Können Gesänge helfen?

Buckelwal Timmy an der Ostsee: Neue Entwicklung nimmt weitere Hoffnung

Der Krimi um Timmy geht weiter. Immer neue Ideen sollen den Buckelwal in der Ostsee in letzter Sekunde retten. Doch mittlerweile verschwindet auch die letzte Hoffnung...

Der gestrandete Buckelwal liegt in der Ostsee. Ein Taucher nähert sich ihm.
Vor drei Wochen standete Timmy auf einer Sandbank am Timmendorfer Strand zum ersten Mal. Foto: IMAGO / Agentur 54 Grad
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Sein Schicksal bewegt nicht nur Deutschland. Seit drei Wochen kämpft Buckelwal Timmy in der Ostsee um sein Leben. Und auch wenn eine Rettung kaum noch möglich ist, entwickeln Experten immer neue Idee, um doch noch ein Wunder möglich zu machen. Aber jetzt scheint auch die letzte Hoffnung zu platzen.

Timmy singt nicht, er stöhnt und weint

Dabei hatte klang die neue Idee zuerst optimistisch: Walgesang sollte Timmy mobilisieren. Genauer: Sein eigener Gesang. Denn Timmy hatte in der Nacht zu Sonnabend noch einmal Laute von sich gegeben. Nur: „Die langanhaltenden Geräusche, die man bisher hörte, sind kein Singen, sondern Stöhnen oder Weinen“, so Landwirtschaftsminister Til Backhaus (67, SPD). Deshalb spreche man amerikanischen Meeresbiologen, ob Gesänge anderer Wale helfen könnten.

Die Hoffnung: Durch die Gesänge würde Timmy, der mittlerweile auch „Hope“ – also Hoffnung – genannt wird, neuen Lebenswillen schöpfen. Doch gleichzeitig dämpfen Experten jede Hoffnung: „Dass Timmy sich bewegt und Anzeichen macht, sich aus der Strandung befreien zu wollen, ist ein natürlicher Reflex. Seine Bewegungen und Laute ändern jedoch nichts an der Situation seines Gesundheitszustandes oder den Chancen auf sein langfristiges Überleben“, so Tamara Narganes Homfeldt , Meeresbiologin mit den Schwerpunkten Cetologie, Unterwasserakustik und marine Lebensräume.

Niemand weiß, wie schlecht es Wal Timmy wirklich geht

Auch wenn das Schicksal von Timmy immer mehr Menschen beschäftigt: Die Experten haben kaum noch Hoffnung. Der Grund: „Die Gutachten vor Ort haben ergeben, dass es dem Buckelwal gesundheitlich so schlecht geht, dass weitere Hilfseinsätze nicht zu seiner Rettung führen werden“, so die Expertin. Denn: „Von einer Rettung könnte man nur dann sprechen, wenn Timmy zurück im Nordatlantik wäre, sich vollständig von der Schädigung seiner Haut erholt hätte, die Fischereileine aus seinem Maul entfernt worden wäre und er wieder seinem natürlichen Verhalten nachgehen würde. Dieses Szenario ist leider extrem unwahrscheinlich.“

Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal Timmy ragt aus dem Wasser heraus. Über ihm fliegt eine Möwe.
Für Buckelwal Timmy gibt es laut neuem Gutachten keine Rettung mehr. Foto: IMAGO / Susanne Hübner

Im Gegenteil: „Infektionen seiner Haut könnten bereits den gesamten Organismus betreffen. Die lange Strandung in der Wismarer Bucht hat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits zu irreversiblen Organschäden geführt.“ Und auch das Fischereiseil im Maul ist ein sehr schlechtes Zeichen: Weitere Netzteile könnten in der Speiseröhre und im Magen sein, die nicht entfernt werden können. „Die Folge wäre ein qualvolles Verhungern.

Man will Timmy in Ruhe gehen lassen...

Auch Minister Backhaus erklärt, dass es keine realistische Aussicht auf Rettung gibt. Und die Forderungen Timmy zu helfen, können nicht erfüllt werden. Denn: Ein weiteres Eingreifen verbietet das Tierschutzgesetz. Viel eher würden sie dazu beitragen, dass der Buckelwal weiter gestresst würde oder ihm weitere enorme Schmerzen zugefügt werden könnten – zum Beispiel durch die Befestigung von Gurten, so die Meeresbiologin.

Trotzdem wollen die Menschen weiter um Timmy kämpfen. Schon vier Klagen gingen ein, bei denen es u.a. um seine Rettung ging. Alle wurden von Privatpersonen gestellt – und abgelehnt. Man will Timmy nun „in Frieden gehen lassen“, erklärt Backhaus. Der Wal gibt weiterhin Lebenszeichen von sich und stößt regelmäßig Luft aus. Laut dem Gutachten reagiert das Tier jedoch kaum auf Annäherungen.