Mama-KolumneMama-Wahnsinn²: Einer kotzt immer

Der Winter ist für die meisten Familien mit Kita-Kindern der blanke Horror. Eine Kinderkrankheit reiht sich an die Nächste. Bei uns regiert gerade der Magen-Darm-Terror. 

Wenn man Husten, Schnupfen, Bronchitis und Lungenentzündungen überstanden hat, glaubt man eigentlich: Schlimmer kann es nicht werden. Doch, kann es. Und zwar kommt der Super-GAU in Gestalt eines Magen-Darm-Virus. Bisher hatte ich nur von Freundinnen davon gehört und war heilfroh, davon verschont geblieben zu sein.

Bis vor zwei Wochen. Es dauerte keine 24 Stunden, da lag die ganze Familie flach. Während man es als Erwachsener meist rechtzeitig auf die Toilette schafft, schießt es aus Kleinkindern ungebremst und fontänenartig heraus. Meine zweijährigen Zwillinge Tom und Ben sind da keine Ausnahme. Rückblickend kommen mir diese Tage vor wie aus einem Horrorfilm. 

 

Plötzlich herrscht Ausnahmezustand - 24 Stunden am Tag

Obwohl mir selbst hundeelend war, funktionierte ich wie ein Uhrwerk. Denn während man versucht die Berge an Wäsche zu bewältige, und das Haus einigermaßen von Erbrochenem zu befreien, ist man permanent angespannt wie ein Flitzebogen. Bei jedem verdächtigen Geräusch (Husten, Würgen, Rülpsen, Pupsen), rannte ich sofort los. Nach Tag drei waren mein Mann und ich eingespielt wie ein Sondereinsatzkommando. Einer schnappte sich das kotzende Kind, beruhigte es, machte es sauber und zog es neu an und der andere, begann sofort den Tatort zu reinigen. Jeder Handgriff saß! Wieder eine Schlacht geschlagen. Wäre da nicht die düstere Vorahnung gewesen, dass, wenn der eine gerade gekotzt hat, der andere vermutlich gleich nachlegt. Also legte man sich auf die Lauer und versuchte den Schaden so gering wie möglich zu halten. Jederzeit bereit, sich zwischen die Kotze und das Sofa zu werfen, denn das passte nun wirklich nicht auch noch in die Waschmaschine. 

Unterhalten haben mein Mann und ich uns in dieser düsteren Woche kaum. Wir waren einfach zu fertig. Stattdessen haben wir uns abgedroschene Phrasen wie: "Bald wird es besser" oder "Wir schaffen das schon" zugeworfen. Danach hat wieder jeder todmüde in seine Teetasse gestarrt und sich unwillkürlich gefragt, wann wir den magenschonenden Tee endlich wieder gegen Alkohol eintauschen können. Bevor ich Kinder hatte, habe ich nie geglaubt, dass ich jemals so müde sein könnte. Warum Schlafentzug eine Foltermethode ist, kann ich total nachvollziehen.

 

Kotzen und dann direkt weiterspielen - Kinder sind schon komisch

Während einem selbst kotzübel war, sind Kinder irgendwie ganz anders gepolt. Eben wurde noch gespuckt, in der nächsten Minute wird schon wieder fleißig mit Bauklötzen gespielt oder mit dem Feuerwehrauto durchs Haus geflitzt. Wie machen die das bloß?! Während ich also gerade das letzte Missgeschick beseitigte, plapperte mein Sohn schon wieder munter drauf los: "Mama, hab' gespuckert!" Ich hatte nur ein müdes Kopfnicken für ihn übrig. Zumindest wusste er, was los war. Und plötzlich keimte ein Funken Hoffnung in mir auf: Vielleicht kann er ja beim nächsten Mal vorher Bescheid sagen?! Nein, kann er nicht. 

"Augen zu und durch", noch so eine schöne beliebige Floskel, mit der ich mich in dieser Woche täglich selbst angefeuert habe. Aber genau so ist. Ist man selbst krank, kann man sich einfach auskurieren. Im Bett liegen, schlafen, Netflix gucken. Hat man Kinder, geht das nicht. Da gilt es die wenigen Ruhephasen so effektiv wie möglich zu nutzen. Und ständig wägt man ab, Wäscheaufhängen und Betten neu beziehen oder duschen gehen und schlafen.

Nach knapp 10 Tagen war der ganze Spuk vorbei. Und statt endloser Müdigkeit, enstand da plötzlich diese Euphorie. Endlich wieder Normalität! Bis zum nächsten Super-GAU, der schon lauert, aber das ist eine andere Geschichte.

Und falls ihr euch fragt, wer hier eigentlich schreibt: Ich bin Maren, Redakteurin bei Wunderweib und Mama von 2-1/2 jährigen Zwillingsjungs. Ab sofort werde ich einmal die Woche für euch aus meinem Alltag mit meinen Kindern berichten. Hautnah, knallhart ehrlich und immer wunderbarECHT!

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