NachgefragtDen richtigen Partner finden: Warum Abwarten eine schlechte Idee ist

Man hat Freunde, einen Job, Hobbies - nur die Beziehung fehlt. Den richtigen Partner zu finden, ist gar nicht so einfach.

Inhalt
  1. Ines auf Partnersuche: Ein Sinnbild unserer Gesellschaft
  2. Muss man den richtigen Partner suchen oder sich finden lassen?
  3. 30, Single, einsam 
  4. Warum es für die Partnersuche vor allem Mut braucht
  5. 5 Fragen und Antworten an und von Eric Hegmann: Wie finde ich den richtigen Partner?

Ein Experte verrät, wieso zur Partnersuche vor allem Mut gehört.

 

Ines auf Partnersuche: Ein Sinnbild unserer Gesellschaft

Es ist Sonntagabend. Regentropfen prasseln gegen die Fensterscheibe. Ines stellt den Fernseher eine Stufe lauter, nein zwei, eine gerade Zahl soll es sein. Es wird bereits dunkel, die Tage werden kürzer. Der Herbst steht vor der Tür. Ein weiterer Winter allein, denkt Ines, und fragt sich, wieso sie plötzlich eine Welle von Melancholie überschwappt. War sie es nicht, die noch vor einigen Wochen überzeugt verkündete, sie sei so gerne Single? Und sie genieße die Zeit allein?

Sie muss an die Folge einer Serie denken. "Ich will gerade keine Beziehung" sei demnach das sichere Rezept, sich zu verlieben. Diesen Satz hat sie oft genug gesagt. Passiert ist nichts. Kein Mann in der Bar, der sie für mehr als eine Nacht nachhause nehmen wollte – oder sie ihn. Keine zufällige Bekanntschaft, die ihr die Tür aufhielt und sich in ihren Augen verlor. Keine Funken, keine Herzchen, keine klassische Musik. Nicht dass Ines so etwas in der Realität überhaupt erwarten würde – aber Filmen zufolge hatte sie alles getan, um den perfekten Partner zu finden. Nämlich nichts.  

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Muss man den richtigen Partner suchen oder sich finden lassen?

Damit ist Ines nicht alleine. Nur jeder vierte Single gibt laut Statistiken an, aktiv auf Partnersuche zu sein. Dabei sehnen sich 64 Prozent junger Alleinstehender nach einer lebenslangen Beziehung. Wie passen diese Zahlen zusammen? Hat sich das das besagte „Abwarten und Tee trinken“-Konzept bereits soweit in der Gesellschaft etabliert? Zielführend ist es jedenfalls nicht. Das weiß Paarberater Eric Hegmann: „Wer sagt: 'Ich suche nicht, ich lasse mich finden', signalisiert damit, einem potentiellen Partner auch keinen Platz im Leben einräumen zu wollen.“ Er beobachtet die Entwicklung kritisch. Um den richtigen Partner zu finden, muss man schon aktiv werden – lehnt man sich zurück, schreckt es sogar ab, „denn auch wenn man nicht gleich gebraucht werden möchte, man will schon in einer Beziehung die oberste Priorität des anderen sein. Dazu gehört zu zeigen, dass man investieren möchte. Aktivität ist ein Zeichen von Commitment.“

Sollte man also doch nicht auf das Schicksal warten? Frustriert denkt Ines an ihre beste Freundin, seufzt resigniert, als sie ihrem Ratschlag doch noch nachgibt und zu ihrem Handy greift. Man kann die Dating-App ja mal ausprobieren. Obwohl das eigentlich nur Verzweifelte machen. Und verzweifelt ist sie nun wirklich nicht.

