Gesundheit

Grippesaison startet viel zu früh: Was den Grippevirus H3N2 so gefährlich macht

Deutschland rutscht Wochen zu früh in die Grippesaison, Forschende warnen vor einer neuen H3N2-Variante des Grippevirus, die sich in Europa ungewöhnlich schnell ausbreitet... Wie ernst ist die Lage für Deutschland?

Mann in Bus hält sich Taschentuch vor die Nase
Ein kranker Pendler im Bus: Die frühe Grippesaison sorgt dafür, dass sich Infekte in Deutschland derzeit schneller verbreiten. (Symbolfoto) Foto: Envato Elements/YuriArcursPeopleimages
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Die Grippesaison 2025/26 startet in Deutschland ungewöhnlich früh. Während die Fallzahlen sonst erst gegen Ende Oktober langsam steigen, meldeten Labore und Arztpraxen in diesem Jahr bereits Wochen vorher eine deutliche Zunahme an Influenza-Infektionen. Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) spricht offiziell von einem „frühen und dynamischen Start“, der „genau beobachtet“ werden müsse.

Im Mittelpunkt steht dabei ein Erreger, der europaweit an Bedeutung gewinnt: Influenza A(H3N2) in einer neuen genetischen Variante, der Subklade K. Sie breitet sich schneller aus als frühere Stämme und zeigt deutliche Abweichungen vom diesjährigen Impfstoff-Stamm.

Warum die H3N2-Variante in diesem Jahr besonders im Fokus steht

Die sogenannte Subklade K des H3N2-Virus breitet sich seit dem Sommer in Europa deutlich schneller aus, als frühere Varianten. In mehreren EU-Staaten entfielen zuletzt bis zu 50 Prozent der untersuchten H3N2-Proben auf diese Variante – ein ungewöhnlich hoher Anteil für so frühen Saisonbeginn. Auch in Deutschland mehren sich Hinweise, dass die Mutante die Saison prägen könnte. Forschende sind sich einig: Es gilt besondere Aufmerksamkeit.

Denn die neue Subklade unterscheidet sich genetisch vom diesjährigen Impfstoff-Stamm. Das bedeutet, dass die saisonale Grippeschutz-Impfung weiterhin zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen schützt, der Schutz vor einer Ansteckung jedoch unterm Strich geringer ausfallen könnte. Fachleute gehen deshalb davon aus, dass mehr Infektionen möglich sind – auch bei geimpften Menschen.

Mehrere wissenschaftliche Analysen stützen diese Einschätzung inzwischen: Die „ECDC“ beschreibt Subklade K als „genetisch drifted variant“. Eine aktuelle Publikation der „Association of Medical Microbiology and Infectious Disease“ stuft sie als „vaccine-mismatched“ ein, und genetische Untersuchungen, die auf PubMed veröffentlicht wurden, zeigen deutliche Abweichungen im Erbgut.

Influenzavirusnachweise im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Deutschland (gesamt) in der Grippe-Saison 2025/2026
Influenzavirusnachweise im Nationalen Referenzzentrum für Deutschland in der Grippe-Saison 2025/2026. (Stand: 23.11.2025) Foto: Robert Koch Institut

Hinzu kommt ein weiterer eklatanter Risikofaktor: Nach mehreren milderen Grippe-Saisons seit der Pandemie könnte die allgemeine Immunität in der Bevölkerung schwächer sein. Das, so Forschende, erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Grippewelle schneller ausbreitet und mehr Menschen gleichzeitig erkranken. Einige Gesundheitseinrichtungen bereiten sich daher auf eine ungewöhnlich frühe Belastungsphase vor.

Grippeviren auf dem Vormarsch: Wie du dich jetzt am besten schützt

Fachleute empfehlen die Grippeimpfung in diesem Jahr besonders dringend – vor allem, weil die Saison früher startet und sich die H3N2-Mutante schnell verbreitet. Die Impfung schützt zuverlässig vor schweren Verläufen und wird vor allem für Seniorinnen, Schwangere, chronisch Kranke, und alle empfohlen, die viele Menschen treffen.

Zusätzlich gilt: Räume regelmäßig lüften, Hände oft und gründlich waschen und Abstand halten, wenn jemand hustet oder erkältet wirkt. Gerade in Bus und Bahn hilft es, kurze Zeit mehr Abstand zu schaffen oder eine Maske zu tragen, wenn viele Menschen dicht stehen. Auch wichtig: Bei ersten Symptomen lieber zu Hause bleiben, statt eine Infektion weiterzugeben – besonders an Menschen, die ein höheres Risiko für Komplikationen haben.