Mama-BlogKinder vor den Fernseher setzen? Wann das vertretbar ist

Kleinkinder und Medienkonsum - ja oder nein? Wann sie ihr Kind vor den Fernseher setzt, berichtet hier Mama-Bloggerin Timea, Mutter einer 1-jährigen Tochter.

Wann sie ihre Tochter vor den Fernseher setzt, obwohl sie es nicht mag, berichtet hier Mama-Bloggerin Timea.
Wann sie ihre Tochter vor den Fernseher setzt, obwohl sie es nicht mag, berichtet hier Mama-Bloggerin Timea.
Foto: iStock

 

Eigentlich sollte mein Kind "nicht fernsehen" ...

"Letzte Woche erkrankte mein Tochter mit einer schweren Bronchitis. Sie war ein armes kleines Würmchen, sie litt, sie hatte schlechte Laune, sie wollte nicht spielen, keine Bücher anschauen und nur kuscheln mit Mama war irgendwann auch nicht mehr gut. Da mir nach einigen Stunden die Ideen ausgingen und mein Kopf rauchte, holte ich als letzten Ausweg Netflix zur Hilfe und zeigte ihr ein-zwei Folgen "Peppa Wutz". Die kleine rosa Schweinchenfamilie bewirkte Wunder, Léla hörte auf zu weinen und saß still gebannt auf meinem Schoß.

Das war ein Paradebeispiel dafür, wie man als scheinbar ambitionierte Mutter doch gegen seine Prinzipien handelt und Dinge tut, die man nie niemals tun wollte. Mein Kind sollte nicht "fernsehen", oder wie auch immer man das nennen soll. Da wir ein moderner, digitaler Haushalt sind mit sämtlichen Streamingdiensten im Angebot, mehreren Handys, Tablets und Laptops, heißt es wohl "Medien konsumieren". Ich wollte meine Tochter vom stumpfen “in die Glotze gucken” so lange wie möglich fernhalten.

Kinderkanal und Co. sind der Untergang der aktiven Welterkundung unserer kleinsten Mitmenschen. Laut Psychologen sollte man sein Kind die ersten drei Jahre gar nicht fernsehen lassen. Die ersten Jahre sind dafür gedacht, dass unsere Kinder Beziehungen "lernen" und aufbauen. Menschliche Beziehungen, tierische Beziehungen, sie sollen eben echte Beziehungen aufbauen, statt eine innige Verbundenheit zum Fernseher (Handy/Tablet/Laptop) pflegen.

 

Der Kontakt mit Medien hat auch Vorteile!

Mein Mann und ich gehören (leider) zu den Menschen, die ihr Handy immer und überall dabei haben und auch zwischendrin mal Emails checken. Als Freiberuflerin habe ich mein Büro immer dabei. Zwar versuchte ich Léla so gut möglich von der Technik abzuschotten. Doch ganz vermeiden ließ es sich nicht. Ehrlich gesagt sehe ich auch kein Problem darin meiner fast zweijährigen Tochter ab und an mal kurze 2-Minuten-Videos mit niedlichen Kätzchen zu zeigen. Unsere Kinder wachsen in einer anderen Welt auf, als wir. Meiner Meinung nach bringt die bedingungslose Verteufelung sämtlicher Medien rein gar nichts. Egal was wir als Eltern tun oder nicht tun: unsere Kinder werden mit Handys und Co. aufwachsen.

Dies hat auch seine Vorteile. Wenn Papa mal wieder auf Geschäftsreise ist und abends nicht nach Hause kann, haben wir angefangen per Videochat mit ihm zu kommunizieren. Das Glänzen in Lélas Augen spricht Bände. Bevor sie ihren innig geliebten Papa für eine ganze Woche gar nicht sieht, soll sie wenigstens über das böse Handy mit ihm sprechen können. Oder mit ihren Großeltern. 750 Kilometer Entfernung lassen sich nicht einfach mal so und jede Woche überbrücken. Léla soll ihre Oma und ihren Opa öfters sehen können. Wieso nicht mit digitalen Hilfsmitteln?!

 

Wahnsinn, wie apathisch der Fernseher kleine Kinder macht!

Fotos und kurze Videos gucken, sowie das Anpatschen der Geräte sind für mich in Ordnung. Beim regelmäßigen Fernsehkonsum hört der Spass aber auf. Habt ihr mal beobachtet wie erschreckend das ist, wenn ein Kleinkind plötzlich aufhört mit egal welcher Beschäftigung es vorher nachging, sobald der Fernseher angeht? Das ist regelrecht gruselig. Jedem das seine, ok. Aber so ganz kann ich es nicht verstehen, wenn Mütter ihre Kinder stundenlang vor den Kinderkanal setzen, um Ruhe zu haben. Unser Job als Mutter ist schwer und kann sehr nervenaufreibend sein. Manchmal muss man Ausnahmen machen, um weiter funktionieren zu können. Aber bitte nicht täglich und nicht stundenlang.

Kinder sollen spielen, zanken, Tiere streicheln, die Welt entdecken und Dinge analog konsumieren. Die guten alten Bücher zum Beispiel. Wir haben eine Vielzahl an Kinderbüchern zuhause. Ich wechsle sie immer durch, damit es nicht langweilig wird. Léla fasst die Seiten an, kommentiert die Bilder oder pfeffert das Buch in die Ecke. Wie toll es doch ist das Gewicht von Gegenständen zu spüren! Das alles kann die Zeichentrickserie in der Röhre nicht. Die kann nur ablenken und fesseln mit einer Intensität, die zum Entwicklungsstillstand führt.

Ega,l wie oft ich darüber nachdenke und mich über das Thema austausche, mit Erziehern, Freunden oder Psychologen - nächsten Samstag werde ich wohl mal wieder eine Ausnahme machen. Wir fliegen in den Urlaub und ich befürchte, dass ich nicht soviele Bücher und Malstifte mitnehmen kann, dass sich mein liebes kleines Mädchen problemlos viereinhalb Stunden beschäftigen wird. Ich denke, "Peppa Wutz" darf beim Onboard-Entertainment aushelfen... Und ich schlucke mein schlechtes Gewissen runter."

Bis ganz bald,

Eure Timea

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Um diese Story zu erzählen, hat unsere Redaktion ein Video ausgewählt, das an dieser Stelle den Artikel ergänzt.

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