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Dabei ist das Klischee des Internet-Datings heutzutage längst vergangen. „Wer kennt nicht im persönlichen Umfeld mindestens ein Paar, dass sich über Tinder oder Parship kennengelernt hat?“, beteuert auch Erig Hegmann. Ein großer Teil des modernen Lebens verlängert sich über das Internet – wieso sollte die Partnersuche davon ausgeschlossen sein? Längst sind Dating-Plattformen kein Grund zur Scham mehr. Und wer sich erst einmal angemeldet hat, wird schnell eines Besseren belehrt: Die wenigsten sind auf der Suche nach einer schnellen Nummer, sondern vielmehr nach der großen Liebe. Mit einem Blick auf die Statistik ist das kaum verwunderlich.

 

30, Single, einsam 

Den richtigen Partner finden ist gar nicht so einfach. Ein Experte verrät seine Tipps
Den richtigen Partner finden ist gar nicht so einfach. Ein Experte verrät seine Tipps.
Foto: iStock

Über die Hälfte der Singles fühlen sich einsam – manche nur hin und wieder, andere häufiger. Einsamkeit gilt noch immer als Tabu-Thema. Einsam sind ältere Menschen, Senioren, die ihren Partner verloren haben. Aber junge Frauen? Niemals. Eine Studie aus dem Jahr 2017 beweist das Gegenteil. Tatsächlich sind es gerade die jungen 18-Jährigen und Mittdreißiger, die sich häufig oder sogar ständig einsam fühlen - vielmehr als jede andere Altersgruppe. „Den Wunsch nach Bindung trägt jeder in sich, denn alleine sind Menschen in den ersten Lebensjahren nicht überlebensfähig“, weiß Eric Hegmann.

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Warum fällt es manchen Menschen so schwer Single zu sein, während andere es regelrecht genießen? „Das Bindungssystem ist individuell“, so Eric Hegmann. Zudem hängt es von persönlichen Erfahrungen ab: „Das hat sehr viel mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Bin ich überzeugt, nicht 'gut genug“'zu sein, muss ich mir sehr viel Mühe bei der Partnersuche geben. Bin ich ängstlich, weil ich in früheren Beziehungen verletzt wurde, kann ich mich vielleicht nur auf mich selbst und nicht auf andere verlassen und schwer vertrauen.“

 

Warum es für die Partnersuche vor allem Mut braucht

Ines kann vertrauen. Glaubt sie jedenfalls. Selbstbewusst ist sie auch. Trotzdem beschleichen sie Zweifel, als sie ihr Profil auf einer Dating-Seite erstellt. Was, wenn sie dem heutigen Ideal nicht mehr entspricht? Als Single fühlt sie sich plötzlich viel weniger sicher als in Beziehungszeiten. Ein Phänomen, das vielen bekannt ist. Schließlich wird man jahrelang akzeptiert, geliebt, mit allen Makeln. Nun muss man plötzlich vorsichtig sein. Dating bedeutet auch Risiko.

Die Angst der Zurückweisung spielt immer mit, sie verkriecht sich im Unterbewusstsein und tickt auf die Schulter. Jedes Mal, wenn er sich nicht meldet. Wenn es doch wieder nicht gefunkt hat. Wenn das Gefühl aufkommt, nicht für mehr zu reichen. Denn was kaum jemand bedenkt: Für die Partnersuche muss man vor allem mutig sein. „Mut und Vertrauen sind die wichtigsten Zutaten für die erste Kennenlernphase – und auch später, wenn sich aus Verliebtheit echte Liebe und Commitment entwickelt“, rät Eric Hegmann.

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„Herzlichen Glückwunsch, Ihr Profil wurde erstellt“, blinkt es auf Ines Handy auf. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals. Der erste Schritt ist getan. Schnell dreht sie das Display nach unten. Was, wenn ihr niemand schreibt? Oder wenn sie niemandem gefällt? Dann vibriert es plötzlich wieder und wieder. So schnell kann es doch gar nicht gehen, denkt sich Ines und wagt einen Blick. Es ist ihre Freundin: „Hey, kommst du heute Abend mit was trinken? Übrigens: Paul ist auch dabei, du weißt doch, der mit den Locken vom Klassentreffen. Er wohnt jetzt wieder hier...“ Ines grinst. Vielleicht spielt das Schicksal doch noch mit.

