Schritt für Schritt

Schnuller abgewöhnen: Wie du deinem Kind den Schnuller abgewöhnen kannst

Der Schnuller tröstet und beruhigt Kleinkinder und Babys. Doch irgendwann wird es Zeit für eine Entwöhnung. Wie du den Schnuller abgewöhnen kannst, erklären wir hier.

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Der Schnuller ist für viele Babys und Kleinkinder ein wichtiger Begleiter: Er tröstet und beruhigt. Einige Säuglinge haben ein starkes Saugbedürfnis, das durch den Schnuller befriedigt wird. Zum Einschlafen ist der Nuckel beliebt, bei Eltern wie Kindern.

Kurzum: Der Schnuller ist für Kinder und Eltern eine Hilfe – doch irgendwann heißt es: Abschied nehmen. Wir erklären, wie du deinem Kind den Schnuller abgewöhnen kannst und klären die wichtigsten Fragen zum Thema.

In welchem Alter sollte man den Schnuller abgewöhnen?

Hier gehen die Meinungen von Expert*innen stark auseinander. Die Kinderärztinnen Gisela Brehmer und Barbara Beland appellieren in ihrem Buch "Aus der Praxis einer Kinderärztin" an die Eltern, den Schnuller nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich einzusetzen und ihn spätestens nach 18 Monaten abzugewöhnen. "Spätestens ab de, ersten Geburtstag bleibt der Schnuller tagsüber im Bett und wird nicht mehr mitgenommen", so die Meinung der Ärztinnen. Ihr Rat: "Die Schnullerkette soll ab sechs Monaten verschwinden, um die Schnullernutzung zu verringern." Da sich der Saugrefelx ab sieben Monaten in der Regel zurückbilde, sollten Eltern damit beginnen, "den Schnuller abzugewöhnen, indem Sie ihn seltener und kürzer geben."

Das sieht in der Realität oftmals anders aus. Viele Kinder haben auch mit zwei oder drei Jahren noch das Bedürfnis, den Schnuller zu benutzen, wenn sie gestresst sind oder Trost brauchen. Dr. Margret Ziegler vom kbo-Kinderzentrum München sieht den Zeitpunkt zum Abgewöhnen des Schnullers etwas flexibler. "Ab etwa dem 2. Lebensjahr begünstigt ein Schnuller im Dauereinsatz Zahnfehlstellungen. Daher sollte spätestens dann ein Schnuller nur noch zur Beruhigung oder zum Einschlafen angeboten werden und sonst im Alltag des Kindes nicht mehr vorkommen". Spätestens nach dem 4. Geburtstag sollte der Schnuller laut Ziegler ganz verschwunden sein und ein Kind den Alltag und das Einschlafen ohne meistern können.

Gut zu wissen: Alle drei Ärztinnen sind sich aber einig, dass der Schnuller nicht als "Mundstopfer" fungieren soll, sondern vor allem zum Einschlafen oder, wenn die Eltern trotz Trösten nicht weiterkommen.

Schnuller abgewöhnen: Mit diesen Tipps gelingt der Abschied vom Schnuller

Vielen Eltern steht der Schweiß auf der Stirn mit Blick auf die Schnullerentwöhnung. Wird mein Kind den Abschied verkraften? Wie viele Nächte dauert es, bis es sich an den fehlenden Schnuller gewöhnt hat? Und wie kann ich mein Kind auf sanfte Weise von seinem hießgeliebten Saugobjekt entwöhnen?

Kind hält einen Schnuller in der Hand auf einer weißen Decke. - Foto: Irina Brester/iStock
Mit diesen 6 Tipps gelingt eine sanfte Entwöhnung vom Schnuller:
  1. Der richtige Zeitpunkt. "Den Zeitpunkt für eine Schnullerentwöhnung bestimmen die Eltern", sagt Dr. Margret Ziegler aus München. Doch wenn ihr kurz vor einem Umzug steht, ein Geschwisterkind gerade geboren ist, das Kind an sein eigenes Bett gewöhnt wird, ihr gerade mit einer Grippe zu kämpfen habt, in den Urlaub fahrt oder eine Kita-Eingewöhnung vor der Tür steht, ist der Zeitpunkt nicht ideal. Wenn ihr gerade in herausfordernden Zeiten steckt, macht es wenig Sinn zu versuchen, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen. Neue Entwicklungsschritte erfordern möglichst ruhige Rahmenbedingungen und Energie.

