MelancholieNeujahrsdepression: Wie wir den Januar-Blues austricksen

Jedes Jahr dasselbe: Auf Weihnachten und Silvester folgt die Neujahrsdepression. Wieso wir im Januar in ein Loch fallen - und wie wir wieder herauskommen!

Inhalt
  1. Eine Psychologin erklärt das Stimmungstief
  2. Was hilft gegen den Januar-Blues?
  3. Weg mit den guten Vorsätzen!

So sehr ich Weihnachten liebe, so sehr hasse ich den Januar. Wenn man mich fragt, wieso, antworte ich, dass der Monat so grau sei. Das ist in Hamburg keine Ausnahme und daher eigentlich kein Grund. Trotzdem ist grau das Adjektiv, das für mich den Jahresbeginn am besten beschreibt, ich verbinde es mit verschwommen, trostlos, nicht schwarz, nicht weiß, sondern eben irgendwo dazwischen.

Januar ist für mich der Kater nach den Feiertagen. Das liegt nicht am Glühwein, sondern vielmehr an der beschwipsten Stimmung: Einen Monat lang bereitet sich die ganze Welt auf drei Tage vor. Selbst der größte Weihnachtsmuffel kommt im Advent nicht an ein wenig besinnlicher Stimmung vorbei.

Dafür sorgen geschmückte Straßen und Häuser, funkelnde Lichter, Lebkuchengeschmack und Glühweinduft an jeder Ecke. Man springt von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, besorgt Geschenke, plant das Weihnachtsessen. Und dann ist plötzlich alles vorbei. Sollte die Festlichkeit, auf die man 24 Tage hinfiebert, nicht mindestens auch genauso lange anhalten? Gut, das wäre auch für einen Weihnachtsfan wie mich zu viel. 

Was ich sagen will: Einen Monat dreht sich alles um Weihnachten, dann um Silvester. Und dann? Dann folgt ein Loch. Es heißt Januar. Über die Feiertage befinden wir uns in einer Art Schwebe, treffen Familie und Freunde – und fallen. Wäre man poetisch, könnte man die Neujahrsdepression gleich mit einer Silvesterrakete vergleichen. Himmelhoch explodiert sie vor Freude, um dann irgendwo im nirgendwo wieder unbemerkt auf dem Boden zu landen.

Zurück bleibt eine graue Leere. Motivationslosigkeit, Müdigkeit, Melancholie. Wieso ist das so? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt. 

Nach dem Bild erfährst du die Antwort >>>

Im Januar fallen viele Menschen in ein Loch.
Im Januar fallen viele Menschen in ein Loch - das ist aber ganz normal. 
Foto: iStock
 

Eine Psychologin erklärt das Stimmungstief

Lisa Fischbach, Psychologin bei ElitePartner, kann den Januar-Blues erklären:

„Die grauen Tage des Januars und das beginnende neue Jahr können erheblich die Stimmung drücken.

Zum einen sind die emotional aufgeladenen Festtagen oft auch fordernd durch die ungewohnte Nähe, hohe Erwartungen an das Miteinander und Enttäuschungen in dem Zusammenhang.

Anderseits ist das Jahresende für viele eine Zeit, in die vergangenen 12 Monate zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Nicht selten fällt diese unbefriedigend aus, erkennen wir verpasste Chancen und das Scheitern von Vorsätzen.

Gerade Singles erleben einen Post-Feiertagsblues, spüren sie oft während dieser Zeit das Fehlen eines Partners.“

Kann eine Neujahrsdepression denn wirklich gefährlich werden?

Das emotionale Tief hat nichts mit einer Depression zu tun. Eine Phase von Niedergeschlagenheit gehört zum Leben einfach dazu. Es ist normal und auch gut, Nicht-Erreichtes zu bedauern.“

Es ist also ganz normal, dass man im Januar auch mal melancholisch wird. Es ist schließlich auch kalt und dunkel. Die Jahreszeit spielt in Bezug auf die Stimmung ebenfalls eine große Rolle. An dunklen Tagen schüttet der Körper mehr Melatonin aus, das müde macht und eine Winterdepression begünstigt.

 

Was hilft gegen den Januar-Blues?

„Jetzt gilt es aber, nicht in diesem Loch zu verharren, sondern daraus neuen Elan zu entwickeln", rät Frau Fischbach, "Hilfreich ist, sich die Erfolge des letzten Jahres vor Augen zu führen, auch wenn Negatives stärker in der Erinnerung bleibt."

Über negative Dinge sollte man hingegen nicht zu lange nachdenken: "Es lohnt nicht, lange über gescheiterte Vorsätze nachzugrübeln. Wichtiger ist es, nicht aufzugeben, sondern zu überlegen, wie es künftig besser gelingt. Um nicht die gleichen Muster zu wiederholen, sollten diesmal die Ziele realistischer geplant werden. Weniger ist mehr und es spricht nichts dagegen, bei Erfolg neue Pläne zu schmieden.“

Wie man die Neujahrsdepression noch bekämpft:

Klingt, als sollte man wieder mit dem Joggen anfangen – zu Anfang reicht auch ein Spaziergang. Denn was noch helfen kann, ist:

 

Weg mit den guten Vorsätzen!

Ich persönlich glaube, dass die schlechte Laune auch von den guten Vorsätzen kommt. Im Advent will man nicht verzichten, man genießt, schlemmt, lässt Fünfe gerade sein und zieht Kuschelsocken ohne schlechtes Gewissen den Laufschuhen vor. Im Januar aber muss man irgendwann wieder zurückfahren.

Und ganz ehrlich? Diese ganzen guten Vorsätze setzen doch eigentlich nur unter Druck, statt zu motivieren.

Wenn wir anfangen, den Januar als Monat zu sehen, in dem wir alle eben noch etwas mitgenommen von den Feiertagen sind und es langsamer angehen, habe ich Hoffnung: Als entspannter Übergang ins neue Jahr würde ich dem Januar dann doch noch eine Chance geben. Im Frühling haben wir schließlich genug Zeit – und Motivation – durchzustarten. Das reicht vollkommen. Da brauchen wir jetzt nicht gegen das fiese Melatonin ankämpfen.

 

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(ww4)

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