein persönlicher Flop für Birgit Schrowange (64): „In meinem Alter hat man da eine große Gelassenheit. Man nimmt die Dinge nicht mehr so wichtig“, resümiert sie in unserem Interview. Sie könnte diese berufliche Krise persönlich nehmen, den Kopf in den Sand stecken. Tut sie aber nicht. Schließlich will sie als Vorbild für Frauen vorangehen und zeigen, dass jede Krise auch stark machen kann...

Birgit Schrowange: Ich war schon früh eine Feministin, ohne zu wissen, was das überhaupt ist

Sie sagten, Sie seien früher eine Rebellin gewesen. Was ist davon heute noch übrig?

Meine Eltern haben drei Kinder – wir waren und sind alle total unterschiedlich. Ich war die Älteste und musste mir alles mühsam erkämpfen. Ich war schon früh eine Feministin, ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Bei uns im Dorf im Sauerland habe ich beobachtet, wie Frauen ihren Männern irgendwas vorgeflunkert haben: „Das Kleid habe ich im Ausverkauf gefunden, war ganz billig!“ Diese Form der Unterwürfigkeit fand ich ganz fürchterlich! Und mir ging auf den Keks, dass unser Dorfpfarrer eine Haushälterin hatte. Ich dachte: „Wieso braucht der eine Haushälterin? Meine Mutter – die müsste eine Haushaltshilfe haben! Meine Mutter arbeitet wirklich hart. Über solche Sachen habe ich als Jugendliche nachgedacht und mich aufgeregt. Meine Mutter war genervt, weil ich immer so bohrende, kritische Fragen gestellt habe. Sie meinte nur: „Das ist eben so.“ All das waren Dinge, die mich zur Rebellin werden ließen. Ich wollte so einfach nicht leben. Meine Eltern hatten mich dazu erzogen, einen guten Mann zu finden. Auf der Mädchenschule musste ich kochen und Hauswirtschaft lernen und fand alles furchtbar.

Woran machen Sie eine starke Frau fest? ?

Ich persönlich finde stark, wenn sie sich nicht von einem Mann abhängig macht. Viele Frauen begeben sich immer noch in diese Abhängigkeit. Ich finde es besser, wenn man nach vorne schaut und einen eigenen Weg verfolgt. Getreu dem schönen Spruch: „Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum!“ Das wollte ich für mich verwirklichen. Meine Großmutter war für mich ein Riesenvorbild: Sie hat im Krieg zehn Kinder alleine großgezogen. Ihr Mann, mein Großvater, kam bei einem schweren Arbeitsunfall ums Leben. Aber meine Oma war trotz dieser extrem harten Zeit, die sie zu bewältigen hatte, immer sehr positiv eingestellt. Ich selber war auch immer ziemlich penetrant und hartnäckig und habe dadurch sehr viel erreicht, was ich ohne diese Penetranz wahrscheinlich nicht geschafft hätte. Natürlich ist es manchmal hart, den Hintern hochzukriegen. Aber Gewinner geben niemals auf!

Birgit Schrowange: "Das war so sexistisch – das würde heute gar nicht mehr gehen"

Viele Frauen klagen darüber, dass Männer im Berufsleben immer noch bevorzugt behandelt werden. Haben Sie das auch beobachtet?

Als ich im Fernsehen anfing, waren Frauen nur hübsches Beiwerk. Mit Glück konnte man Ansagerin oder Assistentin werden. Nehmen Sie Hans-Joachim Kulenkampff, wie er seine Assistentinnen immer vorgeführt hat. Das war so sexistisch – das würde heute gar nicht mehr gehen. Showmaster, Nachrichtensprecher – das waren alles Männer. Auch Redakteure, Reporter und vor allem Chefs – alles Männer. Das hat sich glücklicherweise geändert. Heute hat das ZDF drei Chefinnen – das hätte es früher niemals gegeben. Früher durften Männer alt und hässlich sein und schlechte Zähne haben und trotzdem moderieren. Frauen, die älter waren als 40, wurden vom Bildschirm genommen. Dass Frauen älter wurden, durfte man nicht sehen. Da hat sich inzwischen doch einiges zum Positiven verändert.

Haben Sie sich als junge Frau nicht auch anfangs abhängig von den Urteilen der Männer gemacht?

Klar! Ich war schon früh vor der Kamera. Und natürlich wurde ich von den Männern gnadenlos bewertet: „Wie sieht die denn aus?“ Für mich brach eine Welt zusammen, wenn man mir gesagt hat. „Oh Gott, da hast du aber unvorteilhaft ausgesehen.“ Ganz ehrlich: Heute würde mich das nicht mehr tangieren. Das lernt man mit der Zeit, so was an sich abprallen zu lassen. Aber diese Selbstsicherheit hatte ich natürlich am Anfang überhaupt nicht. Das kam erst mit der Zeit, weil ich gemerkt habe: Die kochen alle nur mit Wasser. Irgendwann durchschaut man das. Und wenn du das mal verstanden hast, dann weißt du: Eigentlich kann dir nichts passieren.

Im Video: Birgit Schrowange: Trauriges Aus - Ihr Glück liegt in Scherben!

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