  2. Mit dem Kind darüber reden. Um es deinem Kind leichter zu machen, sich von seinem Schnuller zu lösen, hilft es, immer wieder darüber zu reden und es zu trösten, wenn es traurig wird, weil es sich bald vom Schnuller verabschieden muss. Ist das Kind schon älter und kann sich sprachlich ausdrücken, sollte es mit in die Entwöhnung einbezogen werden. "Oft wollen Kinder das besprechen und aushandeln. Die Zeit sollte man ihnen geben", schreibt Dr. Ziegler. „Es ist wichtig, das Kind grundsätzlich ernst zu nehmen und es mit in den Prozess einzubeziehen.“ Doch auch, wenn sich dein Kind noch nicht sprachlich ausdrücken kann, solltest du es darüber in Kenntnis setzen, dass es nun Zeit wird, sich vom Schnuller zu verabschieden.

  3. Schnuller sparsam einsetzen. Während der Abgewöhnungsphase den Schnuller außer Sichtweite legen und die Schnullerzeit sukzessive reduzieren: Zum Mittagsschlaf weglassen bzw. nach dem Einschlafen den Schnuller mittags wie abends aus dem Mund ziehen. Tagsüber keinen Schnuller anbieten. Verlangt dein Kind danach, die Schnullerzeit auf ein festes Zeitfenster beschränken und das so auch kommunizieren. Etwa: "Du darfst jetzt fünf Minuten den Schnuller bekommen, danach legen wir ihn wieder weg." Im letzten Schritt bekommt dein Kind den Schnuller am besten nur noch zum Einschlafen.

  4. Ersatzobjekt anbieten. Mache deinem Kind klar, dass es sich auch anders beruhigen kann und es dazu ermutigen, dass es den Schnuller gar nicht mehr braucht. Das kann eine Kuscheleinheit mit Mama oder Papa sein, ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke- oder Kissen, Musik hören, ein Buch anschauen (gibt es auch zum Thema Schnuller abgewöhnen).

  5. Ein Abschiedsritual überlegen und es durchführen. Um deinem Kind den Abschied zu erleichtern, kann es helfen, die Geschichte von der Schnullerfee zu erzählen (sie nimmt den letzten Schnuller nachts mit und lässt ein Geschenk da), den Schnuller in eine Art Abschiedskiste zu legen oder zu einem Schnullerbaum zu fahren (es gibt z.B. einen im Lüneburger Wald). Egal, für welches Ritual ihr euch entscheidet: Wichtig ist, es deinem Kind vorher mitzuteilen und dann das Vorhaben durchzuziehen. Legt also einen festen Tag für den Abschied des Schnullers fest und haltet euch daran.

  6. Konsequent sein. Der Erfolgsfaktor hängt davon ab, wie konsequent ihr seid. Keinen Schnuller mehr im Haus zu haben, ist da das A und O, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten. Wichtig ist, dass Kind nicht allein zu lassen, wenn es mit dem Abschiedsschmerz zu kämpfen hat. Bestärkende Worte, wie "Wir schaffen das gemeinsam", können unterstützend sein.

Wie lange dauert die Schnullerentwöhnung?

In der Regel dauert es etwa drei bis fünf Tage, bis sich dein Kind an ein Leben ohne Schnuller gewöhnt hat. Doch jedes Kind ist individuell, weshalb sich dieser Zeitraum nicht mit Sicherheit festlegen lässt.

Was passiert, wenn Kinder zu lange einen Schnuller haben?

Kieferchirurgen und Kinderärzte sind sich weitestgehend einig: Ein regelmäßiger Schnullergebrauch über einen langen Zeitraum kann (im schlimmsten Fall) zu Zahn- oder Kieferfehlstellungen führen. "Mit Durchbruch der ersten Backenzähne ist das Kind mit 18 Monaten kieferorthopädisch kein Säugling mehr", schreiben Gisela Brehmer und Barbara Beland in ihrem Buch "Aus der Praxis einer Kinderärztin". Lutscht das Kind dann weiter, könne die Entwicklung der Mundmotorik und des Kiefers dauerhaft gestört werden.

Logopäden sehen einen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Gebrauch eines Schnullers und Lispeln. Der Grund: Der Schnuller (oder Daumen im Mund) drückt die Zunge nach unten, weshalb sie ihre natürliche Lage nicht mehr einnehmen kann – nämlich oben am Gaumen, wenn wir nicht sprechen oder essen. "Diese veränderte Ruhelage kann sich auf die Zungenmuskulatur auswirken: Die Muskeln der Zunge sind dann schlaffer und können den S-Laut nicht mehr so fein bilden", schreibt Wiebke Schomaker, Logopädin aus Burgwedel, in einem Blogbeitrag.

Quellen

  • Remo H. Largo, Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren, Piper Taschenbuch, 2021, 576 Seiten. 

  • Gisela Brehmer, Barbara Beland, Aus der Praxis einer Kinderärztin, Rowohlt Taschenbuch, 2018, 544 Seiten.

Artikelbild und Social Media: Irina Brester/iStock

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