Urteil

Horror-Mama aus Lübeck: So verzweifelt waren die Kinder von Maike B. wirklich!

Maike B., die Mutter, die ihren Kindern jahrelang Krankheiten einredete, soll ihren drei Söhnen und ihrer Tochter Medikamente gespritzt haben. Die 49-Jährige wurde nun vom Gericht für schuldig befunden und zu acht Jahren Haft verurteilt.

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Sie zwang vier ihrer fünf Kinder in den Rollstuhl, spritzte ihnen Medikamente und redete ihnen ein, schwer krank zu sein: Maike B. stand seit dem 19. August 2019 wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und gewerbsmäßigen Betrugs vor dem Lübecker Landgericht. Dort sagte sie aus, unschuldig zu sein, und schwieg ansonsten zu den Vorwürfen. Jetzt wurde sie nach drei Monaten Prozessdauer zu acht Jahren Gefängnis verurteilt.

Wie alles begann: Es war ein Januartag, 2014, als der ,Spiegel' eine Mutter und ihre drei kranken Söhne in Lübeck besuchte. Glasknochenkrankheit lautete die Diagnose damals. Wie geht die Mutter mit so einem Schicksalsschlag um, fragt die Reporterin. "Man muss Nächstenliebe leben", sagt Maike B., die von dem Vater der Kinder getrennt lebt. "Ich glaube, es hat einen Sinn, dass ich all das erlebe. Ich soll meine Erfahrungen, auch meinen Schmerz, mit anderen teilen. Manchmal kann ich dadurch helfen, das macht mich sehr froh." 

Doch den Schmerz, den mussten wohl vor allem die Kinder erleiden. 

Maike B. erzählte ihre Geschichte damals auch Stern TV und anderen Medien, gab zahlreiche Interviews zu dem scheinbaren Schicksalsschlag ihrer Familie. "Wenn ein Arzt mir sagt, es sei so weit, Ihr Sohn muss ab jetzt im Rollstuhl in den Kindergarten, dann nehmen wir es mit Humor und freuen uns, dass wir keine Kita-Gebühr mehr zahlen müssen." 

Lübeck: Mutter Maike B. redete ihren Kindern Krankheiten ein - neue Details
Am Landgericht Lübeck muss sich eine Mutter wegen Misshandlung ihrer Kinder und Betrugs verantworten. Foto: iStock

Kinder mussten im Rollstuhl sitzen - obwohl sie kerngesund waren

Maike B.s drei Söhne (heute 15, 13 und 10) saßen im Rollstuhl - weil ihre Mutter es so wollte. Die 49-Jährige hat ihre Jungen sowie eine Tochter (heute 19) dazu gezwungen, im Rollstuhl zu sitzen. "Sie hat ihren eigenen Kindern schwere Krankheiten eingeredet, die nicht bestanden", sagte Staatsanwältin Renate Hansen nach 'Spiegel'-Informationen. "Weil sich die vier Minderjährigen vormittags nur im Rollstuhl bewegen durften, waren sie sozial und schulisch sehr beeinträchtigt." 

Eine Tochter, heute 27, die das Elternhaus schon früh verlassen hatte und nicht betroffen war, bestätigte vor Gericht, dass ihre Mutter ihren Geschwistern Krankheiten einredete. "Meine Mutter hat den Kindern erzählt, ihre Krankheiten würden sich verschlimmern, wenn sie nicht im Rollstuhl säßen." Kamen Gutachter nach Hause, sollten die Kinder sich besonders krank darstellen, so die 27-Jährige. Ihre Geschwister hätten nur „50 bis 80 Schritte am Tag" laufen dürfen, sonst würden sie querschnittsgelähmt werden, habe die Mutter ihnen eingeredet.

Die vier Kinder sollen an Rheuma, Arthritis, Asthma, der Bluterkrankheit und der sogenannten Glasknochenkrankheit gelitten haben, bei der sich die Knochen langsam zersetzen. 

Maike B. erschlich sich Sozialleistungen

Von 2010 bis 2016 stellte Maike B. ihre Kinder als schwer krank bei Behörden und Ärzten dar. Sie fälschte Arztberichte, schilderte falsche oder erfundene Symptome, um an Atteste zu kommen. Auf diese Weise erschlich sie sich Sozialleistungen in Höhe von 140.000 Euro. Der Hausarzt der Familie bestätigte zudem im Prozess, dass Maike B. ihren Kindern selbst Spritzen setzte, obwohl die Kinder gesund waren

Maike B. hat sich ein Lügengerüst aufgebaut. Eine Welt, die zusammenbrach, als ein gefälschtes medizinisches Gutachten beim Gesundheitsamt des Kreises Ostholstein landete. Und als sich die jüngere Tochter von Maike B. an das Jugendamt wandte. Zudem beobachteten Nachbarn, wie die drei Söhne erst im Rollstuhl saßen und Stunden später draußen spielten - ohne sichtbare körperliche Beschwerden. Das Kartenhaus fiel zusammen.

Misshandlung & Betrug: Mutter streitet alles ab

2019 musste sich die fünffache Mutter vor dem Landgericht Lübeck wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und 18-fachen gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Die Anklage stritt ihre Beschuldigungen ab: "Ich habe nichts davon getan." Sie habe alle nötigen Atteste vorgelegt und bis heute gebe es keine Untersuchungen ihrer Kinder, die bestätigen, dass sie gesund seien und sie gelogen habe. Die Beweislage spricht allerdings eine andere Sprache. Und so wurde die Angeklagte nun für schuldig befunden und verurteilt.

Doch auch nach dem Urteilsspruch bleibt die Frage nach dem Motiv: Warum konnte die Mutter so lange diese Lügen verbreiten? Und vor allem: Wie konnte sie ihrem eigenen Nachwuchs so etwas antun? "Ich vermute, es ging meiner Mutter neben dem Geld auch um Aufmerksamkeit", sagte die älteste Tochter vor Gericht aus. Ihre Geschwister, die in Pflegefamilien und Heimen untergebracht waren, liefen immer wieder zur Mutter zurück und wollten sich vor Gericht nicht äußern.

Leidet Maike B. am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom?

Maike B. könnte am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leiden. Betroffene sind vor allem Mütter, die ihre Kinder absichtlich krank machen und Ärzte belügen - meist, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Ostholsteinerin stimmte einem psychologischen Gutachten bisher nicht zu.

In dem Interview von 2014 sagte sie: "Wirklich arm ist nur, wer keine Phantasie hat."

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