LipoCheck nach „Die Höhle der Löwen“: Das wurde aus der Lipödem-Plattform
Lipödem-Patientinnen warten oft Jahre auf einen Arzttermin. Mit der LipoCheck-App fällt diese Wartezeit nun weg, Antworten per Ferndiagnose sind nun näher als je zuvor.
Schwere Beine, Schmerzen, blaue Flecken – und jahrelang keine Erklärung: Für viele Frauen mit Lipödem ist das traurige Realität. Mit LipoCheck wollten Helena Rapprich (29), ihre Schwester Anina Langhans (32) und ihr Vater Dr. Stefan Rapprich (60) genau diese Versorgungslücke schließen – und stellten in der „Höhle der Löwen“ eine digitale Gesundheitsplattform vor, die Betroffene schneller zur Diagnose und passenden Therapie bringen soll.
Wenn das „dicke Bein“ mehr ist als ein Schönheitsproblem
Die Idee zu LipoCheck stammt aus der täglichen Praxis von Dr. Rapprich. Der Dermatologe und Venenspezialist behandelt seit über 30 Jahren Patientinnen mit Lipödem, einer schmerzhaften Fettverteilungsstörung, die häufig lange unerkannt bleibt. „Ich sehe oft, wie verzweifelt Patientinnen sind, weil sie keinen passenden Arzt finden oder nicht ernst genommen werden. Viele warten Jahre, bis sie eine Diagnose und damit eine passende Therapie bekommen“, erklärt er.
Genau hier setzt LipoCheck an. Über einen medizinischen Fragebogen, Körperdaten und Fotos können Betroffene ihre Angaben an die Plattform übermitteln. Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte werten die Daten aus und liefern innerhalb weniger Tage eine fachärztliche Einschätzung mit individuellen Therapieempfehlungen – etwa zu Kompression, Bewegung, Ernährung oder dem Sinn operativer Eingriffe. Parallel bietet LipoCheck langfristige Unterstützung mit Tipps zu Bewegung, Ernährung und Selbstmanagement. Betroffene wie Annika berichten, dass allein der Weg zur Diagnose mehrere Jahre und viele frustrierende Arztbesuche gedauert hat – genau das soll die Plattform verkürzen.
Kann LipoCheck mehr als eine KI?
In der Höhle wird schnell klar, wie groß das Thema ist – aber auch, wie kritisch die Löwen beim Geschäftsmodell hinschauen. Janna Ensthaler stellt die Frage, ob eine KI wie ChatGPT LipoCheck nicht obsolet machen könnte. Dagmar Wöhrl widerspricht sofort: Viele Menschen wollen mit echten Ärztinnen und Ärzten sprechen, zumal eine KI weder verbindliche Diagnosen stellen noch Medikamente verordnen darf. Helena betont, dass LipoCheck eben diese verbindliche ärztliche Einschätzung liefert – mit menschlicher Verantwortung.
Preislich setzt LipoCheck auf ein Abo-Modell: 5,99 Euro pro Monat oder 59,99 Euro pro Jahr. Wer den Telemedizin-Service zur diagnosenahen Einschätzung nutzt, zahlt 38,89 Euro pro Nutzung – davon gehen 25 Euro an die Ärztin oder den Arzt, 13 Euro bleiben beim Start-up. Den größten Hebel sehen die Gründer aber in Selektivverträgen mit Krankenkassen – drei Verträge gibt es bereits, über deren Details sie allerdings nicht frei sprechen können.
Die Unternehmensbewertung liegt bei 6 Millionen Euro, basierend auf einem Angebot von 300.000 Euro für fünf Prozent. Dem stehen bislang rund 150.000 Euro Einnahmen gegenüber. Die Gründer rechnen allerdings mit stark wachsenden Umsätzen – auch, weil der Trend zur digitalen Diagnostik geht und LipoCheck sich klar auf eine Nische fokussiert.
Wenn Geldfragen das Vertrauen kosten
Genau beim Geld beginnt es für die Löwen zu hakeln. Über manche Deals dürfen die Gründer aufgrund von Vertraulichkeiten nicht sprechen, wodurch wichtige Teile des Geschäftsmodells im Unklaren bleiben. Gleichzeitig scheint das Unternehmen bereits rund 2 Millionen Euro Finanzierung eingesammelt zu haben. Da stellt sich für die Investor:innen die naheliegende Frage: Wofür werden die Löwen noch gebraucht?
Helena betont, man suche vor allem Know-how und Kontakte, um weitere Krankenkassen ins Boot zu holen und perspektivisch in die USA zu expandieren. Für Dagmar wirkt die Planung dafür noch nicht ausgereift genug – insbesondere, wenn man mit so großen Zielen in eine Investoren-Show geht.
Daten als Schatz – aber auch als Risiko
Als klar wird, dass LipoCheck umfangreiche Daten sammelt, wird das Interesse erneut geweckt: Rund 15.000 Nutzerinnen haben die Plattform bereits genutzt. In den USA darf man – mit entsprechender Einwilligung – Daten von Nutzer:innen zudem für Forschungszwecke und den Aufbau von KI-Modellen einsetzen. Das eröffnet theoretisch neue Geschäftsmodelle, bringt aber natürlich auch ethische und regulatorische Fragen mit sich.
Trotzdem reicht es nicht für ein Angebot. Ralf Dümmel sieht sich nicht als passenden Partner für ein sensibles Gesundheitsthema. Gastlöwe Christian Miele erwartet starke Konkurrenz im internationalen Markt digitaler Health-Plattformen. Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler halten das Risiko angesichts der unklaren Dealstruktur und der Bewertung für zu hoch. Am Ende kommt es zu keinem Deal.
Wie es mit LipoCheck weitergeht
Auch ohne Löwen geht LipoCheck seinen Weg weiter. Die Plattform ist weiterhin als App für Android- und für iOS-Geräte verfügbar, interessierte Nutzerinnen können sich zudem über die Website informieren. Auf Instagram teilt das Team Informationen rund um Lipödem, Erfahrungsberichte und Hinweise zu Diagnostik, Therapien und Alltagstipps.











