Kind im heißen Auto vergessen: Können diese Schutzsysteme Leben retten?
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann für ein Kind im heißen Auto lebensgefährlich werden. Spezielle Schutzsysteme sollen verhindern, dass es überhaupt so weit kommt und lassen sich teilweise sogar nachrüsten. Doch wie gut funktioniert die Technik?
Es ist der Horror aller Eltern: das eigene Kind im Auto vergessen. Was für viele unvorstellbar klingt, kann tatsächlich passieren – völlig unbeabsichtigt. Beim sogenannten Forgotten Baby Syndrome können Stress, Routinen oder Veränderungen im Tagesablauf dazu führen, dass Eltern vergessen, dass ihr Kind noch im Auto sitzt. Leider kann dieses Vergessen gerade im Sommer zur tödlichen Gefahr werden. Denn das Innere eines Wagens heizt sich schnell auf, wie ADAC-Messungen zeigen. Bei 28 Grad Außentemperatur steigt der Wert im Wageninneren bereits nach 30 Minuten auf über 45 Grad, nach 90 Minuten sind es fast 60 Grad.
Child Presence Detection Systeme im ADAC-Test
Sogenannte Child Presence Detection Systeme (CPD) sollen Eltern und Passanten warnen, wenn ein Kind im Auto vergessen wurde, und so Schlimmeres verhindern.
Der ADAC hat vier fest verbaute Systeme getestet. Bei den Systemen des BYD Seal, des Zeekr 001 und des BMW iX3 handelt es sich um direkt messende Systeme. Sie arbeiten mit Radar, Kameras oder Ultraschall und können tatsächliche Lebenszeichen wie Bewegungen oder Atmung erfassen.
Bei dem Dummy eines einjährigen Kindes und einem Hund funktionierten die drei direkt messenden Systeme im Test gut. Bei einem Neugeborenen-Dummy in einer per Isofix befestigten Babyschale hatten sie jedoch Probleme, diesen zu erkennen.
Das indirekt messende System des Mercedes-Benz CLA arbeitet dagegen mit Fahrzeugdaten, wie zum Beispiel geöffneten Türen, und schließt daraus, dass sich möglicherweise noch jemand im Auto befindet. Im Test wurden weder der Neugeborenen- noch der Kinder-Dummy erkannt.
Auch bei den Warnungen gibt es Unterschiede: Der BMW iX3 hat eine besonders umfangreiche Alarmstrategie mit Warnblinkern, Display-Hinweis, automatischer Standklimatisierung und Push-Nachrichten. Der BYD Seal und der Zeekr 001 warnen mit Warnblinker und Hupe. Beim BYD kommt zusätzlich eine Smartphone-Benachrichtigung hinzu. Der Mercedes-Benz CLA warnt dagegen lediglich über eine Anzeige im Fahrzeugdisplay.
Ältere Autos mit CPD-Systemen nachrüsten
Es ist möglich, ältere Autos mit CPD-Systemen nachzurüsten. Die meisten dieser Systeme erkennen Kinder über Sensoren im Kindersitz oder Gurtschloss, die per Bluetooth mit einem Smartphone verbunden sind. Entfernt sich der Elternteil vom Auto, während das Kind noch drinsitzt, wird er über die dazugehörige App informiert.
Solche Systeme sind recht günstig zu haben, erfassen aber keine Atem- oder Bewegungsdaten. Auch Fehlalarme sind möglich. Zudem haben diese Systeme nicht immer eine von außen sichtbare Alarmwirkung. Das bedeutet, Passanten werden nicht darauf aufmerksam, wenn ein Kind im Auto vergessen wurde.
Das solltest du tun, wenn du ein im Auto vergessenes Kind entdeckst
Wenn du ein Kind alleine im Auto entdeckst, prüfe zunächst, ob es bei Bewusstsein ist. Ist das Kind nicht bei Bewusstsein oder zeigt es Anzeichen von Überhitzung, solltest du direkt den Notruf wählen. Ist das Kind bei Bewusstsein und wirkt nicht akut gefährdet, versuche herauszufinden, ob die Eltern oder eine andere Aufsichtsperson in der Nähe sind (zum Beispiel durch Rufen oder Nachfragen in benachbarten Geschäften).
Befindet sich das Kind in akuter Lebensgefahr und lässt sich die Situation nicht anders lösen, kann es notwendig sein, eine Scheibe des Wagens einzuschlagen, um das Kind zu befreien. In einer solchen Notlage kann die Sachbeschädigung gerechtfertigt sein.
Ein Child Presence Detection System kann im Ernstfall eine wichtige zusätzliche Sicherheit sein. Trotzdem gilt: Es ersetzt nicht den Blick auf die Rückbank, bevor du das Auto verlässt.
Quellen
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