Abschied von einer großartigen Frau

Rita Süssmuth ist tot: Ihre größten Erfolge und wofür sie bis zum Schluss gekämpft hat!

Rita Süßmuth war mutig, unbequem – und bis zum Ende eine Kämpferin. Jetzt erlag sie ihrer Krebserkrankung. Sie wurde 88 Jahre alt.

Prof. Rita Suessmuth Deutschland, Germany, Berlin, 15.11.2017
Prof. Rita Süßmuth erlag ihrer Krebserkrankung. Sie wurde 88 Jahre alt. Foto: IMAGO / IPON
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Kaum eine Frau prägte die deutsche Politik, wie sie: Als erste Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und Bundestagspräsidentin war Rita Süßmuth über Jahrzehnte eine wichtige Stimme. Dabei war sie für Deutschland erst eine Unbekannte – und wurde schnell zu „lovely Rita“.

Streitbare Ministerin – für Frauen

Ihr Leben in Stichworten: 1937 in Wuppertal geboren, Abitur, Studium, Arbeit an der Pädagogischen Hochschule Osnabrück, Lehrauftrag an der Ruhr-Universität Bochum, Professorin für Erziehungswissenschaften. Zur Politik kam sie auf Umwege: 1981 trat sie in die CDU ein, arbeitete im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Familie. Dann kam Kanzler Helmut Kohl und machte die bis dahin eher unbekannte Rita Süßmuth zur Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) – und damit zur Bundesministerin.

Schnell galt sie als streitbare Ministerin. Denn das Frauen- und Familienbild der CDU passte nicht zu ihr. Sie setzte sich für sexuelle Aufklärung ein. Und sie sprach offen über AIDS, ohne Panik zu verbreiten, als alle anderen dazu lieber schwiegen. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“, war ihre Devise. Damit erwarb sie sich nicht nur Respekt. In Umfragen hatte sie schnell hohe Beliebtheitswerte.

Sie stand zu ihren Überzeugungen

Immer wieder kämpfte sie für Frauenrechte und Gleichberechtigung. Anfang der 1990er-Jahre suchte sie nach einem Kompromiss im Streit um den „Abtreibungsparagraphen“ §218. Sie legte ihre Initiative „Die letzte Entscheidung muss bei der Frau liegen“ zur Reform des Abtreibungsparagraphen vor – und wurde dafür scharf von der CDU-Bundestagsfraktion und Bundeskanzler Helmut Kohl kritisiert. Doch das war ihr egal. Sie stand zu ihren Überzeugungen, ließ sich nicht verbiegen. Und sie kämpfte bis zum Schluss für Frauen.

Bundeskanzler Helmut Kohl und Rita Suessmuth beim Wahlkampfauftakt der CDU in Wolfsburg, am 23.04.1990
1985 holte Kanzler Helmut Kohl die damals kaum bekannte Rita Süßmuth in sein Kabinett - der Start ihrer Karriere als Politikerin. Foto: IMAGO / photothek

2002 verabschiedete sie sich aus der Politik – und blieb eine Mahnerin. So setzte sie sich zum Beispiel in der CDU für eine Frauenquote ein. 2021 bekam sie die Diagnose Brustkrebs. „Ich sitze nicht herum und warte auf den Tod“, sagte sie 2024 in einem Interview mit BILD. Sie hielt weiter Vorträge, arbeitete an ihrem Buch. „Das ganze Leben ist ein Geschenk“, sagte sie. „Aber wir müssen etwas daraus machen.“

„Ich habe noch viel vor“

Damals sprach sie auch vom Tod. „Ich weiß nicht, was der liebe Gott mit mir vorhat. Klar ist, ich will noch nicht sterben“, sagte sie in dem Interview. „Ich habe noch viel vor. Ich möchte dazu beitragen, dass es unserer Gesellschaft besser geht. Dafür gebe ich alles.“

Jetzt starb sie – mit 88 Jahren. Doch ihre Stimme wird nachhallen. „„Die Nachricht vom Tod der langjährigen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth hat mich tief bewegt“, so Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung.“ Der ehemalige CDU-Chef Armin Laschet nannte Süssmuth bei X ein „Vorbild und eine gute Freundin“. Und: „Sie wird schmerzhaft fehlen.“ Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte bei X, er trauere um Süssmuth: „Sie war eine große Politikerin und ein Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen. Deutschland verdankt ihr viel."

Quellen