 

5 Fragen und Antworten an und von Eric Hegmann: Wie finde ich den richtigen Partner?

Job, Freunde, Familie – der Alltag ist oft voll. Wie und wo lerne ich am besten neue potenzielle Partner kennen?

„Der erfolgreichste Kuppler ist der Freundeskreis, denn Freunde von Freunden geben uns das sichere Gefühl, auf einer Wellenlänge zu sein, da ist also schon eine Art Grundvertrauen und Geborgenheit vorhanden. Danach kommen Arbeitsplatz oder Ausbildungsstelle und das Internet. Wobei es je nach Altersgruppe und Milieu durchaus schon so ist, dass das Internet die Liste anführt. Wenn Sie heute beim Sport jemanden sehen, der Sie interessiert. Sie sprechen ihn nicht an, Sie suchen sein Profil im Netz oder in den sozialen Medien und machen den ersten Kontakt dort. Das ist auch Internet Dating.“

Was halten Sie von der Aussage: 'Willst du gelten, mach dich selten'? Muss man sich als Frau wirklich immer rarmachen, um für Männer interessant zu bleiben?

„Mit der Strategie bleiben Sie eher allein, denn der Grat zwischen Rarmachen und zickig wirken ist sehr schmal. Es ist richtig, dass bedürftig wirken, nicht attraktiv ist. Doch bevor Sie die schwer zu erobern-Strategie ausprobieren, sehen Sie sich lieber mal an, welche anderen Frauen sich so bei Tinder und Parship tummeln. Die Konkurrenz ist groß und sie schläft nicht. Das Risiko ist groß, dass Sie mit Rarmachen nur die Kandidaten bekommen, die die anderen Frauen, die mutig und aktiv waren, nicht haben wollten.“

'Ich gerate immer an den Falschen.' Was raten Sie bei dieser Aussage?

„Diese Falschen wählen wir ja schon selbst, sei es, dass wir sie nicht abwählen oder dass wir bewusst auf sie zugehen. 

Stellen Sie sich das Bindungssystem wie ein Kontinuum vor. Auf der linken Seite ist die Verlustangst. Sie stammt aus der Überzeugung: 'Ich bin nicht gut genug. Ich muss mir Liebe verdienen.' Verlustängstliche Menschen vergleichen sich permanent mit anderen und werten sich selbst ab. Bei der Partnerwahl fühlen sie sich deshalb von vermeintlich starken, selbstsicheren Personen angezogen.

Auf der rechten Seite ist die Bindungsangst. Sie stammt aus der Überzeugung: 'Meine Selbstkontrolle und Autonomie ist mein höchstes Gut. Ich will mein Ich nicht verlieren.' Bindungsängstliche Menschen fürchten, in einer Beziehung im WIR aufgesogen zu werden. Sie fühlen sich angezogen durch bindungsängstliche Menschen, weil die sich um sie bemühen und dadurch ihren Selbstwert erhöhen. Kommen diese ihnen jedoch zu nahe, dann ziehen sie den Rückzug an."

Bindungsangst bei Männern: Das ist das deutlichste Symptom

Woran kann ich schon bei den ersten Dates merken, dass es der Richtige sein könnte?

"Es gibt in der Liebe keine Garantien und keine Sicherheiten. Wer sich oder den potentiellen Partner austricksen, also verliebt machen möchte, wird sicher scheitern. Das kann man nicht erzwingen."

Und zuletzt: Was sind Ihre Geheimtipps zur Partnersuche?

"Seien Sie selbst die neugierige, offene und liebenswürdige Person, die Sie sich als Partner wünschen. Ich habe keinen Tipp parat, der für jeden gilt, ich fürchte auch, es gibt den nicht. Ich weiß aber, dass Liebe zwei Dinge benötigt: Mut und Vertrauen. Dies sind auch die beiden Gegenmittel gegen Verlustangst und Bindungsangst."

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