Vorgeburtliche Krebsbehandlung

Medizinischer Meilenstein: Baby mit Tumor erstmals im Mutterleib behandelt

Es ist eine medizinische Sensation: Im Mutterleib wird der seltene Tumor eines kleinen Jungen behandelt.

Symbolbild von Neugeborenen im Krankenhaus: Erstmals bekommt Baby Krebsbehandlung im Muterleib.
Symbolbild: Noch im Mutterbleib bekommt der kleine Issa die lebensrettende Krebsbehandlung. Foto: iStock/ chaikom
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Im Mutterleib kämpft ein kleiner Junge ums Überleben. Ein Tumor am Hals schnürt ihm beinahe die Luft ab. Ärzte in Frankreich wagen etwas, was es zuvor noch nie gab - sie behandeln das Baby noch im Mutterleib.

Schockdiagnose im siebten Schwangerschaftsmonat

Es muss ein Schock für die 34-Jährige werdende Mutter Viviane gewesen sein, als bei einer Routineuntersuchung ein massiver Tumor am Hals ihres ungeborenen Kindes entdeckt wird. Die Ärzte in der Entbindungsklinik im französischen Mülhausen sind sich einig: Der Fötus ist schwer krank, denn die Schwellung wächst schnell. „Der Tumor im Halsbereich hat die Atmung des Babys massiv gefährdet“, so der Arzt Chris Minella, der den Tumor entdeckte. Ursache ist das sogenannte Kasabach-Merritt-Syndrom (KMS), eine seltene Erkrankung, die mit einem Gefäßtumor einhergeht.

Die Situation ist dramatisch, sofort erfragen die Ärzte Unterstützung aus dem spezialisierten Referenzzentrum in Lyon. Experten schlagen umgehend eine pränatale Therapie vor. Heißt, die Mutter nimmt oral ein spezielles Medikament ein, was die Neubildung von Blutgefäßen hemmt und so das unkontrollierte Wachstum des lebensbedrohlichen Tumors stoppen soll.

So geht es dem kleinen Issa heute

Die Behandlung hat Erfolg! Das Wachstum des Tumors kann gebremst werden. Der kleine Issa wird am 14. November per Kaiserschnitt geboren. Anders als die Ärzte zunächst befürchten, muss der kleine Junge nicht intubiert werden, um atmen zu können. Alexandra Spiegel-Bouhadid, die behandelnde Ärztin von Issa spricht von einer „außergewöhnlichen Behandlung“, denn nur dank der vorgeburtlichen Therapie konnte die Fehlbildung stabilisiert werden.

Nach einem Monat im Krankenhaus werden Mutter und Kind nach Hause entlassen. Der kleine Issa wird aber regelmäßig untersucht. Heute ist er drei Monate alt. Der Tumor im unteren Gesichtsbereich ist noch sichtbar. Doch Mama Viviane versichert, dass ihr Sohn „gut isst und wächst“. Trotz der Geschwulst sei Issa „ein normales Kind“ und ein echter Kämpfer.